3
Eleganz Alles übertrifft, was der Adel in ſeinen Schlöſſern, was mancher Kö— nig in ſeinem Pallaſte an Reichthümern und Schäßzen aufgehäuft hat, nämlich:
Crockford's Clubb.
Dieſer befindet ſich in der St. Jamesſtraße und iſt eigentlich nichts Ande— res, als eine ungeheuere Spielanſtalt, zu welcher aber nur die Mitglieder des Clubbs und die von ihnen eingeführten Fremden Zutritt haben. Es iſt wohl das größte und geſchmakvollſte Etabliſſement dieſer Art auf der Erde, gegen wel⸗ ches alle früheren Spielhäuſer dieſer Art in Paris, mit Einſchluß Frascati's, nichts als gemeine Räuberhöhlen genannt zu werden verdienten. Drei große ele— gante Häuſer wurden in dieſem theuern, faſhionablen Stadtviertel niedergeriſ— ſen, um auf ihren Trümmern den jezigen Pallaſt der Glüksgöttin zu erbauen. 60,000 Pfd. St., alſo mehr als 600,000 Gulden koſtete das Gebäude, und wei— tere 400 000 Gulden wurden auf deſſen innere Einrichtung verſchwendet. Spiegel von ſechszehn Fuß Höhe und acht Fuß Breite zieren den Salon, deſſen Deke und Wände mit dem künſtlichſten, reich vergoldeten Schnizwerk prangen. Stühle und Sopha's, ebenfalls aus ſoliden Mahagoniwurzeln und aus Roſenholz geſchnizt, ſind mit Eiderdunen gepolſtert, das reinſte Spermöl glüht in den maſſiven Kronleuchtern und verwandelt die Dunkelheit der Nacht zum glänzendſten Mit— tag; ſechsunddreißig mit Gold bedekte Aufwärter ſind geſchäftig auch den leiſe⸗ ſten Wünſchen der Geſellſchaft zuvorzukommen, und erſcheinen und verſchwinden auf den bloßen Wink des Herrſchers, wie die dienſtbaren Geiſter in„Tauſend und eine Nacht.“
Aber was iſt alle Pracht der Spiel- und Geſellſchaftszimmer, verglichen mit dem Glanze der unterirdiſchen Regionen! Dort thront der größte Speiſen⸗ chemiker unſerer Zeit, Monſiuer Ude, von deſſen Kunſt Talleyrand ſagte: daß er bie franzöſiſche Küche nur in England kennen gelernt; umgeben von den In⸗ ſignien ſeiner Herrſchaft, wie Vulkan in der Hölle. Doch führt er nur das Re— giment, und überläßt die Vollſtrekung ſeiner Befehle ſeinen„Adjutanten“, den „Aides de cuisine“, von denen jeder eine Beſoldung von ſechstauſend Gulden bezieht. Monſieur Ude ſelbſt hat als General en chef einen Gehalt von tau— ſend Guineen.
Noch tiefer im Reiche der Finſterniß liegt der Weinſchaz. Man berechnet ſeinen Werth auf 84,000 Gulden, und in Bezug auf die Qualität iſt er ohne Nebenbuhler auf dem großen Markte der Welt. Alle Erfriſchungen im Crockford— Clubb werden umſonſt verabreicht, und das große Souper im Salon wird eben— falls nächtlich für alle Anweſenden aufgetragen, obgleich es ſich gewiſſermaßen von ſelbſt verſteht, daß nur die Spieler daran Theil nehmen.— Nach dem Souper wird wieder geſpielt und zwar ſo lange als ſich hiezu Liebhaber fin— den, das heißt bis drei oder vier Uhr Morgens, auch manchmal bis acht Uhr, wenn der folgende Tag kein Sonntag iſt. Denn obgleich das eigentliche Ge—⸗ ſchäft des Herrn Crockford kein anderes iſt, als das ſchon mehrmals erwähnte Taubenrupfen, und obſchon er ſich damit ein Vermögen von mehr als drei Mil— lionen Gulden erworben hat, ſo verſteht er doch zu gut ſeinen engliſchen Katechis— mus, und weiß, wie ſehr die Religion, die engliſch- biſchöfliche nämlich, mit der Politik der meiſten ſeiner Gönner zuſammenhängt, um am Tage des Herrn die Kirche zu verſäumen, oder für einen Sabbathſchänder zu gelten. Sonnabend


