Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
671
 
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Abend präzis 12 Uhr wird ſein Haus verſchtoſſen, und Sonntag Nachts präzis um 12 Uhr wird es wieder geöffnet, und es leben die Eingeweihten dergrie chiſchen Kirche der feſteſten Ueberzeugung, daß dieſe vierundzwanzigſtündige Ent baltſamkeit den Appetit für das Spiel eher vermehrt als vermindert, und daß die Begrerde der Spieler mit dem aſtronomiſchen Morgen des Montags die Lauf⸗ bahn einer neuen Woche zu beginnen, für die Feier des Sonntags hinlänglichen Erſaz leiſtet. Wenigſtens findet man immer vor dem Anfange des Spieles eine Anzahl edler Lords und Gentlemen, welche mit der Uhr in der Hand, kaum die erſehnte Stunde erwarten können, wo es ihnen frei ſteht, ihr Geld auf eine neue Chance zu ſezen. Man ſchäzt die Koſten des Crockford-Clubbs wö⸗ chentlich auf 12,000 Gulden, und die Summe der dort gewonnenen oder verlo renen Gelder wöchentlich auf 100,000 Pfd. Sterl., doch iſt während der Varla mentſizung, zu welcher Zeit der Clubb am beſuchteſten iſt, ſchon eine Million Pfund Sterling in vier Wochen verloren worden. Herr Crockford, und wie die Verläumdung ſagt, auch einige Lords und Gentlemen, beſoldeten eine ge⸗ wiſſe Anzahl von Griechen, deren Geſchäft es iſt, in der ganzen Stadt und an allen faſhionablen Orten des Königreichs auf den Taubenfang auszugehen und dieſe niedlichen Thierchen, beſonders wenn ſie reich befiedert ſind, nach und nach in den Clubb zu bringen. Eine ſolche Taube muß jedoch zuerſt kirr gemacht werden, und dieſes geſchieht gemeiniglich erſt beim Abendeſſen, daher denn auch nächſt dem Groomporter oder Croupier welcher für ſeine Mühe, auf das Spiel Acht zu haben und das Reſultat deſſelben nach jedem Wurfe hörbar aus zurufen, wöchentlich die Kleinigkeit von ſechshundert Gulden empfängt der Küchengeneral, Monſieur Ude und der Superintendant des Weinkellers, Herr Crockfort junior für die wichtigſte Perſon gelten, und von den 570 ordentlichen Mitgliedern mit ausgezeichnetſter Hochachtung behandelt werden.

(Beſchluß folgt.)

Das Klädchen mit weißen Haaren.

Nach drei Jahren, die ich verreiſt, die ich verloren hatte, ſah ich ſie vor acht Tagen zum erſten Male wieder; es war im Theater. Alle um mich her ſa hen auf ſie nur ich wagte es nicht. Mich folterte das peinlichſte Gefühl, da ich ſie wieder erkannt hatte. Thränen, Thränen der Reue traten mir ins Au ge.Arme, arme Henriette! rief ich halblaut. Ein Nachbar zog mich am Aermel und flüſterte mir zu:Herr, iſt's nicht ſonderbar, daß ein junges Mäd chen ſchneeweißes Haar hat?Ach, fiel ihm ein alberner Fant in's Wort, ſäße hier ein junger Dichter morgen ſtände eine rührende Romanze von der Jungfrau mit dem Silberhaar im Journal. Wahrhaftig, das junge Natur wunder könnte einen Poeten begeiſtern. Hätte ich einen Dolch gehabt ein junger Fant weniger lebte jezt auf der Welt. Ich wollte aufſpringen und fliehen, aber wie mit unſichtbarer Gewalt hielt's mich feſt auf meiner Bank, ihr gegenüber, zu der ich das Auge nicht mehr aufſchlagen mochte. Endlich hob ſich der Vorhang; ich glaube, ſie ſpielten ein luſtiges Stük, denn um mich her wur de gelacht. Ich hörte nichts, mein Schmerz allein beſchäftigte mich.