Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
668
 
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in der andern die italieniſche Spielart in Anwendung kommt, ausgefochten werden. In Weſtpreußen ſpinnen auch die Töchter reicher Gutsbeſizer noch. In Marienwerder war ein Preis für das feinſte Handgeſpinnſte ausgeſezt worden. Ein Fräulein lieferte ein nor malmäßiges Stüäk Garn von 20 Ge binden, jedes zu 40 Fäden, das nur ein Loth wog und bequem durch den Kiel einer Schwanenfeder gezogen wer den konnte. Ein anderes ging durch ei nen Kinderring. Bei der lezten Il lumination in Berlin las man vor der Wohnung eines armen Mannes: Hab ich gleich Exekution, Mach' ich doch Illumination!

Man ſtellt jezt darüber gelehrte Nachforſchungen an, wo der Erfinder der Monumente war und wann das er ſte Jubiläum gefeiert worden iſt, damit man dem Erſtern ein Monument ſezen und den Jubeltag des erſten Jubiläums feſtes ſeiner Zeit mit Saus und Braus begehen könne. In Paris ſind ſeit Kurzem ſieben Theaterſtüke ausgepocht worden, deren Verfaſſer ſämmtlich Damen waren. Eine böſe Sieben! Der bekannte Ueberſezer N. Värmann in Hamburg ſoll bereits 445 Bände aus dem Engliſchen übertragen haben. Dem. Schebeſt gab am 5. Oktober zu Danzig ein Konzert, wobei das hal be Duzend Billets 3 Thaler ko⸗ ſtete. Die vielen in Frankreich vor kommenden Vergiftungen hat endlich die dortige Polizei veranlaßt, dem leichtſin

nigen Verkaufe des Arſenik Schranken zu ſezen. In Preßburg hat die erſte Oper:Norma fiasco gemacht. Im Koburgiſchen ereignete ſich kürzlich der merkwürdige Fall, daß bei einem Exa⸗ men der Geprüfte und der Prüfende Beide durchfielen. Der Fußboden brach nämlich ein. Ein Paar der dümm ſten Schüler haben dabei offene Kö⸗ pfe bekommen.

Lokal-Zeitung.

Theatrallſches. Auf der Ofner Bühne gab mon am 10. d., zum Vortheil der Demoiſelle Melchior, zum erſten Male: Adolphine, oder der Gifttrank, Schauſp. in 4 Abth. v. A. Vary. Das Opus ſcheint nach einer franzöſiſchen Quelle gearbeitet zu ſein. Eine Gattin vergiftet ſich aus Eifer ſucht und läßt ihrem Manne freies Feld, um ſich mit einer Rebenbuhlerin zu verelnen. Die vier ſehr kurzen Akte(das Stük war ſchon vor halb neun uhr zu Ende) ſind indeſſen nicht langweilig und an Effektſtellen fehlt es auch nicht, was dem Schauſpiele beifällige Aufnahme verſchaffte. Hiezu kam noch das Spiel der Mad. Melchior, das wir wahrhaft künſtleriſch nennen müſſen. Sie erhielt auch enthuſtaſtiſchen Beifall. Auch die junge Be neſizlantin ſpielte ihre kleine Rolle recht löb lich. Hr. Fröhlich war ausgezeichnet in ſeiner Chevaller-Rolle und Hr. Windiſch gab den Grafen ſehr gut. M.

Am 10. d. ging auf dem Peſther Thea ter das alte Spektakelſtük:dee Leopard und der Hund über die Bühne; ein Stük, wo zahme und wilde Thiere, zahme und wilde Menſchen vorkommen, eine jener Rettungskomödien, wie ſie vor ein Paar De zenien auf den meiſten Bühnen heimiſch wa ren. Dieſes Stük iſt mit allen Ingredienzien, welche zu einer Rettungskomödie gehören, ausgeſchmükt: ein wüthender Tyrann, ein Burgfräulein, eln in Lumpen wandelnder Greis, der aber nichts Anders, als ein von ſelnen Schlöſſern verjagter Gaugraf iſt, ein Leopard, als ſteter Bealeiter des Tyrannen, und ein Hund, der ſich als Symbol der Tu gend repräſentirt, obwohl die Tugend noch nicht auf den Hund gekommen iſt Ven der Handlung läßt ſich gar nichts ſagen, es iſt ejgentlich gar keine Handlung, ſondern blos eine Troöͤdelel, indem lauter abge nuzte, verbrauchte Sachen darin vorkommen; die Pointe des Stükes war, als am Schluſſe der Leopard und der Hund einen Kampf auf Leben und Tod vollbrachten. Das Gallerie publikum war beim Anblite jenes reiß ſen den Thieres ganz hinge riſſen und

Kann das Werk den Melſter loben, Wenn der Beifall kommt von oben?!

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Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.