Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
667
 
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gimente der Fußjäger machte ſie die Feld⸗ züge in Deutſchland mit, und verließ darauf dieſes Regiment, um im achten leichten Infanterieregimente weiter zu dienen. In der Schlacht bei Auſterliz zeichnete ſie ſich durch wahrhaft ſelte⸗ nen Muth und Verachtung der Gefahr aus; ſie ward ſo gefährlich am Schen kel verwundet, daß die Aerzte an ih rem Aufkommen verzweifelten. Dieſe Verwundung ward Gelegenheit, daß ihr Geſchlecht nicht länger ein Geheim niß blieb. Wieder geneſen, zog ſie noch ein mal die blau und gelbe Uniform ih res Regimentes an. In einem ſpätern Gefechte übergab ſie Napoleon eine Bitt⸗ ſchrift, die ſie verfaßt und auf einer Trommel beim Scheine des Wachtfeuers niedergeſchrieben hatte. Napoleon belohn te ihre Tapferkeit würdig: ſie ward zum Unterlieutenant in ihrem Regimente er nannt, und der Kaiſer nahm ſein Ops denskreuz von der Bruſt, die Tapfere damit zu ſchmüken. Im Jahre 1807 ward ſie, ihrer durch Wunden und Strapazen geſchwächten Geſundheit we gen, ehrenvoll entlaſſen, und erhielt eine Penſion von 675 Franken. Von der Kaiſerin Joſephine, der ſie ſich einſt vorgeſtellt hatte, erhielt die kriegeriſche Genterin ein prachtvolles Sammet kleid zum Geſchenk. Dieſes Sammet⸗ kleid, das Lieutenantspatent der Ver ſtorbenen und ihr Kreuz hat jezt ihr Neffe, ein Schneider in Gent, geerbt.

London. Auf dem Kirchhofe in Wittingham, nahe bei Shrewsbury in England, ward unlängſt eine Beobach⸗ tung gemacht, die für die Medizin nicht ohne Bedeutung iſt. Ein reicher Pach ter des Flekens ward in dem Erbbe⸗ gräbniſſe beigeſezt, wo ſein Vater ſeit fünfunddreißig Jahren ruhte. Ein Thierarzt, der die Beiſezung der Leiche leitete, trug Fürſorge, daß die Gebei ne des Vaters nicht durch die Haken und Spaten des Todtengräbers beſchä⸗

digt würden. Als er die Gebeine näher beſah, fand er an den Knochen des Bruſtbeins(sternum) kleine Körper, die einen metalliſchen Glanz hatten; auch an andern Knochen des Oberleibes fand er daſſelbe. Dieſe Theilchen, die ſorg⸗ fältig geſammelt wurden, erwieſen ſich ſpäter als oxydirter Merkur. So war alſo fünfunddreißig Jahre lang jen es Metall in der Leiche geblieben. Wahr ſcheinlich hatte der Verſtorbene kurz vor ſeinem Tode es in bedeutenden Doſen einnehmen müſſen.

Frankfurt. Einem Frankfurter Einwohner, der wegen blutiger auf of⸗ fener Straße verübten Gewaltthätig keiten zu einer vier- oder fünfjährigen Zuchthausſtrafe verurtheilt wurde, war, auf ſein Anſuchen, ſtatt dieſer Strafe Deportation nach Amerika bewilligt worden. Man führte ihn mit dem Schwert feger Glauth nach Vremen ab, um dort eingeſchifft zu werden. Indeß wurde ſei⸗ ne Uebernahme von der dortigen Be hör⸗ de abgelehnt, weil, wie bereits bemerkt ward, zwiſchen der Hanſeſtadt und den Verein. Staaten eine Uebereinkunft be⸗ ſteht, nach welcher die Fortſchaffung von Verbrechern gewiſſer Kategorien, zu der auch das befragte Individuum gehört, über dieſen Seeplaz nicht geſtattet iſt. Der Verurtheilte iſt daher wieder nach Frankfurt zurükgebracht werden.

Etwas von Allem. Thiers, ſagt man, ſpottet ein kleines Oppoſi⸗ tionsblatt, hat den energiſchen Willen, die Ehre Frankreichs aufrecht zu erhal⸗ ten. Das mag möglich ſein; aber man bedenkt nicht, daß dieſe Ehre ſchon tief geſunken ſein muß, wenn ſie ſich auf die Schulter des kleinen Miniſters ſtü⸗ zen kann. Zwiſchen dem Hamburger und Breslauer Schachklubb iſt es zur Kriegserklärung gekommen. Der Kampf wird zu gleicher Zeit in zwei Partien, bei welchem in der einen die franzöſiſche,