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Vertrag, welcher bereits ſeit 1. Mai durch Zahlung eines monatlichen Vor— ſchuſſes per 50 Thlr. pünktlich von ihm (dem Direktor) erfüllt wurde, wider— rechtlich aufgelöſt habe.“ Er ſezt noch hinzu, daß er„gegen H. Kreuzer den Rechtsweg betreten habe, und daß jedes Rechtlichkeitsgefühl verlezende Beneh— men des Mannheimer Hoftheater-Comi— tés in dieſer Angelegenheit in allen deutſchen Blättern der öffentlichen Wür— digung übergeben werde.“
Mignon Zeitung.
Potpourri aus Paris. Die Pariſerinen ahmen jezt die Wieſen nach, mit langen Kleidern, die mit Tauſen— den verſchiedenen Blumen bedrukt ſind. Sie heißen„Wieſenmouſſelinkleider“ und die Mädchen ſehen darin wie lau— ter Göttinen Flora's aus. Die Blumen ſind auf weißem Grunde, wodurch die Kleider ſo reizend ausſehen, daß die Mädchen jezt gar nicht mehr über Man— gel an Eroberungen klagen; wenn ſie aber hernach im Hauskleide erſcheinen—! — In Paris will jezt Niemand mehr ein Löwe ſein, das Wort iſt aus der Mode gekommen, und die Löwen ha— ben ſich urplözlich in„Böhmen“ um— geſtaltet. Jezt heißt es nicht mehr: Herr. N. N. iſt ein Hauptlöwe, ſon— dern ein Hauptböhme. Böhmen, ſagt Balzac, beſteht aus Leuten, die zwi— ſchen zwanzig und dreißig Jahren alt ſind. Ein Vöhme hat nichts, und lebt von dem was er hat. Er hat aber ſehr viel Hoffnung u. noch weit mehr Selbſt— vertrauen, ein Artikel, der ihm nie— mals ausgeht.
Madrid. Ein Franzoſe, der nach Spanien gereiſt war, um die Geſell— ſchaft in jenem Lande kennen zu lernen, erzählt, daß er andaluſiſche Pferde von Roſafarbe in Madrid geſehen habe; überhaupt halte ein engliſcher Renner
den Vergleich mit einem andaluſtſchen Hengſte in Vezug auf äußeres Anſehen gar nicht aus; der erſtere habe vom Pferde weiter nichts als Rüken und Beine.— Blaue Augen ſind in Spa⸗ nien häufig, werden aber nicht ſo„ge— ſchäzt“ als die ſchwarzen.— Die Frauen beſizen dort zu Lande noch mehr Frei— heit, als ſelbſt in Frankreich. Früher war das freilich nicht der Fall; wer je— mals einen ſpaniſchen Roman geleſen hat, weiß, welche Rolle die Duennas ſpielen.
Merſeburg. Im hieſigen„Wo— chenblatt!“ vom 19. Auguſt lieſt man Folgendes:„Der Unglükliche, der ge— ſtern das Zeitliche mit dem Ewi⸗ gen auf eine ſo beiſpielvolle Weiſe verwechſelte, war mein Bruder. Schenkt mir Euer Mitleid, Bürger Merſeburgs, und ſpendet mir Troſt durch Eure Theilnahme. Ich habe meinen Gemüſe— garten mit einigen dreißig Tiſchen ver— ſehen, und meine Würſte u. mein Vier ſind vortrefflich. Jedem Gaſte werde ich Antwort auf ſeine Fragen geben. Nie— mand weiß mehr von dem Erblaßten zu erzählen als der Bruder deſſelben. Mitbrüder, beehrt Euren Ergebenen
Vitus Blaſe, Wirth u. Bruder des Gehängten.
Gent. Am erſten September ſtarb in Menin, im Alter von vierundacht— zig Jahren, Marie Schelling. Sie ward am folgenden Tage beerdigt, und ihrer Leiche folgten alle Ritter der Ehren— legion, welche in der Stadt wohnen, das Offiziercorps der Garniſon und ei— ne große Menge Menſchen alle r Stände. Marie Schelling war im März 1792 in ein Bataillon belgiſcher Freiwilliger ge— treten. Bei Jemappes, am 6. Nov. 1792, zeichnete ſie ſich ſehr aus, und erhielt ſechs Wunden. Später trat ſie in die dreißigſte Halbbriga de, die aus Belgiern beſtand, und kämpfte noch in mehren Schlachten mit. Im vierten Re⸗


