665
Lehmann-Nauch, ſeit längerer Zeit un⸗ gerne vermißt, erſchien als Gräfin, und zeigte, daß ihre Stimme nichts von ih— rer Friſche einbüßte. Mad. Baum (Suſanna) ſang ſchön und einfach, be— zeugte eine gute Schule und bewegte ſich mit Grazie, Anſtand und ächt ſou⸗ brettenhaft.— Dem. Calliano( Vage) war, wie immer, eine liebliche Erſchei— nung, der wir aber etwas mehr Leben wünſchten.— Hr. Hirſch war verdienſt⸗ lich als Figaro u. Hr. Uetz als Alma⸗ viva.— Hr. Rott ſpielte den Anto— nio mit gewohnter Laune.— Hr. Nötzer gab den Bartolo recht brav. Alles in Allem hatte nicht viel Erwärmendes u. nicht ſonderlich Durchgreifendes, ſo daß dies klaſſiſche Werk leider nicht ſehr oft das Repertoir zieren dürfte. M.
Breslau. Unter den Bewerbern welche das neue Theater übernehmen wollten, befand ſich auch Marr, einer unſerer trefflichſten Charakterdarſteller, früher in Braunſchweig und ſeit einigen Jahren am Wiener Burgtheater, wo ihm indeſſen ſeine Stellung nicht zu be— hagen ſcheint, La Roche hat nämlich alle beſſeren Rollen im Veſize*). Marr iſt aus Hamburg, und ein reicher Mann, da ſein vom Vater ererbtes Vermögen auf 70 bis 80,000 Thaler geſchäzt wird; er iſt kenntnißreich, wiſſenſchaftlich ge— bildet, rechtſchaffen, aber heftig und aufbrauſend. Ein zweiter Bewerber war der bekannte Kavalier, Hr. v. Vaärſt, der für einen großen Bewunderer des Don Carlos gilt, den er in Spanien beſuchte. Er iſt ein geiſtreicher Menſch, und hat hoffentlich einen beſſern äſthe— tiſchen als politiſchen Geſchmak. Nach⸗ dem in der Verſammlung der Theater— aktionärs ſich ſo viel Sinne als Köpfe gezeigt hatten, u. an den neuen Thea— terunternehmer ungeheure Anforderun—
) Wir glauben mit vollem Rechte. R.
gen geſtellt worden waren, trat der ſach⸗ verſtändigſte Bewerber, Marr, zurük. Die Aktionäre wollten dann ſelbſt diri— giren, beſannen ſich indeſſen und ent⸗ ſchieden endlich für Herrn Baron von Vaérſt. Nun wollen wir ſehen, ob die Kunſt bei uns gepflegt wird, oder ob Spekulation die Hauptſache iſt. Paris. Im Theatre-Francais trat Dem. Rachel nach ihrer Rükkehr am 2. Oktober zum erſten Male wieder als Hermiore in der Andromache auf. Auch die Mars gibt in dieſer Woche wieder Celimene im Miſantrope. Die Pariſer Theaterſaiſon beginnt alſo wieder, des ſchlechten Wetters wegen, früher als ſonſt mit ganzer Macht; die Häuſer ſind neu aufgepuzt, neue Stüke wer— den einſtudirt u. ſ. w. Die alte Dem. Mars,„die ewige Jugend““, wie ſie oft genannt wurde, wird in dieſem Winter noch einmal ſehr in Mode ſein, es iſt ihr lezter auf der Bühne, denn ſie hat bei der Komödie-Francaiſe ihre Entlaſ⸗ ſung für den Monat April 1841 gege⸗ ben!— Auch die italieniſche Oper zu Paris wurde am 1. Okt. eröffnet und zwar mit der„Lucia di Lammermoor““ von Donizetti, dem Scribe der Oper. Dann kommen die„Norma“,„die Pu— ritaner“,„Lucrezia Borgia“ u. ſ. w., lauter moderner Klingklang an die Reihe. Berlin. Mad. Stöckl-Heinefet⸗ ter, vom Hofoperntheater in Wien, ga— ſtirt auf der hieſigen königl. Bühne. Wir hörten ſie als Gluck's„Iphigenia““ und Spohr's„Jeſonda.“ Ihre ſchönen Mittel machen ſich geltend, im Vor— trage könnte ſich aber der Geſchmak mehr noch läutern und das Spiel läßt auch noch zu wünſchen übrig. So er⸗ hielt die Künſtlerin zwar Beifall, aber keinen enthuſiaſtiſchen. Gillſchftr. Köln. Der Direktor des Thea— ters in Köln macht in der dortigen Zei⸗ tung bekannt,„daß der Tenoriſt Hein⸗ rich Kreuzer den mit ihm abgeſchloſſenen


