Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
663
 
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doch in der höheren Geſellſchaft ſo Manches, woraus dervorgehen möchte, daß ein Theil des engliſchen Adels mit jedem Jahre liberaler wird, und jezt nicht nur als Polenfreund, ſondern auch als Griechenfreund ſich zeigt. Indeſſen muß man auch der Großmuth der Engländer Gerechtigkeit widerfahren laſſen, da ſie es immer unter ihrer Würde halten, den ihnen unter die Hände kommenden Tauben mehr als die Flügel und Schwanzfedern auszureißen. Das Rupfen des Bauches und anderer minder edlen Theile aber überlaſſen ſie weniger hochgeſtellten Perſonen.

Selten gewinnt ein Viscount, Marquis oder Graf mehr als die Hälfte vom Vermögen eines jungen Edelmanns, beſonders wenn derſelbe von einem al⸗ ten Freund auf dem Lande oder wohl gar von ſeinem Vater an den Viscount, Marquis oder Grafen perſönlich empfohlen iſt; mit der übrigen Hälfte er lauben ſie ihm zu ſchalten und zu walten, wie es ihm beliebt. Gewöhnlich ge ben ſie ihm dabei noch gute Lehren, verſichern ihn, er ſei noch zu jung, um zu ſpielen, beſäße ein viel zu hiziges Temperament und dergleichen, er ſolle jezt vor der Hand ausſezen, er ſehe, daß das Glük gegen ihn ſei, und daß es Wahn⸗ ſinn wäre, das Verlorne wieder zurük gewinnen zu wollen. Beharrt dann, wie leicht vorauszuſehen, der junge Mann dennoch auf ſeinem Vorſaze, ſo wenden ſie ſich mit Abſcheu von ihm und verweiſen ihn auf den griechiſchen Mittelſtand. Schießt ſich der junge Mann zulezt eine Kugel vor den Kopf, ſo ſagen ſie und zwar mit buchſtäblichem Rechte, d. h. mit gutem engliſchen Gewiſſen: das kommt daher, weil der junge Taugenichts unſerm väterlichen Rathe nicht folgen wollte; wir haben ihm ſein Ende prophezeiht, es thut uns nur leid um ſeine reſpekta⸗ beln Verwandten. Iſt der unglükliche Spieler ein Bankier, ſo wird die Sache noch ganz anders ausgelegt. Das alſo, heißt es dann, iſt das Ende vom Liede? Dahin verirrte ſich ſein unglüklicher Ehrgeiz? Der Mann hätte unter ſeines Gleichen bleiben, nicht aber mit uns um Summen ſpielen ſollen, die ſeine Kräfte überſteigen und das Vermögen ſeiner Gläubiger in Gefahr bringen muß⸗ ten. Möge dies ein belehrendes Beiſpiel für Andere ſein! Und mit dieſer Lo⸗ gik, an welcher gewiß kein engliſcher Advokat etwas auszuſezen hat, beſuchen die edlen Griechen wie vorher die faſhionableſte Geſellſchaft. Der zu Grunde gerich⸗ tete Bankier aber wandert ins Schuldengefängniß.

DieGriechen ſpielen vorzugsweiſe Spiele, bei denen man, wie ſie ſa gen, denken muß, ſogenannte Games ok science, als da ſind: Whiſt, Piquet und Ecarté. Dieſe eignen ſich vortrefflich zu ihrem Zweke, erſtens weil ſie wirklich Uebung und Geſchiklichkeit erfordern und zweitens weil man durch Einverſtänd niß entweder mit den Zuſchauern(beim Ecarté) oder den Mitſpielenden(beim Whiſt) einen Vortheil bei dem unbefangenen Flat voraus hat, den auch die be⸗ ſten Karten der leztern nicht aufwiegen können. Graf de Roos beſaß noch überdies die beſondere Fertigkeit im Ecarte, ſo oft er wollte, den König aufzuſchlagen und es iſt auch das Talent, welches einige Spieler beſizen, beim Abheben ſowohl die unterſte Karte des ganzen Spieles, als die der abgehobenen Karten anzuſe⸗ hen, nicht ganz ohne Wirkung, beſonders wenn dieſe beiden Karten Figuren ſind, und man ſich die Stelle merkt, auf welcher ſie ſich nach dem Abheben be⸗ finden müſſen. EinGrieche, der das Spiel zu ſeinem Hauptmetier macht, bereitet ſich auf daſſelbe vor, wie ein Jokei auf das Wettrennen. Das Mittags⸗ eſſen eines ſolchen modernen Griechen beſteht aus einem gekochten oder gebratenen,