Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
662
 
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662.

die Spieler aus, dieſer Peſt der Geſellſchaft, vor der zu warnen wir nicht aufhören werden, wenn wir irgendwie Veranlaſſung dazu haben.

In keinem andern Lande iſt die Spielwuth größer als in England, und nirgend anderswo hat dieſe Leidenſchaft ſo große Verheerungen angerichtet. Die Zahl der durch das Spiel herbeigeführten Selbſtmorde überſteigt alle Begriffe, die durch daſſelbe zu Grunde gerichteten Familien mehren ſich mit jedem Tage und doch ergreift die Regierung keine Mittel, um dieſem ſchändlichen Unfuge ein Ende zu machen! Die Urſache dieſer Saumſeligkeit ſchreibt man den Geſez⸗ gebern, namentlich den Mitgliedern des Oberhauſes zu, welche ſelbſt im Rufe der ärgſten Spieler ſtehen, und daher, nach engliſchen Begriffen von Billigkeit, in ihrer eigenen Sache nicht Richter ſein können. Auch bilden die Spieler in England einen eigenen, ich möchte ſagen, bevorzugten Stand, und wer die Grundſäze der engliſchen Politik kennt, wird wiſſen, daß man an dem Kaſten⸗ geiſt nicht rütteln darf. Der verſtorbene Herzog von York war der große Protektor der Spielhäuſer und der Armen. Malitiöſe Perſonen wollten ſogar behaupten, daß zwiſchen ihm und dem Herzoge von Wellington hauptſächlich die ſer Unterſchied ſtatt gefunden hätte, daß der durch ſeine Thaten verherrlichte Herzog im Krieg mehr Glük hatte als im Spiel, der durch die Geburt hochgeſtellte Herzog hingegen, obgleich er dem Feinde keine beſondere Furcht einjagte, dennoch dem Schikſal kek entgegen ritt, wo kein Menſch außer ihm, vorausſehen konnte, wie die Würfel fallen würden. Durch dieſe leztere Eigenſchaft hätte er ſich eben ſo gut zu einem Feldherrn in Griechenland geeignet als Wellington zu einem General in Indien oder Spanien.

In England verſteht man nämlich unter einem Griechen einen geſchikten, vom Glüke ſtets begünſtigten Spieler, der nicht nur die Gabe beſizt, weder durch den Gewinn noch durch den Verluſt hizig zu werden, ſondern zu gleicher Zeit auch ein angenehmer, wohlunterrichtetec Geſellſchafter iſt, welcher das in England keineswegs ſeltene Talent beſizt, junge, unerfahrene Edelleute oder Bankiers, die man in der Kunſtſprache Flats, d. h. Flachköpfe nennt, zum Spiel zu reizen, ſei es, um ſich ſelbſt mit ihnen zu unterhalten, oder ſie andern in die Hände zu liefern, mit welchen man ſpäter brüderlich den Gewinn theilt. Sind dieſe Flats ſehr reich, und gehen ſie überdies leicht in die Falle, ſo heißt man ſie auch Pigeons, Tauben, und den Prozeß, mittelſt deſſen man ihnen ihr Geld abnimmt, nennt man the process of pickiug oder das Rupfen, und ich weiß, daß darin eine bedeutende Anzahl von Pairs und anderer faſhionabler Per ſonen eine außerordentliche Fertigkeit beſizen, troz den Wiener Köchinen. Der Herzog von Vork ſoll, wie geſagt, lange Zeit an der Spize einer ſolchen Rupf kompagnie geſtanden und ſowohl in dieſer Beziehung als in mancher andern, ein Liebhaber von jungen Tauben geweſen ſein. Ein edler Marquis ſoll auf die ſelbe Weiſe im Laufe ſeines ergebnißreichen Lebens nicht weniger als andert halb Millionen Pfund Sterling gewonnen haben, und viele andere beziehen hiervon einen ſehranſtändigen Unterhalt. Zwar ſoll man ſeit einigen Jahren, ſeit dem derSatiriſt, ein wöchentlich in London erſcheinendes Blatt voll perſön licher Ausfälle, angefangen hat die Tauben wie die Rupfer, die Flats wie die Griechen mit Namen aufzuführen, ſehr auf ſeiner Hut ſein, um einExpoſe wie das, welches dem Grafen de Roos(der ats falſcher Spieler öffentlich ge nannt wurde) zu Theil ward, zu vermeiden; allein nichtsdeſtoweniger hört man