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ſoll, wird in Wien erwartet. Carl hat ihn für ſein Theater engagirt.— Das Theater in Breslau iſt von den Aktio— nären dem Baron v. Varoſt, Redakteur der Breslauer Zeitung, der den ſpani— ſchen Krieg unter Don Carlos mitmach— te, in Pacht gegeben worden. Ob der militär. Disziplin unter ſeineGeſellſchaft einführt?— Afrika ſcheint ſeine alte färbende Kraft noch zu behalten. Die dort fechten, werden von der Sonne, und die Franzoſen, die zu Hauſe die Niederlage ihrer Helden leſen, vor Aer— ger ſchwarz.— Der Oberkellner eines Gaſthofs in Halle hat eine ganz origi— nelle Münzſammlung, beſtehend aus lauter falſchen Geldſorten, welche ſich bei den Trinkgeldern, die er von ſplen— diden Reiſenden erhalten, eingeſchli— chen haben.— Die in Agram erſchei— nende„Croatia“ ſagt myſteriös:„Die berühmten Araber, die jezt in das Jo⸗ ſephſtädter Theater übergegangen ſind, ſollen mit dem Direktor Carl arabiſch bdiskurirt haben.“ Was ſoll das auf gut Deut ſch heißen? Hr. Carl könn⸗ te darüber Aufſchluß geben.— In Frank— furt iſt der Dr. Zirndorfer, Redakteur der dort erſcheinenden Zeitſchriſt:„der Fiaker“, wegen thätlicher Beleidigung, die er an einem jungen Literaten auf der Straße ausübte(von einem Fia⸗ kerführer iſt wohl nichts Beſſeres zu er⸗ warten), zu vier wöchentlicher Gefäng⸗ nißſtrafe verurtheilt worden.— Ein neues deutſches Wort iſt wieder aufge— kommen: Geſcheheniſſe, ſtatt Be⸗ gebniſſe.— Die Elberfelder Zeitung ſchreibt aus Berlin v. 26. Sept.:„Die Kriegsreſerven werden, ſichern Verneh⸗ men nach, zum 1. Okt. überall ent⸗ laſſen. Das iſt eine Rüſtung zum Frieden.“— Ueber den großen Chemi⸗ ker Orfila heißt es in einem Blatte: „Dieſen Mann leitet nur ſeine Eitel⸗ keit, da er einer anderen Meinung zu ſein ſtrebt, als die, welche vor ihm und
ohne ihn ein Gutachtea in einer chemi⸗ ſchen Angelegenheit abgegeben haben. Als die erſten Chemiker Gift gefunden haben wollten, beſcheinigte er, es ſei keines vorhanden, und als andere nach⸗ her keines fanden, mußte er ſolches ent⸗ deken.— Der Phyſiker Johann Phi— lipp Wagner zu Frankfurt am Main hat eine Maſchine erfunden, welche die Möglichkeit der Anwendung des Elek⸗ tromagnetismus als Maſchinenkraft im ausgedehnteſten Maße außer allem Zwei⸗ fel ſtellt. Der Dampf hat alſo einen furchtbaren Nebenbuhler erhalten.
Lokal-Zeitung.
Theatrallſche s. Die deut ſche Oper ward mit elner ütalken i ſchen eröff- net. Man gab am 6. d. den„Barbier von Sevilla“ mit zwei neuen Mitgliedern, Herrn, uetz(Figaro) und Nicolini(Almaviva). Das war nicht ſehr wohl gethan. War auch die abgegangene italieniſche Geſellſchaft nicht viel mehr als mittelmäßig, ſo übertraf ſie doch manche gute deutſche, und man hätte ſie we⸗ nigſtens nicht' auf ihrem Terrain angreifen ſollen. Die Niederlage der Deutſchen war vollſtändig. Hr. uetz mag kein übler Sänger ſein; aber es fehlt ihm der Geiſt und die quetſilberne Regſamkeit ſeines italieniſchen Vorgängers. Total verunglükte Hr. Nicolini. De Bezzi gab vor ihm den Almaviva; dleſer hatte eine ſehr rauhe Tenorſtimme— aber wie ſang de Bezzi, wie ſpielte de Bezzi, wie leib— te und lebte de Bezzi! Und wie that dies Alles Hr. Nicolink, deſſen Stimme ebenfalls keine ſonderlichen Lichtſeiten hat!— Mad. Vlal(Roſina) war am beſten, ſie ſang ſchön und lächelte ſchön, wiewohl Beides mit etwas Anſtrengung. Hr. Rott(Baſilio) ſpielte köͤſt⸗ lich und trug ſeine Calomnia nicht übel vor. Hr. Rötzer war wirklich komiſcher als ſein Treffkönig⸗Vorgänger. Die Bertha war wie⸗ der ein junges, bildſchönes Mädchen, wie auch Demoiſ. Calliano gar nicht anders ſein kann; aber in der That ſollte die Bertha eine alte, häßliche, ſpaniſche Duenna ſein.— Das Publikum benahm ſich bei der ganzen Ge⸗ ſchichte mit großer Langmuth und vertröſtete ſich auf die nächſte deutſche Oper.


