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Andeutungen gegeben, daß ich mich wohl hüten würde, ſie für Arſenikflekchen auszugeben und ſie ſind nicht wiegbar, noch beſtimmbar.— Eine Verurthei— lung nach dieſen beiden Tellern wäre ein beklagenswerthes Unglük, und frü— her oder ſpäter würde die Juſtiz bit— ter zu bereuen haben, daß ſie ihr Ohr einem ſo falſchen Syſteme lieh. Was den dritten Teller anbetriſſt, ſo muß ich nach meinem Augenſcheine und den analytiſchen Nachrichten, welche ich aus den Geſprächen mit den Experten des Landes ſchöpfte, erklären, daß die Flekchen, die ihn bedeken, arſenikali⸗ ſcher Natur ſind. Aber man urtheile nicht vorſchnell; ich habe über dieſen Punkt ſehr wichtige Enthüllungen zu geben. Die Flekchen der erſten beiden Teller ſind klein und haben eine ins Graue ſpielende gelbe Farbe! jedes der— ſelben iſt nichts als ein Hauch.„Die Fleken auf dem dritten Teller ſind breit und ſchillernd wie ein Tauben— hals(gorge de pigeon), blau, in der Mitte ſpiegelartig, am Rande violett— gelb. Aber... wohl gemerkt.. ſie ſind in dieſer Weiſe nur erlangt durch An— wendung von dem Potaſchennitrat, wel— ches Hr. Orfila vorſichtshalber mit aus Paris brachte.— Die Jury glaubte, daß die unwiegbare Quantität Arſe— nik, welche ſich auf den Tellern zeigte, durchaus eine Vergiftung durch Arſe— nik beweiſe: eine Quantität, die Hr. Orfila auf ein halbes Milligramme an— ſchlug und welche ich für weniger als den hundertſten Theil eines Milligram⸗ mes halte. Denn wenn die Jury hätte begreifen können erſtlich, daß dieſe Quantität zu klein zur Annahme einer Vergiftung ſei, dann, daß dieſe Quan⸗ tität von einem expreß aus Paris mit⸗ gebrachten Reagens herrühre, ſo hätte die Jury Marie Cappelle nicht als der Vergiftung durch Arſenik ſchuldig er⸗ klären können; denn alle moraliſchen
Wahrſcheinlichkeiten verſhwinden, wenn das Nicht vor handen ſein des Corpus de— lieti feſt ſteht.—(Raspail ſagt dann noch, er gebe hier nur Andeutungen über die Abhandlung, welche er im Auf— trage der Vertheidigung dem höchſten Gerichts hofe überreichen werde. Auf ſon— ſtige Einwendungen werde er durch das Memoire, das er jezt verfaſſe, ant wor— ten.
Stuttgart. Von den meuteri⸗ ſchen Schneidergeſellen in Paris iſt an ihre hieſigen Kollegen eine Aufforderung um Geldunterſtüzung ergangen. Dieſe Aufforderung iſt bereits in den Händen der Behörden. Neiſende, die aus Paris kommen, erzählen viel von der geſchloſ— ſenen Organiſation, die bei den feiern— den Arbeitern ſtattgefunden habe. Die Schneidergeſellen hatten eine eigene Koſt— anſtalt errichtet, in welcher den ganzen Tag über abwechſelnd geſpeiſt wurde.— Aus derſelben Quelle vernehmen wir ei— ne Thatſache, die als Warnung gegen Verlokungen in egyptiſchen Dienſt die⸗ nen mag. Dr. Clot- Bei hatte nach ei⸗ ner deutſchen Stadt um Zuſendung junger Aerzte für den Dienſt des Vize⸗ königs gebeten. Auf dieſe Aufforderung hin begab ſich ein junger Arzt nach Mar— ſeille, traf mit Clot-Bei zuſammen, wur—⸗ de aber von dieſem abgewieſen, weil er nicht hinlänglich Franzöſiſch ſpreche. Als Entſchädigung für die Koſten der weiten Neiſe bot der ägyptiſche Oberarzt fünf— zig Franks.
Etwas von Allem. In der Leopoldſtadt hat eine neue Poſſe:„die Fee am Schneeberge, oder Fagott und Zither“ ziemlich, und in der Joſeph—⸗ ſtadt eine:„der Wiener Schuſterbub“ gar nicht gefallen. Saphir ſchrieb über die leztere eine Rezenſion in Knittel⸗ verſen.— Der Taſchenſpieler Philipps, der in Paris viel Aufſehen macht u. der in China() ſeine Kunſt erlernt haben


