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heißt es:„Mad. Schodel als Donna Anna gab in Tönen und Handlung das ſchöne, richtig gezeichnete Bild eines energiſchen Weibes, voll hoher Gefühle, das über dem Schmerze, den Vater verlo⸗ ren zu haben, und in ihrem Nachedurſt die Liebe vergißt, und ihr Opfer ver— folgt, bis ſie(in der großen Arie) ſanf— teren Gefühlen ſich hingibt, ohne je in ſchwächliche Liebesklagen aus zugleiten. Ue— berall die Weihe eines großen Schmer— zes, das Erhabene einer ungewöhnlichen Seele, der edle Stolz der Spanierin, die abgerundete Belebung des Mozort— ſchen Gebildes.“
Niteratur.
Literariſches Port fol io. Ein eigenthümliches Werk iſt das, wel⸗ ches die Gräfin von Wilton in London berausgeben wird:„Die Kunſt der Na⸗ delarbeit, von den früheſten Zeiten, mit Nachrichten von den alten hiſtoriſchen Tapeten.“ Dieſe Geſchichte„der Na— del“ iſt der verehrten Königin Wittwe (ſelbſt einer ſehr geſchikten Künſtlerin in dieſem Fache.) zugeeignet, und ent— hält in 22 Kapiteln Alles, was über die Nadelarbeiten der Hebräer, der Egypter, der Griechen und Römer, des Mittelalters, namentlich die berühmten Tapeten von Bayeux, über das ſoge—⸗ nannte Feld des goldenen Tuches(le champ du drap d'or), über die Tape⸗ ten von Raphaels Cartons, über die Tage der guten Königin Beß(Eliſa⸗ beth), über die Tapeten der ſpaniſchen Armada, mit denen die Wände des Oberhauſes geziert waren, über Nadel⸗ arbeiten an Büchern, über Nadelarbei— ten königlicher Frauen u. ſ. w. geſagt werden kann.
Mignon-Zeitung. Philadelphia. Im Weecly Sun oder der Sonne, welche wie das mit
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einer Freiheitsgöttin geſchmükte Titel⸗ bild ſagt, für Alle ſcheint, leſen wir, daß ein Herr R. O. Davidſon aus St. Louis in Miſſouri dem Kongreſſe eine Denkſchrift eingereicht hat, in welchem er um eine Unterſtüzung von wenigſtens 2000 und höchſtens 5000 Dollars bit; tet, um zu zeigen, daß eine von ihm gemachte„Erfindung die Poſt durch die Lüfte zu befördern“, praktiſch ausführ— bar ſei. Er will nicht weniger als etwa hundert engliſche Meilen oder etwa 20 deutſche, in jeder Stunde zurüklegen. Seine Erfindung beruhe auf den Prin⸗— zipien der Natur, und ſei von unge. heuerm Nuzen. Der ungläubige Kon⸗ greß war hartherzig genug, die minde⸗ ſtens 2000 und höchſtens 5000 Dollars dem Luftpoſterfinder nicht zu bewilligen.
Berlin. Zur Huldigung ſteigt die Zimmermiethe auf das Uebertrieben⸗ ſte; Stuben, welche bisher 5 bis 10 Thlr. koſteten, werden ſchon jezt für den Monat Oktober mit 15 bis 30 Thlr. bezahlt. Es ſind Fälle vorgekommen, daß Wirthe Studirenden aufkündeten, um nur an Fremde zu einem vierfachen Preiſe Zimmer zur Huldigung zu ver⸗ miethen. Es bleibt kein anderer Rath für ſie übrig, als bei Bekannten um Aufnahme zu bitten.
Paris. In der Gazette des Hö— pit aux veröffentlicht Raspail ein Send⸗ ſchreiben an den Doctor Favre in der Vergiftungsgeſchichte der Mad. Lafarge, das in Frank reich großes Aufſehen macht. Naspail ſchreibt unter Anderem:—— „Ich ſah auf der l Greffe die drei von Orfila erlangten Teller, ich nahm die Beſchreibung und ſelbſt das Maß und beſprach mich darauf mit einigen Ex⸗ perten über die Art, wie operirt wor⸗ den war. Die erſten beiden Teller wur⸗ den durch Salpeterſäure erlangt, aber die Flekchen, welche ſie zeigen, ſind ſo wenig charakteriſtiſch und ſo klein, ſie haben den Reagentien ſo zweideutige


