Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
656
 
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raf. Nein! L. Habe ich den Dienſt verweigert? Praͤſ. Im Gegentheit. L. Was wirft man mir alſo vor? Präſ. Zu viel Dienſt gemacht zu haben? L. Wie ſo? Präſ. Zu lange auf dem Poſten geſtanden zu haben. L. Ah, ſehen

Sie, dazu habe ich das Recht;

denn ich bin ohne Stelle. Präſ. Sie ſind 24

Stunden auf den Beinen geblieben, und wollten ſich nicht ablöſen laſſen. L. Das iſt wahr; ich habe viel Leute vorüber gehen ſehen. Präſ. War

um ſind Sie am Schilderhaus geblieben, L. Um mich

len? Etwa aus übertriebenem Eifer?

nichts zu thun, ich bin ohne Anſtellung.

auch aus Spekulation;

und haben nicht fortgehen wol zu zerſtreuen; ich hatte Der Kapitän-Rapporteur: Es geſchah

Ihr machtet den Dienſt für Jedermann, gegen Bezah⸗ lung. L. Es iſt wahr, ich habe einen den ganzen Tag Schildwache zu ſtehen; ſeze nicht verboten. Der Kapitän Rapp.:

Frank per Bärenmüze genommen, um das iſt, ſo viel ich weiß, durch die Ge Sie haben unter dem Gewehr ge

geſſen. L. Da ich nicht zu der Gattung der Muſchelthiere gehöre, ſo ſcheint es mir ſchwer, mich 24 Stunden lang jeder Nahrung zu enthalten. Der

Präſ. Sie ſind Urſache,

L. Geniren Sie ſich nicht. Präſ.

daß die National gardiſten ihren Voſten verließen, da ſie keinen Dienſt mehr hatten, nur der Ser ben. L. Die Schildwache, das war ich

geant und die Schildwache ſind geblie⸗ Präſ. Wir müſſen Sie ſtrafen.

Sie verdienen 12 Stunden Gefängniß.

L. Sezen Sie 24 an. Disziplinarrath verurtheilt L. wegen der erwieſenen Uebertretung und ſeiner unſchiklichen Aeußernngen zu 24 Stunden. L. Sezen Ste 48 an. Der Präſ. Warum? L. weil es mich zerſtreuen wird; das Ho⸗ tel des Haricots(Gefängniß der Nationalgardiſten); ich bin ohne Anſtellung.

Theater.

Brü mn. Die hier erſcheinende Moravia ſagt über Mad. Schodel als Lucrezia Borgia, Folgendes:In keiner Oper ſind in einem ſo kurzen Zeitraum ſo große und widerſtreitende Affekte zuſammengedrängt, wie im zwei⸗ ten Akte derLucrezia. Die Leiden ſchaftlichkeit der handelnden Perſonen wirft ein ſchauerliches Licht auf die Handlung, die uns mit banger Erwar tung fortzieht, indeß die erſchütternden Poſaunenklänge das Rieſige in den Ge müthsbewegungen der Dargeſtellten ver künden, und deshalb wird dieſer Akt immer von entſchiedener Wirkung ſein, wenn er nicht am Ungeſchike ſcheitert. Seit uns dieſe Donizettiſche Oper durch die Sänger-Geſellſchaft des Hrn. Me

Anfichten. Urthe

ile. Begebniſſe.

relli bekannt geworden, ſahen wir ihren zweiten Alt ſchon öfter, u. unſer Opern⸗ perſonale verſuchte nicht ohne Gelingen in Vortrag und Spiel die beweglichen Italiener nachzuahmen. Nie ſind uns aber die Nüancirungen im Gemälde der Lucrezia ſo klar vor das Auge ge⸗ treten, in Tönen gezeichnet worden, als durch Mad. Schodel. Von welcher durchdachten Auffaſſung zeigten all' die Szenen, in welchen ſie bald den Her⸗ zog zur Rache aufzuſtacheln, bald, in dem Uebelthäter den Sohn erkennend, und ſich gefangen fühlend in der ſelbſt gelegten Schlinge, jezt durch Schmei cheln, jezt durch Drohung den Gemahl zu beſänftigen ſucht, bald in krampf⸗ hafter Aufregung den Giftbecher kre denzt, und bald das Opfer der Eifer ſucht durch Gegengift rettet. Ferner