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Wir erhalten ein Schreiben aus Gratz aus achtbarer Quelle, folgenden Inhalts: Da die Zeit, wo unſere zwei vorzüglichſten Opernmitglieder Dem. Rettig und Hr. Ulram entweder als Gäſte, oder im Engagement die Peſther Bühne betreten dürften, nicht mehr ferne iſt, ſo wird einem großen Theile der verehrlichen Leſer des Spiegels eine kurze Notiz über dieſelben nicht unwillkommen ſein. Dem. Rettich iſt ſchön, ſehr jung und im Be ſize einer wunderherrlichen, in allen Regiſtern gleich anſprechenden hohen Sopranſtimme; ihre Intonatlon iſt ſo ſcharf und rein, daß man ſie mathematiſch nennen könnte. Schon der Laut, wie die Natur ihn in ihre Bruſt gelegt, iſt reines Gold; bei einer verſtändigen Anleitung wird ſie bald eine ſehr hohe Stufe einnehmen u. neben den erſten Geſangs-Phä nomenen glänzen.(Vederemo). Herrn ulram wurden ebenfalls alle Eigenſchaften zu Theil, die ein Theaterſänger nur wünſchen kann: eine imponirende männlich ſchöne Ge ſtalt u. eine zwei Oktaven umfaſſende, mar kige Baßſtimme; was dleſen Sänger jedoch vor den meiſten auszeichnet, iſt, daß er den Geſangton mit dem Sprachton in Verbindung zu bringen weiß, d. h. daß er nicht die todte Note, oder den ſchulgerechten Ton allein, ſon dern das edelgeſungene Work mit dem erfor derlichen Ausdruk bezeichnet, denn ſingen iſt ja nichts anderes, als die Sprache mit dem ſchönſten Tone ſprechen. Nun iſt aber Herr Ulram nicht allein ein in Bernachis Schule gebildeter Sänger(er iſt ein Schüler des in der Muſikwelt rühmlich bekannten Geſangleh rers Johann Mikſch tn Dresden), ſondern zu gleich ein verſtändiger Darſteller, an welchem die ſcharfäugigen Prager eine große Aehnlich keit mit dem berühmten Mimen Rott entdekt haben. Wir können jeder Bühne erſten Ran ges zum Gewinne der beiden Geſangskünſtler Glük wünſchen, obſchon wir den Verluſt der ſelben herzlich bedauern. Fichten Dem Vernehmen nach ſoll der täglich erwartete neue Tenoriſt Hr. Sondhelm als Othello debutiren. Viel gewagt!

Benefiz.(Ofen.) Zum Vortheil der talentvollen jungen Schauſpielerin Demoiſ. Friederike Melchior, die mit vielem Beifalle gaſtirte, wird heute, Sonnabend, zum erſten Male gegeben:Adolphine, oder der Gifttrank«, dramatiſches

Eharakterbild in 4. Akt. von Vary(Ver faß ſer desTreffkönigs«). . Literariſches. In Verlage des Preß, burger Zeitungskomptoirs iſt ſo eben erſchie 5 nen:Die erſte Eiſenbabn im Ko ö nigreich ungarn: von preßburg nach Tyr nau. Skizzirt v. Adolf Reu- ſtadt. I. Fahrt v. Preßburg nach St. Geo gen. 1840. Der 4. Oktober d. J. war der für ungarn denkwürdige Tag, an welchem in dieſem Lande die erſte Eiſenbahn eröffnet wurde. Jeder Vaterlandsfreund muß bei dem Beginne eines ſo hochwichtigen neuen Indu⸗ ſtriezweiges in ſeiner Heimath, der ſo unbe g rechenbare Folgen für dle Zutunſt verſpricht, von der freidigſten Empfindung ergriffen wer den. Der rübmlich bekannte Llterat, Herr Neuſtadt, beſchreibt in genanntem Werkchen dieſe erſte vaterländiſche Bahn und die er ſte Fahrt darauf mit kenntnißvoller Umſicht, und geiſtreicher Auffaſſung. Wir lernen dle ganze Gegend hiſtoriſch und ſtatiſtiſch, dann das Techniſche der Bahn ſelbſt und vieles A dere umfaſſend kennen, und die gewandte Fe der des Bf's würzt das Trokene des Stoffes. Beigegeben iſt ein Kärtchen, den Plan der Preßburg-St. Georger Eiſenbahn darſtellend. f Druk und Papier ſind ſehr gefällig. f

Mo denbild. Uro. 42.

Paris, 26. Sep. Erſte Anzüge für den Spätherbſt und Winter. Wir ſind diesmal wieder unter allen andern außer Paris erſcheinenden Modejournalen die Erſten, die dle neueſten Damen- Mäntel für die beginnende Saiſon liefern. Mögen unſere geehrten Abonnenten daraus erſehen, wie ſehr wir beelfert ſind, durch unſer Un ternehmen mit dem Angenehmen auch prakti ſchen Ruzen zu verſchaffen. Bel der bereits eingetretenen kühlen Witterung dürften dieſe ſo frühzeitig gelieferten ſchönen Muſter dop pelt willkowmen ſein.(Bei dieſer Gelegen heit bemerten wir noch, daß Herr Mön d ſzenty, bürg. Damenkleidermacher in Peſth (große Brükengaſſe, Nr. 634) nicht nur nach dieſen, ſondern auch nach andern neueſten Pa riſer Muſtern, die geſchmakvollſten Damen mäntel verſertigt.) 5

Herausgeber und Verleger Franz Wieſen⸗