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gerſt ein fach aber doch mit einer gewiſſen Zierlichkeit gekleidete Frau, deren Hal⸗ tung und feine Züge errathen ließen, daß ſſe, wenn nicht einem ariſtokratiſchen Hauſe, doch den höheren Klaſſen der Geſellſchaft angehörte. Dieſe Frau konnte zwanzig bis zweiundzwanzig Jahre alt ſein Ob auch Krankheit und Leiden der Seele ihre Wangen gebleicht, des Hauches der Friſche entkleidet und ihren Kör per abgemagert hatten, waren ihr doch noch Spuren der größten Schönheit ge blieben, beſonders waren ihre Hände ungemein fein und zierlich gebaut. Zu die ſer Stunde kämpfte ſie mit einer Aufregung, die um ſo mächtiger ward, je mehr ſie bemüht war, Herrin derſelben zu werden. So oft die nahe Thurmuhr von St. Georges durch die Stille der Nacht erdröhnte, zitterte ſie, ſtand von ihrem Size auf, horchte lange, ließ ſich dann wieder in ihren Seſſel fallen und ſeufz te:O mein Gott, wie lange bleibt er aus! So verbrachte ſie wohl eine Stunde in peinlichſter Erwartung. Dieſe Stunde war ihr lang wie ein Jahr- hundert, wie ein Jahrhundert ſo unerträglicher Angſt wohl, daß ſie Alles ver gaß, ihre Schwäche, den eiſigen Nordwind, der Schnee und Hagel an die Fen⸗ ſter ſchlug, ihr Kind, das oft aus unruhigem Schlafe aufſchrie, daß ſie Alles vergaß, außer den Einen, um den ſie bangte. Sie ſchleppte ſich ans Fenſter, öffnete es und ſah, weit hinausgebeugt, angeſtrengten Blikes in die ſchaurige Dunkelheit hinaus. Endlich ſchlug ein Geräuſch in der Ferne an ihr Ohr. Ein Strahl der Freude leuchtete ihr,er iſt's! rief ſie aus. Einige Augenblike ſpäter trat ein Mann in's Zimmer, er war groß, edel und kräftig gebaut. Seine Züge waren nicht regelmäßig, aber es lag etwas Kühnes und Sinniges in ihnen, daß zumeiſt ein männliches Geſicht verſchönert. Aus ſeinen Augen ſprühte ein eigener Glanz und ſeine Stirn, die nur von wenigen Loken umſchat⸗ tet war, war hoch und gewölbt und klar und edel, wie ſie als Kennzeichen ei nes höheren Geiſtes gilt. Er mochte dreißig oder fünfunddreißig Jahre alt ſein.

Da er eintrat, warf er ein zerknittertes Manuſkript auf den Tiſch, legte ſeinen naſſen Mantel ab und drükte einen Kuß auf die Stirn der jungen Frau. Lady Anna, ſagte er und ſah ſie lange ſchmerzlich an, dein Vater hat Recht. Beſſer iſt's, einen Schenkwirth zum Schwiegerſohn zu haben, als einen Dich ter.Aber wenn dieſer Dichter genial und geiſtvoll iſt, erwiderte ſchnell Anna, ſchmerzlich überraſcht von dieſen Worten. Ein bitteres Lächeln zukte über die Lippen des Mannes.Genie, rief er,wohin führt das?Zum Nuhme.Ach, nein, zum Elend.Was redeſt du?... Deine Wer⸗ ke...Sind dem Belieben eines Jeden anheimgeſallen. In tauſenden von Exemplaren dürfen ſie gedrukt werden, jedes Theater in Großbritannien darf ſie aufführen, und ſich mit ihnen volle Kaſſen machen. Sie gehören Allen an, nur nicht mir, nur nicht dem, der ſie gedichtet. Dieſes iſt das Geſez Englands. Hier, in dem Lande eigennüziger und geiziger Krämer gibt's Privilegien ſelbſt für die überflüſſigſte, thörigſte Erfindung, aber Schuz für ein Werk der Kunſt, der Dichtung will kein Geſez verleihen. Solche Werke ſind dem Geſange des Vogels gleich geachtet, jeder darf ihn ſich aneignen.Und dein neues Dra ma? iſt es angenommen, werden ſie es geben?Hoffe nicht mehr darauf, ich komme von Drury LaneNun?Es wird nicht gegeben. Und weshalb?Weil's einen elenden Komödianten nicht gefällt, die Haupt rolle zu übernehmen.Macready?Du nannteſt ſeinen Namen. Aber du ſchufſt ihm ja Künſtlerruf und Reichthum, du haſt ihm Rollen ge⸗