gebildeten Berlins Epoche in dieſer Rol- le gemacht u. auch hier konnte ihr die Anerkennung aller Kunſtkenner nicht entgehen. Großer Beifall von dem ſehr vollen Hauſe. M.
Korreſpondenz.
Vreßburg. Wenn dieſer Bericht gleich etwas ſtark verſpätet an den Ort ſeiner Beſtimmung gelangt, ſo dürfte er doch ſchon deshalb der Aufnahme noch werth ſein, weil aus demſelben klar und deutlich hervorgeht: daß die Welt wirklich ſchon verkehrt iſt. Zwar könnte man dieſe Behaup— tung etwas kühn nennen, oder gar für paradox halten. Allein Beweiſe, unwi— derlegbare Veweiſe ad hominem und a posteriori werden dieſe Behauptung hin— länglich darthun, darthun: daß ich da— mit der Welt durchaus nichts weiß ma⸗ che.— Wäre die Welt noch wie ſie war, müßten die Menſchen wohl auch noch ſo ſein, wie ſie waren; die Natur derſel— ben dürfte ſich nicht ganz entgegenge— ſezt verändert haben. Nun aber lag es bis jezt in der Natur der Menſchen überhaupt, insbeſondere aber der männ— lichen, böſe, ſchlimme Weiber zu meiden und zu fliehen. Umgekehrt aber iſt es heutzutage. Wir lernten„die ſchlimmen Weiber“ kennen, ge— wannen ſie lieb und immer lieber, und nur gewaltſam mußte man ſie uns ent⸗ reifen, oder beſſer entführen. Acht Aben— de nacheinander drängten wir uns in ihre Geſellſchaft. Dieſe acht Abende waren die heiterſten, die wir ſeit lange verlebt. Die Sehnſuchte, ſie zu ſehen, zu behalten, wuchs mit jedem Abend. Nun, iſt das etwa nicht eine verkehrte Welt? Das waren aber auch die aima— belſten ſchlimmen Weiber, die je auf dieſem Planeten exiſtirten. Ihre Aue ſtattung iſt verſchwenderiſch prachtvoll; die Tänze, Gruppirungen, Evolutio—
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nen ebenſo graziös als effektreich. Hiezu noch das überraſchende Zuſammenwir— ken des Ganzen. Die Viece wurde obne Souffleur gegeben. Nur unter ſolchen Umſtänden konnte das bis jezt Unge— ſchehene geſchehen; geſchehen, daß in Preſ⸗ burg eine und dieſelbe Viece durch acht Abende ununterbrochen, bei aufgehobe— nem Abonnement, und ſtets überſülltem Hauſe gegeben werden konnte. Mit den „ſchlimmen Weibern“ zugleich entfern— te ſich von uns auch die übrige Geſell— ſchaft unſers Theaters. Hr. Vokorny verwendet die wenigen verwendbaren Mitglieder derſelben theils in Baden, theils in der Joſephſtadt. Somit iſt un— ſere Bühne verwaiſt und unſere Büh— nenwelt ganz entvölkert. Wir boffen und wünſchen, daß die Geſellſchaft der nächſten Saiſon den gerechten Wünſchen des hieſigen Publikums entſpreche, wel⸗ ches für ſein Theater mehr thut, als nur irgend ein Vrovinz-Vublikum. Auch für dieſe Behauptung fehlt es mir nicht an Beweiſen, ſondern an Raum.— In dem am 13. Sept., zum Beſten des hie— ſigen Muſikvereins gegebenen Damen— Konzert riß uns unſere hobe Geſangs— Virtuoſin, die hochgeb. Frau Marquiſe Erba Odeschalchi in drei äußerſt glanz— vollen, aber auch höchſt ſchwierigen Ge— ſangsnummern zur Bewunderung bin. Sie weiß nur zu glänzen, und kennt keine Schwierigkeit. Vollendeteres kann man ſelbſt von den beſten Konzertſän— gerinen kaum hören. Ihre Leiſtungen tragen das Gepräge der höchſten künſt— leriſchen Ausbildung, gepaart mit der anmutbigſten Beſcheidenheit Darum aber iſt ſie Künſtlerin! Würdig ihr zur Seite ſtand das hochgeb. Fräul. Scer— negg und die beſcheidenſte aller Klavier⸗ Virtuoſinen Fräul. Wehoffer. Wahrlich dies Trifolium Iſt ein wahres Gaudium!
Zu Anfang des Konzertes wurde die Ouverture der Oper„das Nachtlager“


