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zensbette aufſtand, war die raube Schale der Jugend von mir geſtrelft; ich em⸗ pfand die Leiden meines Nebenmenſchen, denn ich hatte ſelbſt gelitten. Meine Freunde wollen behaupten, ich ſei ſpäter ſogar etwas zu weichberzig geworden; das will ich dahin geſtellt ſein laſen. Als es der Arzt geſtattete, ſah ich An, treas mit ſeinem Sohn an meinem Vette. Sie knieten und bedekten meine Hände mit Küſſen. Neben dem Jüngling, ſcheu zurükweichend, tand ein recht hübſches Mädchen. Ich brauchte nicht zu fragen, in welcher Beziehung ſie zu dem jungen Burſchen ſtand. Ihretwegen hatte er den dummen Streich gemacht, ihretwegen batte er die Todesangſt erlitten. Ich ſegnete den Bund, und wißt Ihr, Freunde, die ihr dieſe Blätter leſet, wißt Ihr, welch eine Freude ich mir ſelbſt bereitete? Eine köſtliche Freude, eine prächtige Belohnung! Ich ſtekte meine Horndoſe wie der in den Koffer und trug wieder nach fünfzehn Jahren eine goldene Doſe. Es war die Tugend ſelbſt, ſo ſchien es mir ſelbſtgefälligen Thoren, die mir eine goldene Doſe ſchenkte. Von keinem Fürſten wäre ſie mir ſo ehrenvoll und erwünſcht geweſen. Die erſte Priſe, die ich nahm, zog ich mit ſo vielem Geräuſch in meine Naſe, daß die umſtehenden Kameraden bedenklich einander anſahen, weil ſie meinten, ich habe auch die Narrheit angenommen, den alten König Friedrich nachahmen zu wollen, den größten Tabakſchnupfer ſeiner Zeit. Seitdem habe ich die Horndoſe nicht wieder getragen; wahrlich, ich hatte es nicht nöthig Aber ich habe ſie heilig aufbewahrt, nebſt dem Vuche, worin jener denkwürdige Brief Georg Jacobis ſteht. Ich weiß wohl, heutigen Tages liebt man dergleichen nicht; unſere jungen Herren nennen dasſentimental; aber ich meine, gut genug, wenn eine ſchlechte Horndoſe unſere Beſſerung übe r⸗

nimmt.

Melodie und Harmonie der deutſchen Muſik.

Es treiben ſich jezt eine Menge Komponiſten und Virtuoſen in der unhar moniſchen Welt umher, ohne daß rechte Melodie hineinkommt. Wie ſo? Ja ein Spaz hat mehr Melodie als die meiſten unſerer heutigen produktiven Muſiker. Die Harmonie, die Knochen im Fleiſche, Reim und Vers zur Poeſie, die Logik in der Beredſamkeit, die Harmonie, welche man wie ein Rechen-Exempel lernen, wie eine mat hematiſche Figur konſtruiren kann, die iſt da in allen Hopſern, Wal zern, Opern; aber wo iſt Melodie? die Seele der Muſik, ihre Poe ſie, ihr Gemüth, ihr Ewiges, Bleibendes, was ſie dem Hörer ins Herz ſchwingt und da oft fortzittert durch's ganze Leben,Ha! welche Luſt Soldat zu ſein durch die Wälder, durch die Auenund ob die Wolke ſich verhülle O ſeht, wie ſtrahlet ſchön der Morgen u. ſ. w. ſo etwas behält man gleich, wenn man's nur einmal gehört hat; das wird nachgeſungen und geht in's Volk über und beflügelt dem wandernten Studenden und Handwerksburſchen die Schritte, gibt ihm Hermesſohlen und erwärmt ihm das Herz. Woher kommt den Liedern und Arien dieſe Zauberkraft? Nun, ſie haben Melodie, Herz, Seele, Gemüth, in ihrer Tonfolge ſäuſelt der ewige Hauch der Schönheit und Poeſie. Aber man höre, wie ſich oft die Helden und Heldinen der Oper, der Konzert; Abende durch die künſtlichſten, verſchlängeltſten Tongewinde hindurcharbeiten, wie ſie trillern, jodeln, gurgeln, tremoliren, rouliren, in die Höhe jauchzen, in die Tiefe ſtürzen und die kehl⸗ und halsbrechendſten Kunſtſtüke produziren!