Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
627
 
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Ländern Europa's bei weitem weniger Modifikationen hat, als jenes des Mit

telſtandes, oder gar die Gewohnheiten

und Luſtbarkeiten des Volkes. Ein Sa⸗ lon in Paris und London wird von je nen deutſcher großer Städte lange nicht ſo verſchieden ſein, als z. B. ſchon ein Volksball in Prag u. Wien, den Haupt ſtädten zweier Provinzen deſſelben Staa tes, und in nationeller und klimatiſcher Hinſſche ſo wenig von einander abwei⸗ chend. Die adeligen Zirkel Prags ſind in der Regel die hier keine Ausnah me ſtatuirt ſtreng von allen übrigen abgeſondert, und für den Bürgerlichen hermetiſch verſchloſſen. Auch die höhern bürgerlichen Stände haben ihre Cote rien, die ſich jedoch meiſt in kleinern Gruppen mittheilen, und das Militär theilt ſich nach Familien- und andern Verhältniſſen zwiſchen die adelige und bürgerliche Geſellſchaft, da die Zahl der verheiratheten Offiziere nicht ſo groß iſt, um einen eigenen Zirkel zu bilden. Unter dem Handelsſtand und den rei chern Privatperſonen findet man hier kein Haus, in dem täglich Geſellſchaft empfangen würde, ſondern je de größere Verſammlung iſt im Voraus beſtimmt, und die Gäſte werden förmlich dazu ein geladen, während außerdem der Abend gewöhnlich im Theater zugebracht, oder nur die Verwandten des Hauſes oder die vertrauteſten Freunde zu einem trau lichen Geſpräch oder zur Spielpart hie vereinigt werden. Regelmäßige Mu ſik⸗Unterhaltungen für das große Pu blikum gibt es in Prag nicht, etwa jene des Konſervatoriums aus genommen, welches jährlich drei muſikaliſche Akade mien in der Faſtenzeit zu geben pflegt; ferner die Quartetten von Streichin ſtrumenten des Prof. Pixis, drei im Advent und drei in den Faſten, zwi ſchen dem Karneval und Oſtern. Außer dem führt uns der Zufall manchmal ei⸗ nen Tonkünſtler zu, der ſein Talent

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Etwas von Allem. Am 18. d. M. gab die einſt ſo berühmte Sän⸗ gerin Giuditta Paſta eine Akademie im Kärnthnerthortheater und zeigte nichts als Rudera einſtiger Größe. Sie erhielt Applaus, aber nicht ohne ſtarke Oppoſt tion. Im k. k. Hofburgtheater ward ein neues Luſtſpiel:die beiden Aerz te von Alex. Baumann gegeben, das im Humoriſten hart mitgenommen wird. Eine neue Poſſe von Schickh:die Müällermeiſterin, hat in der Leopold ſtadt gefallen. Hr. Börger, vom Thea⸗ ter in Peſth, hat im Theater a. d. Wien mit Glük als Fiesco debütirt. Ein Brief aus Preßburg meldet uns:Der löbl. Magiſtrat habe beſchloſſen, dem dortigen Theaterdirektor Franz Pokor ny das Ehrenbürgerrecht zu verleihen; allein wegen eingetretenen Mißhellig⸗

vor einem Publikum entfalten will, das von alter Zeit her noch den Ruf großer Muſikllebe beſizt; leider aber ſind wir in den lezteren Jahrzehnten ſo ſehr mit Muſik überſättigt worden, daß nur große Künſtler mit Zubverſicht auf rei⸗ che Einnahmen rechnen können; wie zum Beiſpiel Liszt, welcher bei hohen Prei ſen in 8 Tagen 6 überfüllte Konzerte gab. Ein Anderes iſt es mit den Kon zerten für wohlthätige Zweke, die, ſo oft ſie auch wiederkehren, doch ſtets reichlich unterſtüßzt werden, wenn ſie gleich mitunter in künſtleriſcher Hinſicht ſehr viel zu wünſchen übrig laſſen. Unter den öffentlichen Orten, welche nur Mänuer beſuchen, um ſich zu un terhalten, Kaffe zu trinken, oder Zei tungen zu leſen, hat der vor wenigen Jahren begründete kaufmänniſche Ver ein, nächſt dem Theater, vielen andern den Rang abgelauſen, und ſeine Mit glieder nehmen fortwährend zu. Die Kaffehäuſer werden dagegen viel weni ger als in frühern Zeiten beſucht.