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Don Cäſar, war am Trefflichſten. Jene Satisfaktion, die ſtets das Publikum durch die Standhaftigkeit und des Wi⸗ derrufs Don Cäſars ſo unwiderſtehlich empfinden muß, hätte ſich durch die Liebenswürdigkeit der Künſtlerin faſt aufgelöſt, hatte ihr Spiel nicht zugleich das Gepräge der Wahrheit an ſich ge, tragen.— Der Beifall des Publikums war außerordentlich; Frin. Hagn ward nach den Akten und Szenen vielleicht zehnmal gerufen.— Von den Mitwir⸗ kenden zeichnete ſich Hr. Dietrich(Don Cäſar) durch würdevolles und anſtändi⸗ ges Spiel aus. Hr. Kalis war ſehr ge⸗ wandt und wirkungsvoll als Perin, nur ſchien er uns mehr Pfiffikus als Hof⸗ mann. Dem. Müller(Florette) war ungemein liebenswürdig, und wir ſind ihr hohen Dank ſchuldig, daß ſie durch Uebernahme dieſer kleinen Rolle, ſo ſehr zur Rundung der ganzen Darſtellung beitrug.— Tags darauf erſchien unſere gefeierte Gaſtin als„Königin von 16 Jahren“ und als Julie in„die Schwä— bin“e Luſtſpiel in 1 Akt von Caſtelli In der erſtern Rolle dürfte ſie in ganz Deutſchland ihres Gleichen nicht haben. Sie malte dieſen Charakter mit hiſtori— ſcher Wahrheit. Wir ſahen ganz dieſes gebieteriſche Mannweib, mit ſeinen Ei⸗ genheiten, ſeinen Launen, ſeinen Lei—⸗ denſchaften vor uns. Alle, ſelbſt die zar⸗ teſten Nüancirungen, waren kenntlich ausgeprägt, und da die Künſtlerin auch ihr herrliches Organ mehr geltend mach⸗ te, ſo war die Theilnahme möglichſt noch allgemeiner, als am vorigen Abend. So lang ſie auf der Bühne war, vergaß man die ungeheure Langeweile des Stü⸗ kes mit ſeinen endloſen Dialogen und Sermonen(warum man den lezten des Grafen Ranzau nicht wenigſtens zur Hälfte ſtreicht, bleibt unbegreiflich). Der Applaus war wieder enthuſtaſtiſch.— Das Luſtſpiel„die Schwäbin“ iſt eine anſpruchsloſe Kleinigkeit, die biel Wi⸗
ziges im Dialoge, aber auch manche fauſtdike Zweideutigkeit hat. Die Rolle der Jalie bietet da durch, daß ſie, um einen polternden Onkel zu hintergeben, ſich für eine Schwäbin ausgibt und im ſchwäbiſchen Dialekte ſpricht, viel luſti—⸗ ge Momente, und wird ſie ſo ausgezeich— net gegeben, wie durch Frln. Hagn, ſo kann ſie ſich ihres Erfolges überall ge⸗ wiß ſein. Es war eine Nett igkeit und eine Zierlichkeit in dieſem Spiele, die ihr alle Herzen gewannen. Haltung, Ton und Geberde waren nach dem Leben, und Alles athmete Grazie und Lieblich— keit. Von den Mitwirkenden zeich⸗ nete ſich vorzüglich unſer eminente Hr. Berg, der den alten hizköpfigen, aber ſehr lebensluſtigen Obriſten ungemein brav gab. Hr. Verg iſt in dergleichen Rollen unvergleichlich.— Hr. Kalis gab den lokern Neben ſehr gut, und erwarb ſich gerechten Beifall; der ſchwäbiſche Schloßvogt aber war eher ein Hotten⸗ totte als ein Schwabe.— Frln. Hagn ward vom Publikum mit allen Auszeich— nungen beehrt, die ihrem hohen Ta⸗ lente gebühren, und die Direktion, die keine Opfer ſcheute, um uns dieſen Ge— nuß zu verſchaffen, verdient den herz⸗ lichſten Dank des Publikums. M.
Korreſpondenz.
Skizzen aus Prag.(Her bſt und Winter.— Konzerte.— Oeffentliche Verſammlun⸗ gen.) Im Sommer hält ſich Alles, was vornehm und reich iſt, fern von der Stadt, und erſt im Oktober, Novem- ber und Dezember, ſtreng genommen, wie die Jagden ſeltener werden, rüken die Familien des Adels gleichſam in die Winterquartiere ein, u. kehren zu ih⸗ ren Abendunterhaltungen zurük, welche dieſelben ſind, wie in andern großen Städten; wie denn über haupt das Le⸗ ben der Großen in den verſchiedenſten


