wohnte. Ich hatte ihn bald nach jenem Vorfall ſeines Dienſtes entlaſſen, und er hatte geheirathet.

Drei Jahre in einem Menſchenleben machen viel aus, beſonders wenn dieſe drei Jahre in die Zeit moraliſcher Entwikung fallen. Ich hatte nachdenken, beobachten, vergleichen gelernt und war nicht mehr ſo roh wie früher. Andreas empfing mich mit ungeheuchelter Freude; ſein Hausſtand war beſchränkt, aber durch den Fleiß ſeines Weibes und durch ſeine eigene redliche Thätigkeit nicht ohne Segen. Ich bemerkte eine kleine Verlegenheſt an Andreas. Es war am ſpäten Abend, es dunkelte im kleinen Zimmer, und als Licht angezündet wurde, hielt er ſich abſichtlich im Schatten. Bald darauf benuzte er eine Gelegenheit, um ſich aus dem Zimmer zu entfernen. Ich wandte mich zur Frau.Ihr ar beitet wohl viel? fragte ich.Das muß man, entgegnete ſie.Die kleine Familie nimmt jährlich zu und der Erwerb iſt eben nicht der reichlichſte. Wir könnten wohl mehr vor uns bringen, wenn Andreas nicht den Schaden hätte. Welchen Schaden?Nun, daß er eben nur einen Arm hat. Es hat Mühe gekoſtet, bis er ſich mit der Linken nur einigermaßen zurecht gefunden.An dreas hat den Arm verloren! rief ich mit ſchreiender Stimme.Und bei wel cher Gelegenheit, Weib?Das weiß ich nicht, das hat er mir nie ſagen wollen. Ich verließ die kleine Wohnung; der Boden brannte unter mir. Plözlich ſtand all das Unheil, das ich angerichtet, klar vor meiner Seele. Alſo durch mich zum Krüppel gemacht! Und wie hatte er ſich ſorgfältig gehütet, mich etwas merken zu laſſen! ſelbſt ſeinem Weibe hatte er es verſchwiegen! Und die ſer Arm, um den ich durch die empörendſte Brutalität ihn gebracht, hat mir das Leben gerettet! O, wie verächtlich kam ich mir in dieſem Augenblike vor! Wie brannte plözlich mit jäh aufflakernder Glut das Unrecht in meiner Seele! Ar⸗ mer Andreas! kann ich dir jemals genug thun 2 Kann ich dich je den ſchwarzen Undank, die grauſame Herzloſigkeit vergeſſen machen, die du von mir erfahren? Welch ein Scheuſal muß ich deinen Augen ſein! Wie beſchämend deine Groß muth, mit der du trachteſte, meine Schande mir gebeim zu halten! ich werde nie dieſe Stunde vergeſſen.

Das Erſte, was ich that, war jezt, daß ich die Horndoſe hervorholte und mich lebhaft all der Worte erinnerte, die jener Fremde damals zu mir ſprach. Jezt fanden ſie eine gute Stätte in meinem Herzen. Sogleich beſchloß ich, zur Büßung meine goldene Doſe abzulegen und jene Lorenzodoſe ſo lange im Ge⸗ brauch zu behalten, bis es mir gelingen würde mein Unrecht irgend gut zu ma chen. Daß ich Geld gab, was der ſtolze Andreas nicht einmal annehmen wollte, hielt ich für kein Opfer und keine Buße.(Beſchluß folgt.)

Warum wird ſo viel über das Theater geſprochen?

Es gibt Leute, die ſich darüber wundern, daß ſo viel vom Theater geſpro chen wird. Man kann aber geradezu behaupten, das Theater ſei dazu da, daß darüber geſprochen und geſchrieben werde; denn es iſt eine Sache des Geſchmaks, alſo ein Gegenſtand der Beurtheilung. Kein Menſch würde mehr ein Schauſpiel ſehen wollen, wenn er nachher darüber gänzliches Stillſchweigen beobachten ſollte. Nur wenn es ihn gar nicht anregt, würde er darüber ſchweigen, als dann wür⸗ de er aber auch nicht mehr in's Theater gehen. Schon die allererſten Anfänger