Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
619
 
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ſingen Sie. Die Sängerin ſingt. O, ſehr gut, ſehr gut, ſagt Meyer beer nach den erſten Noten; gewiß Ma demoiſelle, ich, ich... u. er beglei⸗ det ſie bis zur Thüre. Aber kaum iſt ſie fort, iſt wieder eine Andere da. Ma gere, Junge, Schöne, Alte, Häßliche, aus der Provinz und von Paris, und aus allen Portiers-Logen, wo es nur eine falſche Stimme gibt, gehen und kommen, dann die Tenore, dann die Baſ ſiſten und alles dazu Gehörige und der arme Meyerbeer muß dieſes ſchrekliche Charivari, dieſe Dis harmo nie, dieſen Lärm anhören u. kann Nie⸗ manden die Thüre verſchließen; denn er fürchtet, daß die gekränkten Eigen⸗ lieben ſo Vieler, zu eben ſo vielen Zi ſchern bei ſeiner Oper werden dürften. Jezt wußte er kein anderes Mittel, um dieſer ſchreklichen Verfolgung zu entge hen, als die Flucht. Und dies iſt die wahre Urſache, warum Meyerbeer abreiſte.

Erlangen. Hier hat ſich ein Student, der Sohn des Profeſſors Vo gel in München, ſelbſt getödtet. Es iſt, wie dies in unſerer Zeit öfter vorkommt, zu ſeiner That durch religiöſe Schwär merei getrieben worden, indem ihm die zeitigen Myſtiker von den Sünden der Welt ſo viel Schauerliches in die Phan⸗ taſie brachten, daß er endlich glaubte, immerwährend vom Teufel verfolgt zu ſein. In Erlangen und der Umgegend ſoll der pietiſtiſche Fanatismus über haupt viel Anhänger haben.

Fin me. Ein heftiger Scirocco wind brachte am 14. Sept., Nachmit⸗ tag, das ſardiniſche SchiffJ due Fra⸗ telli in unſere Rhede der Art in Ge fahr, daß man ihm zu Hilfe eilen muß⸗ te. Ein deshalb abgeſchiktes Boot konn⸗ te ſich wegen der hochaufſteigenden Wel len nicht annähern und kehrte unver richteter Sache zurük; von S. E. dem Herrn Gouverneur v. Kiſſ, der überall,

wo es Noth thut, perſönlich wirkt, auf⸗

gemuntert, ruderte endlich eine Fiſcher

barke mit allem Erforderlichen und vie

len Menſchen ab, denen die Rettung

des Schiffes glüklich gelungen iſt

Etwas von Allem. H. W. Ernſt gab am 16. d. M. zu Salzburg, bei ſeiner Durchreiſe nach Paris, ein Kon zert zum Beſten des Mozart-Denkma les. Die von Direktor Carl in Wien ausgeſchriebene Konkurrenz der Preis⸗ ſtüke war mit dem 15. Sept. beendet. Es fanden ſich nicht weniger als 45 Kon kurrenten, die meiſt ſehr poſſierliche Mottos wäblten. Einer ſagt eben ſo naiv als neu:

Das Geld, und nur allein das Geld Erhält und führt durch alle Welt! Ein Anderer läßt ſich hören:

Ich, ſchreibe zehnfüßige Jamben.

Sehr ſinnig, poetiſch und fein;

Sie werden zweifelsohne

Die neueſte Erfindung ſein!

Sind ſeine zehnfüßigen Jamben dieſen Versleins gleich, ſo gratuliren wir. Ein Dritter ruft ganz kucz aus:

Wer zulezt lacht, lacht am Beſten! Der muß den Preis erhalten! Im Theater einer kleinen Stadt wurde vor Kurzem:Genovefa von Raupach als Benefize-Vorſtellung gegeben, und damit ſich ein zahlreiches Publikum ein finde, am Schluſſe der Ankündigung Folgendes geſagt:Nach Beendigung dieſes Schauſpieles wird eine Taube, welche einen Kaiſerthaler um den Hals befeſtigt hat, ausfliegen, und dem ſie zufliegt, deſſen Eigenthum ſammt dem Thaler ſie iſt. Im Kärnthnerthor theater zu Wien ward am 16. d. eine neue deutſche Oper:Alfred der Gro ße, Text v. Otto von Müller, Muſik vun W. Neuling, gegeben. Nach der Sprache der Wiener Blätter ſcheint es, daß die neue deutſche Kompoſition nicht im Stande ſein wirddie verderbte Ge⸗