Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
618
 
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ein Egemplar eines belletriſtiſchen Bu ches? Rechnen wir es aus! Und da re⸗ den ſie mir gar noch zu, ich ſollte auf hören Landgerichtsrath zu ſein, u. mich ganz der Schriftſtellerei widmen, damit ſie öfters was Hübſches zu leſen hätten!

Mignon Zeitung.

Darmſtadt. Die zweite Kam- mer beſchäftigte ſich dieſer Tage ſehr lebhaft mit der Frage, nicht ob, ſon dern wie den Leuten die Köpfe abge ſchlagen werden ſollen. Nicht minder lebhaft endlich auch mit der Frage, was mit ſolch einem abgeſchlagenen Kopf u. dem Leibe dazu geſchehen ſolle. Jemand meinte, man ſollte ſie an die Verwand ten zum Zwek einfacher Veſtattung ab liefern. Dagegen proteſtirte aber einer der Abgeordneten ſehr nachdrüklich; die ſer Abgeordnete iſt nämlich ein Ana tom, Hr. Geh. Hofrath Dr. Ritgen. Er ſchilderte mit Lebhaftigkeit, wie übel jezt ſchon die Anatomie in Gie ßen daran ſei, indem ſie nicht ſelten längere Zeit keine Leichen zum Sezi ren habe: wie es erſt dann werden ſollte, wenn auch die Leichen der Hin gerichteten möglicher Weiſe der Anato mie entgingen! Beſſer zuverläſſig nicht, wenn der Henker der Anatomie Leichen vollauf abliefert! Noch konſequenter wäre es, wenn der Abgeordnete ſich ge gen jene anatomiefeindlichen Anſtalten erklärte, welche zu verhindern ſtre ben, daß die Leute unters Fallbeil ge rat hen.

London. Ein bedeutender engli ſcher Künſtler endete vor Kurzem ſein Leben auf eine wahrhaft ſchauerliche Weiſe. Herr Seimour, der berühmte Karrikaturiſt, bekannt durch ſeine Illu ſtrationen, die er unter dem Namen Phitz zu Votz Romanen mit der Feder zeichnete, hatte die ſchrekliche Gewohn heit angenommen, ehe er ſeine Chargen

entwarf, ſein eigenes Geſicht zu tau⸗ ſenderlei Frazen zu verzerren, und ſo an ſich ſelbſt ſeine Studien zu machen. Dieſe ſchauderhafte Weiſe, originelle Zerrbilder zu liefern, betrieb er mit allem Ernſte und in dem Grade, daß er zulezt einen ſolchen Abſcheu vor ſei nem eigenen Geſichte, vor ſich ſelbſt de kam, daß er in einem Anfall von Ver zweiflung hierüber, als er eben wieder vor dem Spiegel die gräulichen Geſich ter probirte, ſich ſelbſt die Kehle ab⸗ ſchnitt. Der arme, verirrte Künſtler war erſt 28 Jahre alt.

Hanau. Die hieſigen niedrigen Brodpreiſe, die allerdings, eine weiſe Verwaltung unſerer Behörde bekunden, verurſachen, daß wöchentlich ſtarke Brod ladungen von hier nach andern Orten, z. B. Bockenheim u. Höchſt bei Frank furt verſendet werden. Dabei wird die Güte unſers Brodes allgemein gerühmt. (Wäre doch auch anderwärts eine ſolche Brodeinfuhr erlaubt!)

Pari s. Die pläözliche Abreiſe Meyerbeers, ſo wie ſeine beharrliche Weigerung ſich noch einige Tage in Pa⸗ ris aufzuhalten, wird folgendermaßen erklärt. Man muß wiſſen, daß von 7 Uhr Morgens bis Mitternacht ſich eine ſchrekliche Prozeſſion die Treppen des Kompoſiteurs auf- u. abbewegt. Kaum daß der Tag beginnt, als ſchon die Gloke gezogen wird. Der Diener öff net; es iſt ein Mädchen.Melden Sie mich Hrn. Meyerbeer.Monſieur ſchläftWeken Sie ihn gefälligſt. Man wekt Hrn. Meyerbeer. Der unglükliche Maeſtro, noch ganz zerzauſt und nicht ausgeſchlafen, empfängt in⸗ deſſen ſeinen Gaſt mit einer Leutſelig keit, die ihn nie verläßt.Mein Herr, ſagt die Schöne,ich wünſchte Ihnen eine Arie vorzuſingen, damit Sie ſehen, daß ich tüchtig bin, die neue Rolle in Ihrer großen neuen Oper zu über nehmen.Sehr gut, Mademoiſelle,