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Weshalb iſt der Thurmknopf das Theuerſte an der Kirche?— Weil er
ouf das Höch ſhe zu ſtehen kommt.
Worüber freuen ſich ein belagerter Feldherr und ein verlegener Calkvla— tor am meiſten?— Wenn ſie einen Ausfall deken können. Warum ſind die Vögel die fertigſten Sänger?— Weil ſie Alles vom
Blat te weg ſingen.
Warum iſt ein Kutſcher ſo ſtolz?— Weil er ſo viel auf Vorfahren hält. Warum bleibt der thätigſte Buchhändler tadelnswerth?— Weil er ſein
Geſchäſt mit Nachdruk betreibt.
Wer verdient die Bezeichnung ſaumſelig als Lob?— Eine Nähterin,
die für ihre Arbeit ſchwärmt.
Ansichten. Urteile. 5
die Memoiren von dem nebligen, aber an Erlebniſſen reichen Steffens und der neueſte Roman von Tieck den Journa—
Ateratur.
Literariſches Portfolio. Firmenich hat eine kleine Sammlung „Neugriechiſcher Volksgeſänge, Original und Ueberſezung“ bei Heyder in Berlin erſcheinen laſſen und dieſelben zur Er— läuterung mit Sittenſchilderungen aus Griechenland begleitet. Daraus erſah— ren wir, daß die meiſten Klephten- oder Palikarenlieder von Blinden gedich— tet ſeien, welche nach Art der alten Rhapſoden im Lande umherziehen und die Lieder um ein Almoſen ſingen. Ga— vojannis(der blinde Johann) iſt der berühmteſte dieſer Rapſoden.— Homer ſoll bekanntlich auch blind geweſen ſein, ja es wird behauptet, Homeros(%s) ſei in der Mundart der Kymäer gleich— bedeutend mit roads(blind). Ob man aber nicht Homer, weil ſein Name „Blinder“ lautete, erſt hinterher Blind— heit andichtete?— Die deutſche Lite— ratur zeigt ſeit den lezten Wochen ei— nen auffallenden Reicht hum intereſſanter neuer Erſcheinungen. Abgeſehen von dem Heineſchen Schmähbuche, welches, wie kaum je eine andere Schrift, von der Kritik einſtimmig abgefertigt wurde, geben die ſchlagenden„unpolltiſchen Lie— der“ von Hoffman v. Fallersleben, das männliche Erinnerungsbuch von Arndt,
len Stoff zu Erörterungen. Auch eine neue Novelle von Kühne iſt ſo eben er ſchienen,„die Rebellen in Irland“, 3 Bände, und ſehr beachtenswerth; wie die zwei Bände„aus dem Leben“ von H. König und das ſchöne„Rolandsal— bum“, welches Ferdinand Freiligrath zum Beſten der bekannten Ruine am Rheine zu Köln bei Du Mont-Schau⸗ berg herausgegeben hat.— Karl Im— mermann, der in voller Mannesblüthe, im 46. Jahre ſeines Alters ſtarb, hatte ſich erſt vor Kurzem verheirathet und war eben Vater geworden.— Die Leip⸗ ziger„Allgemeine Zeitung“ gab An— fangs September eine Mittheilung über ihn, worin auch bemerkt iſt, Immer— mann habe Folgendes über den merkan— til⸗literariſchen Zuſtand geäußert:„Wir bleiben Bänkelſänger in Deutſchland. Da haben ſie geſchrieben u. gelobt von Süden u. Norden die„Epigonen“ und den„Münchhauſen“, daß man denken ſollte, in jeder Dorfſchenke müßten die Bücher zu finden ſein, und wenn wir es in der Meß-RNechnung beſehen, ſo haben einige dreißig Millionen Deutſche an 500 Exemplaren vollauf genug ge⸗ habt! Wie viel Deutſche kommen auf


