Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
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ſchmaksrichtung an franzöſiſche u. ita⸗ lieniſche Muſik zu verdrängen. Durch die neueſten Handwerker-Emeuten in Paris litt der dortige Buchhandel am meiſten; zwei Orittel der Pariſer Buch⸗ händler, Buchdruker und Papier bänd ler haben ihre Zahlungen eingeſtellt. Leipzig hat jezt 24 Buchdrukereien mit 232 Handpreſſen und 11 Schnellpreſſen. Man kann annehmen, daß in Leipzig in einem Jahre 12 bis 14,000 Ballen wei⸗ ßes Papier bedrukt werden. Ein Ber liner Dintenfabrikant läßt folgende Fra ge als Ankündigung in die öffentliche Blätter druken:Wo ſind die aller be ſten, an Wirkſamkeit mie zu übertref fenden Haarwuchsöle und Pomaden zu haben? Antwort:In der Patent- u. Normal-Dintenfabrik, Nr. 88 dc. Die Käufer werden hier wohl in die Dinte gerathen. Man hat die Behauptung aufgeſtellt, daß, wenn eine europäiſche Nation ſich außerhalb Europa's anſted le, der Spanier zuerſt ein Kloſter, der Italiener eine Kirche, der Holländer eine Vörſe, der Engländer ein Fort, der Franzoſe ein Theater u. der Deut ſche eine Schenke anzulegen pflege. In einer Vorſtadt von Paris, an einem unan ſehnlichen Häuschen, findet man das Aus hängeſchild:Opinski, Buchbinder. Opinski iſt ein polniſcher Fürſt, der vor der Revolution in ſeine Heimath ein Paar Millionen polniſcher Gulden jähr liches Einkommen hatte. Einer fragt den Andern: Warum es immet ſcheine, als ob er ſich in die Luft erheben wol le? Der Zweite erwidert: Weil er lange Strümpfe an den Beinen trage (des bas longs ballons aux jam- bes). Ein Berliner Schneider gibt die Verſicherung in öffentlichen Blättern, er wolle dem Publikum und ſeiner Scheere treu bleiben. In Paris iſt eine ſonderbare Schrift, betitelt:Kas

par Hauſer, der Thronerbe Badens, 1840 erſchienen. Eine deutſche Sän gerin, Frln. Dielitz, die in Paris ihre Kunſtbildung erhielt, ſoll nach dem Journal des Debatsdie ſchönſte Stimme von der Welt haben. Sie macht jezt eine Kunſtreiſe durch Belgien und Deutſchland. Die zwei in Paris und Berlin kürzlich gegründe ten Anti⸗Luxus⸗Geſellſchaften für Da⸗ men haben in ihren ſeltſamen Statuten einen Artikel, der lautet:Jedes Mit glied iſt verpflichtet von einer ange nehmen Häßlichkeit zu ſein! Das neu etablirte Köthner Spielhaus hat bereits ſein Opfer gefordert, indem ein junger Menſch von 20 Jahren, der ſich zum Spiele verleiten ließ, und an vertrautes Geld verlor, in der Ver zweiflung ſich das Leben genommen hat. Gleich den Leipzigern haben ſich auch die angeſehenern Kaufleute in Mag de⸗ burg vereinigt, durch äußerſte Strenge ihre Kommis und Lehrlinge vom Spiel abzuſchreken.

Lokal-ZJeitung.

Benefiz.(Ofner Arena.) Die mit ſo vielem Beifalle hier gaſtirende, mit Recht ſchon ſehr beliebte Schauspieler in Mad. Mel⸗ chlor, bat Sonnabend, den 26., ihr Gaſt⸗ Beueſiz mit einem ſehr originell und frap⸗ pant zuſammengeſezten Quodlibet, unter dem Titel:Dramatiſch-muſitaliſcher Eiſenbahn⸗ flug mit dem Lotomotlv des Wizes auf der Bahn des guten Huwors ins Zauberreich der Phantaſie, mit ſcherzender Muſik begleitung der Luſt und fröhlichem Rakettenfeuer der gu⸗ ten Laune, oder:Einen Hauptſpaß gibt's auf jeden Fall!! Wir zwelfeln nicht, daß der Gehalt der Poſſe, dem Anlotenden ihres Titels entſprechen werde, und es iſt auf einen zahlreichen Zuſpruch zu rechnen.

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Beilage:Der Schmetterling. Nr. 22.

Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.