Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
608
 
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608 Frührothsſtrahle ader ſaß er im Wagen, gleichgiltig knallte der Kutſcher mit der Veitſche und bald hatte er das freundliche Dörfchen im Rüken. Mat hildens Bild batte er mit ſich genommen, ob er es in Italien vollendete, weiß ich nicht zu berichten.

Ein Jahr war ſeit der Abreiſe Alfreds verfloſſen; es ſchien als ob mit ihm ouch alle Heiterkeit, alle Zufriedenheit aus Helmbrands Hauſe gewichen wären. Er ſelbſt war ungewöhnlich ernſt geworden, denn er fand nach vollbrachten Ve rufsgeſchäften in ſeinem Hauſe nicht mehr die Stunden der Erholung, ſeine Mathilde war ja krank und düſter, das muntere Weibchen war ſchweigſam ge worden, die vollen rothen Wangen waren bleich und eingefallen, der kleine, üppi⸗ ge Körper zuſammengeſchrumpft, die helle, klare Stimme klang nun leiſe und im Reden wurde ſie von häuffgem Hüſteln unterbrochen; nur das klare blaue Auge hatte ſeinen frühern Glanz, ſein Jugendfeuer beibehalten. Die alte Mar the leiſtete der Kranken getreuliche Pflege und peinigte ſich mit dem Gedanken, ihr liebes Tildchen noch früher als ſich ſelbſt in die Grube geſenkt zu ſehen; daß ein innerer Gram die junge Bruſt zerfleiſche, lag offen am Tage; fragte ſie theilnehmend das gute Weibchen:Sprich, Kind, was fehlt dir? kann ich nicht helfen? ſo ſagte die arme Kranke, ihrer zweiten Mutter zärtlich die Hand drü kend, mit matter Stimme:Ach, liebe Baſe, es iſt zu ſpät! er hat es ja auch geſagt! und das blaue Auge blikte ſchmerzvoll zum Himmel empor, als erwarte es von dort das Ende ſeiner Leiden.

Der Herbſt rükte heran; die Blätter fielen von den Bäumen; die Natur traf die Anſtalten zum erholenden Winterſchlafe; die Schwalben ſuchten ſich eine wärmere Heimat und die lauen Lüfte zogen mit ihnen. Es liegt etwas Großar⸗ tiges, Majeſtätiſches in dieſem erhabenen Schauſpiele, wenn auf das lebhafte Treiben des Univerſums das Schweigen des Grabes folgt, wenn der grüne Wie ſenteppich nach und nach verſchwindet und die müde Mutter Erde ihre Aeuglein ſchließt und ſich birgt unter der wärmenden Schneedeke des Winters. Mathilde war immer ſchwächer geworden, das Ende ihrer Tage rükte heran, ihre Stun den waren gezählt. In der lezten Zeit konnte ſie vor Schwäche das Bett nim mer verlaſſen. Eines Abends ſaßen Helmbrand und Martha neben ihr am Lager, nach einem erquiklichen Schlummer richtete ſie ſich empor, ſah beide mit einem ſeelenvollen Blike an und mit ſchwacher Stimme ſprach ſie folgende Worte:Lebt wohl, meine Lieben mein Schöpfer ruft mich bald ſtehe ich vor ſeinem Richterſtuhle weinet nicht über meinen Tod ich fürchte mich ja nicht vergebt mir, wenn ich Euch gekränkt Ihr habt es ja gut mit mir gemeint Ihr wolltet mich glüklich machen ich war auch glüklich und wäre es geblieben doch er kam und ſagte: es ſei zu ſpät! Sie ſank in ihr Kiſſen zurük; Helmbrand und Martha weinten bei der Leiche eines geliebten theuren Weſens.

Es gibt keine Herzensverbindung hienieden, die nicht ihr Ende findet!

Auflöſung des Logogriph's in Nro. 68: Pauline.