Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
602
 
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ein großes Pferderennen. Das Vergnü⸗ gen ſoll für das große Publikum ſehr langweilig geweſen ſein. Ein gewand ter Mann ſuchte Abwechſelung in das Ganze zu bringen u. ſtabl die tauſend Ernſt-Auguſtd'ors enthaltende Renn kaſſe. Man iſt ſeiner noch nicht habhaft geworden; fängt man ihn aber ein, ſo wird er ins Gefängniß geworfen, und muß zur Strafe Zeitlebens jeden Tag die neue hannoverſche Verfaſſung von Pa ragraph A bis Paragraphus Z durchleſen.

Main 3. Wenn nicht alle Zeichen trügen, ſo gibt es ein geſegnetes Nhein⸗ weinjahr; ob dies keinen weſentlichen Einfluß auf Europa's gute Laune hat, mögen Liebhaber und Kenner entſchei den. An einen kriegeriſchen Herbſt, wie ihn uns in voriger Woche die franzöſi⸗ ſche Preſſe prophezeihte, glauben wir hier am allerwenigſten. Blut wird am Rheine fließen, nun ja! aber Trauben⸗ blut; auch Fahnen werden wehen und Schüſſe fallen, doch nur in den Wein bergen. Es lebe der Frieden, es lebe der Wein!

New⸗ Mork. Hier war es bei ei nem Ständchen, welches die Deut ſchen der Tänzerin Fanny Elsler brachten, zu argen Händeln getommen.(Es ſcheint faſt, daß der übertriebene Enthuſſas mus, den dieſe Tanz-Coriphäe in Ame rika erhielt, eben ſo wie derjenige der deutſchen Oper in London, blos von Deutſchen herrühre.) Eine Rotte von Unruheſtiftern fiel über die Deutſchen her, um Rache zu üben, dafür daß ſie, die bei einem ähnlichen Unfuge im vo rigen Winter von den Fäuſten der Deutſchen ſo weidlich zerbläuet waren, daß einer der Ihrigen todt auf dem Plaze blieb. Aber auch diesmal zogen ſie den Kürzern und ein engliſch⸗amerikaniſches Blatt bedauert nur, daß auch diesmal nicht allen die Glieder zerſchlagen und

der Athem aus dem Lelbe gepruͤgelt worden ſei. Man kommt beinahe auf

den Gedanken, daß dergleichen jenſeits

des großen Ozeans gebräuchlich ſei, be ſonders wenn man lieſet, daß die Ame rikaner ſich auf offener Landſtraße oder gar an den Wirthstafeln ſo oft duel liren. Dieſe Zweikämpfe ſind für den einen Theilnehmer ſtets tödtlich.

Hamburg. Dr. Julius hat hier eine hochſt intereſſante Schrift über ein Mädchen herausgegeben, das nur einen Sinn hat. Dieſes Mädchen, gegenwär⸗ tig zehn Jahre alt, und in dem Blin deninſtitut zu Boſton erzogen, entbehrt das Geſicht und das Gehör, und ſein Geruchſinn iſt gänzlich ſtumpf, ſo daß man wohl ſagen kann, daß es nur durch das Gefühl Wahrnehmungen mache. Sei ne Geiſteskräfte ſind nichts deſtoweniger in ſehr hohem Grade entwikelt; es iſt heiter unter ſeinen Gefährtinen, denen es mit warmer Liebe anhängt.

Potpourri aus Paris. Die berühmte franzöſiſchen Schauſpielerin Dem. Georges geht mit zwanzig andern Künſtlern für den nächſten Winter nach Odeſſa; auf der Hinreiſe wird auf Malta von der Geſellſchaft erſt ein Cy⸗ klus franzöſiſcher Stüke gegeben werden. Ein Pfarrer in der Nähe von So lesmes hielt am Sonntag vor acht Ta gen eine Predigt über die Vergänglich keit alles Irdiſchen. Bei der Stelle, welche er mit beſonderer Kraft der Stim me und der Geſtikulation hervor hob: Bald ſind wir da, bald ſind wir ver ſchwunden! verſchwand er wirklich. Der wurmſtichige Boden der Kanzel war unter ihm zuſammengebrochen. Das Kriegsgeſchrei war doch in Frankreich zu etwas gut: es wurden nicht blos Rekruten ausgehoben, ſondern auch viele heiratho luſtige Schönen brachte es unter die Haube. Seit Jahren fanden dort nicht ſo viele Verheirathungen ſtatt, als jezt.