Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
603
 
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Die Mairien haben ihre Noth mehr mit den friedfertigen Braut paaren, als mit den Truppenaus hebungen. In den lezten Tagen des verfloſſenen Mo nats waren in Rouen alle Straßeneken mit großen Anſchlagzetteln beklebt, die einen Mann vorſtellten, der mit einem Stabe in der Hand auf dem Waſſer umherſpazirte. Die erklärenden Worte beſagten: Herr Durand de Moneſtrot werde mit Hilfe vonununtertauchba ren Holzſchuhen(sabots insubmersi- bles), die er ſelbſt erfunden habe, über die Seine gehen. Eine ungeheure Men ſchenmenge fand ſich zur beſtimmten Stunde am Hafendame ein, und wollte die Wunderthat mit eigenen Augen ſchauen. Herr Durand erſchien mit ſei nenUnuntertauchbaren, die etwa 6 Fuß lang, aneinander befeſtigt und volle ſechs Zentner ſchwer waren. Kek ſtach er in die Seine hinaus, verlor aber augenbliklich das Gleichgewicht u. verſank ſammt ſeinen sabots insubmer- sibles! Nur mit Mühe zog man dieſen Waſſer⸗Icarus wieder ans Tageslicht. (Ob das nicht der berühmte Löwen⸗ tritt war?)

Etwas von Allem. Bei der am 1. Sept. in Wien ſtatt gefundenen erſten Ziehung des k. k. Lotterie-Anle⸗ hens v. J. 1839 iſt der Haupttreffer von 250,000 fl. C. M. dem Freiherrn Salomon v. Rothſchild zugefallen. Ein iriſcher Lord, Namens Ventry, hat neulich 283 Perſonen von Haus u. Hof gejagt. In Paris will Niemand mehr arbeiten. Sogar die auf dem Schind⸗ anger bei Montfaucon beſchäftigten In⸗ dividuen haben ihre allerdings nicht ſehr einladende Beſchäftigung vor der Hand aufgekündigt. Bulver iſt in Aachen; Varnhagen von Enſe in Wiesbaden; Kühne war in Iſchel und reiſet jezt in Italien. Pückler⸗Muskau iſt in Marien⸗ bad und läßt dort ſeine kranke Abyſſi⸗

nierin kuriren. Was doch alles zu einem Handelsartikel wird! In Frank⸗ reich verkauft man ſogar die Kran⸗ ken. Hr. Chevé bietet zwar nicht eine ſchöne Auswahl, ſondern blos eine ſehr gute Kundſchaft von Kranken, die 6 bis 7000 Fr. einträgt, in der Nähe von Paris, zum Kaufe an. Das Poſt⸗ dampfſchiffVrittania hat die Reiſe über den Ozean neulich in der unglaub lich kurzen Zeit von zehn Tagen ge macht. Der bekannte Carlyle in Lon don hielt während des Maimonats ſechs Vorleſungen über Heroen, Heroenkul tur und das Heroiſche in der Geſchich te. Die erſte Vorſtellung hetrachtete den Heros als göttliches Weſen, die zweite als Propheten, die dritte als Dichter, die vierte als Prieſter, die fünfte als Mann der Wiſſenſchaft, die ſechſte als Herrſcher. Die Oper:Zaar und Zimmermann von Lortzing erhielt bei ihrer erſten Aufführung in Frankfurt nur getheilten Beifall. Die Geſchwi⸗ ſter Beauval haben im Joſephſtädter theater in Wien getanzt. Sie erwarben ſich in allen Piecen reichen Beifall. In Burgos wurde unlängſt ein einakti⸗ ges Luſtſpiel: El Hombre Gordo(, der Dike) von Dr. Manuel des Herreros auf die Bühne gebracht. Die Haupt rolle darin ſpielt der bekannte Schau ſpieler Fraquin Gonzalez, ein Mann von ganz ungewöhnlicher Korpulenz. Das Stük iſt darum merkwürdig, weil es dem Helden im eigentlichſten Sinn des Wortesauf dem Leib geſchrieben iſt. Berlin hat 23 Kleink inderbe wahranſtalten, in welchen ſich 2857 Kinder befinden. die Ansgaben dafür betrugen voriges Jahr 22,680 fl. DerCharivari ſagt:Das Schiff, welches Ludwig Philipp trug, wurde von einem heftigen Sturm überfallen. Wir bören, es ſei ernſtlich die Rede, Boreas und die übrigen Winde, ſeine Mitſchuldigen, vor den Pairshof zu zie