Jahrgang 
Band 2 (1840)
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600
 
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auffinden laſſen, der ſieht ſich häuflg betrogen und ſehnt ſich nach feiner fruͤhe⸗ ren Heimath zurük wer aber die Reiſe mit beſcheidenen Forderungen antritt, der glaubt ſich ſelten getäuſcht und wird eher zufrieden und glük lich ſein. Täu⸗ ſchungen gehen ſtets aus überſpannten Erwartungen hervor, und dieſe beruhen größtentheils auf den enthuſtaſtiſchen Verſprechungen der romantiſch verliebten Brautleute ſo lange die Liebe nur Ideale ſieht, iſt ſie wohl ein beſeligendes Gefühl, aber dem Freudenkelche werden manche bittern Wermutstropfen beige⸗ mengt, denn das Ideale erſtarrt beim Winterfroſte der rauhen Wirklichkeit wahrhaft beglükend wird die Liebe erſt dann, wenn ſie ihre Phantaſiegeſtalten und Luftgebilde durch das Mikroskop des Welttones betrachtet, wenn ſie in dem Gegenſtande ihrer Wahl nicht mehr den geliebten Gott, ſondern den geliebten Menſchen ſieht, nicht mehr blind, ſondern nachſichtsvoll gegen die Fehler, aber auch nicht enthuſtaſtiſch exaltirt für die Tugenden ihres Helden wird. Darum ſind oft Verbindungen, die mit weniger Liebe und mit mehr Vernunft geſchloſſen werden, glüklicher, als ſolche, welchen ein ſchwärmeriſches, mondſcheinſüchtiges Schmachten zu Grunde lag; manche Gatten verlieben ſich erſt in der Ehe tüch tig in einander, wenn ſie ſehen, daß ihre Geſinnungen harmoniren und ſich ge⸗ genſeitig fügen; manche ſind glüklich, wenn Eines dem Andern nur nicht ſtörend in den Weg tritt. Ein ähnliches Verhältniß fand zwiſchen Helmbrand und Mathilde ſtatt. Sie war ihrem Manne herzlich gut, wenn man ſie fragte, ob ſie ihn liebe, antwortete ſie:O ja, er thut mir ja nichts zu Leide und erfüllt jeden meiner Wünſche. Helmbrand, wenn er von ſeinen Geſchäften heimkehrte in die häusli che Stube, fand er Alles in beſter Ordnung, ſein Mahl köſtlich bereitet, die junge Frau kam ihm freundlich entgegen, erwiderte ſeinen Bewillkommnungs kuß; was wollte er mehr, um glüklich zu ſein? Die alte Martha theilte dieſe Freuden und war zufrieden, weil ſie ihr liebes Tildchen zufrieden wußte. (Beſchluß folgt.)

Anſichten. Urtheile. Vegebniſſe.

Madrid. Der einzige Literatur

Theater.

Berlin. Die Berliner Oper be reitet ſich für den Winter auf Gluck, Mozart, Cherubint, Beethoven vor; Das Schauſpiel wird ſich mit den edelſten Aufgaben beſchäftigen.Egmont und Wilhelm Tell, ſeit faſt zwanzig Jah⸗ ren von der Bühne verbannt, ſollen wieder Zutritt erhalten. Dies iſt mehr ein politiſcher als ein künſtleriſcher Fortſchritt. Goethes Geburtstag, deſ ſen Feier unſers Erachtens noch nie im Theater begangen worden, wurde am 28. durch eine Darſtellung desFauſt gefeiert.

zweig, welcher jezt hier blüht, iſt der dramatiſche. Wir beſizen in dieſem Au genblike ſechsundvierzig Theaterdichter von größerem oder geringerem Belang. Zweiundzwanzig davon leben in der Hauptſtadt. Der fruchtbarſte iſt Breton de la Herreras, der über fünfzig Stü ke, ſowohl Trauerſpiele als Luſtſpiele, geſchrieben hat, von denen die meiſten bei der Darſtellung gefallen haben. Mar tinez de la Roſa beendigt ſo eben eine Komödie in fünf Akten unter dem Ti tel:EI Espannol en Venecia o la Cabeza encantada(der Spanier in Venedig oder der verzauberte Kopf).