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kommt obne Zweifel bald eine neue Ausgabe beraus. Na, nur immer zu!
Mignon-Zeitung.
St. Veters burg. Von der in Rußland graſſirenden Spielwuth mag folgendes Beiſpiel dienen: Der Graf B erſchien mit einer Klage gegen den Ge⸗ neral G“ vor dem Tribunale. Der Graf hatte von Lezterem in einer Soi⸗ rée beim Geſandten K*, nachdem er ihm 50,000 Nubel abgenommen, auch noch ſeine Kaleſche, ſeinen Kutſcher, ſei— nen Jokai und zwei arabiſche Renner gewonnen. Der General G war nun bereit, zu Fuße nach Hauſe zu gehen, aber der Graf bot ihm höflichſt die von Erſterem eben gewonnene Equipage an, ſich derſelben zum Nachhauſefahren zu bedienen und ſie ihm andern Tages zu⸗ rükzuſchiken. Wie groß war aber des Grafen Aerger und Erſtaunen, als am andern Morgen zwar die Kaleſche kam, aber nur gezogen vom— Kutſcher und Jokai! Die beiden Araber hatte der General zurükbehalteu. Der General leugnete, als der Graf ihn deshalb ver—⸗ klagte, dieſen Umſtand nicht, indem er erklärte, es ſei ihm zu ſchwer gefallen, ſich von den beiden Rennern zu tren⸗ nen, da er ſie ſo leicht nicht wieder er— ſezen könne, jedoch ſei er gern zu einer genügenden Entſchädigung bereit. Nach vielen Diskuſſionen ward man dahin ei— nig, daß der Graf als Entſchädigung für die beiden Pferde vom General noch die Frau des gewonnenen Kutſchers und deſſen vier Kinder bekommen ſollte, wo— mit dann der Graf ſich nothgedrungen zufrieden erklärte!— Das iſt Civiſa⸗ tion an der Newa!
New Pork. Ueber die über⸗ ſchwenglichen Huldigungen, die der Tän⸗ zerin Fanny Elsler angeblich in Ameri— ka zu Theil werden, äußert ſich ein Blatt:„Iſt es mit Amerika in der Ci⸗
vilifat on ſchon ſo weit gekommen? Wenn dieſe Republikaner derlei Hul di— gungen an eine Tänzerin ver ſchwenden, die ſo gütig iſt, gegen einige Luftſprün⸗ ge Geld einzutauſchen, wie wollen ſie denn große, um das Gemeinwohl hoch⸗ verdiente Männer ehren? Armer Bru— der Jonathan, mit deiner Republik geht es auf die Neige, wenn die geſunden Bauern im Weſten dich nicht von dei— nen Thorheiten kuriren.(In dem alt- civiliſirten Europa geht es indeſſen auch nicht viel beſſer.) Konſtantinopel. Nie, ſo lan; ge die Türkei beſteht, iſt eine fürſtliche Hochzeit ärmlicher gefeiert worden, als die der Sultanin Atie mit dem Han— delsminiſter. Bei der drohenden Stim— mung war die Rede davon, ſie zu ver⸗ schieben, endlich beſchloß man mit den Feierlichkeiten am Abend des 7. Auguſt den Anfang zu machen, jedoch dieſe nicht, wie früher beſtimmt, vier Wo⸗ chen, ſondern nur eine unbeſtimmte Zeit dauern zu laſſen, ſo daß ſich wahrſchein⸗ lich das Ganze, auf acht Tage beſchrän⸗ ken wird. Bei dem unruhigen Zuſtan— de der Hauptſtadt aber, und da die Re⸗ gierung ſtets gegen die Verſchwörer auf der Hut ſein muß, ſind die ſonſt bei ähnlichen Gelegenheiten in ſo reichem Maaße vergeudeten Artillerieſalven von allen Batterien gänzlich unterblieben, kein einziger Kanonenſchuß iſt gelöſt wor⸗ den. Das Ganze beſchränkt ſich auf ei— ne elende tägliche Beleuchtung der öf— fentlichen Gebäude, mit noch weit elen— derm Feuerwerk an dem Bosporus ver—⸗ bunden, dann tägliche Seil- und Reit— künſte in der Ebene von Doma-Baktſche, die man bei uns aus pfeifen würde, die aber hier bei dem Sultan, ſeinem Ha⸗ rem und den Großen des Reichs das höchſte Ergözen bervorbringen. Das Schönſte bei der Sache ſind die aufge⸗ ſchlagenen herrlichen Zelte für die ein⸗ geladenen hohen Gäſte und Geſandten,


