Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
592
 
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592 vier, die Keble, das ſnd jezt die Inſtrumente, durch welche man Lorbeeren und Geld einſtreicht, einklavirt und eintrillert. Als Frledrich der Große Flöte blies, als Siegwart und Werther die Helden des Tages waren, wie hat man da Flöte geſpielt? Sie war ein Organ der ſüßen, ſentimentalen, ſchmachtenden Zeit des Wertherſchen Siegwart und des ſichen Werther. Aber auch, wenn die Spartaner in den Krieg zogen, blieſen ſie Flöte, und unſere Trommeln wurden mit Flö⸗ ten⸗Begleitung geſchlagen. Das heißt am Ende, die Flöte iſt ein reiches, unend licher Vervollkommnung und des wanigfachſten Ausdruks fähiges Inſtrument, das wohl mit größerem Rechte ſeine Virtuoſen verdiente als das Klavier. Bei dem Leztern läuft es gewöhnlich auf eine Fingerfertigkeit hinaus, für die Flöte braucht man aber die wärmſte, tiefſte Innerlichkeit des Gemüths, den warmen Hauch des fühlenden Herzens Für dieſes Reich wohnt in der Flöte die reichſte Welt und jeder Nuance, jeder Färbung und Stimmung des Gemüths, jeder lyriſchen Regung des feinfühlenden Herzens vermag ſie im warmen, beſeelten Tone Leben und Ausdruk zu geben. Warvm gibt es nun keine neueren Flöten Virtuoſen? Weil wir das Gefühl verloren haben, weil uns die Muſik nur zum wilden Tanze aufſpielen oder das Trommelfell zerreißen ſoll, weil wir nur amü ſirt und in die Ohren gekizelt werden wollen. Oper! Oper! Jedes kleinſtädti ſche Fräulein kann jezt die meiſten Arien aus Opern hertrillern, ein einfaches,

gemüthliches Lied würde ſie kompromittiren.

Anſichten. Literatur.

Ltterariſches Portfolio. Ueber Heine's Buch gegen Vörne ſagt die Elberfelder Zeitung:Das deut ſche Publikum muß ungeheuer reich ſein, weil man( es iſt der ſich für einen Schlaukopf haltende Herr Campe, Buch händler in Hamburg) ihm zutraut, es ſolle zwei Thaler für ſolch ein Buch zahlen, in welchem bei einigen hübſchen Ideen eine ſolche Maſſe von Unrath vor kommt, daß man als Endurtheil nichts als ein Pfui! zu ſagen braucht. Nach dieſem Buche kann Heine getroſt nach Deutſchland zurükkehren, es bedarf für ihn keiner Amneſtie, denn er hat ſelbſt eifeigſt dafür geſorgt, daß er der Vergeſ ſenheit anheimfalle. Der Redakteur des Kometen ſchreibt:Ich bitte um der Barmherzigkeit Willen, mir doch nicht ganze Pakete mit Gedichten ſieben

Urtheile. Begebniſſe.

zig Meilen weit unfrankirt zu ſenden; die Poſtreform iſt ja noch nicht ins Le ben getreten Die Gedichtſaiſon fängt an wieder fürchterlich zu werden. Die Abendzeitung wirft mir vor, ich nähme ſo viel mittelmäßige auf; nun, ich will ihr den Reſt laſſen; ſie wird ihr blaues Wunder ſehen. Von der neuen No⸗ velle:Colomba, von Prosper Meéri⸗ mee, ſoll wie eine Nachricht in der Zeitſchrift:Roſen meldet eine Ueberſezung in Berlin vorbereitet wer den. Dieſe Novelle gehört wohl zu den trefflichſten, was in Frankreich in die ſem Genre ſeit lange erſchienen iſt. Herr Lewald hat in Stuttgart bei Scheible ein Buch druken laſſen, das den Titel führt:Mörder u. Geſpenſter. Weshalb gab er es nicht dem weltbe rühmten Hrn. Fürſt in Nordhauſen in Verlag? In Leipzig iſtder Tod tengräber von Vacharach erſchienen u. von L. ZnafersHaarzopf der Hölle