Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
591
 
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Waſſer ſuchen den ungeheuren Brand zu löſchen und werden verſchlungen es iſt ein uralter, ewiger Kampf der beiden feindlichen Elemente, ein Chaos ohne Anfang und Ende! Und wenn der Rieſe Hekla äußerlich ſchläft, dann entſchlü pfen ſeinen Weichen, wie Geſpenſter, lange gelbe, blaue, rothe und grünliche Flammen, welche in den phantaſtiſchſten Bildungen aufzuken und verſchwinden. Hier wo Feuer, Waſſer, Luft und Erde fort und fort im Kampfe liegen, ſcheint es dem Eisbären unheimlich zu ſein. Indeß mehr als dieſes Brauſen der Elemente, ſchrekt das Ungethüm vielleicht die geröthete Lava und der kochende Eedpech, welcher auf der Fluth hinziſcht, und beſonders die Feuerſäule, welche unter Donnergepraſſel aus dem Vulkane gen Himmel flammt. Der Eisbär ſcheut das Feuer, das ungewohnte Leben.

Nicht in Einzelnheiten, wie in geſegneteren Zonen, verkündet ſich am Pole Gottes Allmacht; aber deſto erhabener, erdrükender zeigt ſie ſich in den wenigen Manifeſtatlonen. Wenn zwei Eisbären, gleich an Kraft, auf einer Scholle mit einander kämpfen und endlich in den Abgrund ſtürzen welch ein Bild! und doch ſoll dieſe blutgierige Veſtie eine Anhänglichkeit an ſein Weibchen haben, die unglaublich ſcheint. Der Engländer Anderſon, einer der kühnſten, unterrichtet ſten und glaubwürdigſten engliſchen Polarreiſenden, berichtet, er habe als Au genzeuge einen männlichen und einen weiblichen Eisbären in Finnland zugleich auf ihre Beute losſtürzen ſehen; ſie geriethen beide in die Falle, einen tiefen Graben, und blieben hier liegen bis ſie Hungers ſtarben, ohne ſich gegenſeitig ein Leid zu thun; und doch iſt es eine ausgemachte Sache, daß die mannlichen Eisbären, beſonders wenn ſie um ein Weibchen kämpfen, ringen bis einer auf dem Plaze bleibt und dem andern zum Fraße dient.

Ihr ſagt, die Kultur wird nach und nach und bald alle reißenden Thiere vernichten; möglich! Aber noch hat es ſeine Noth. Noch immer drohen die Eis bären den Spizbergenern, Grönländern, Finnen und Lappen in langen Winter nächten; noch immer gefährdet der Jaguar die Savannen Paraguays, ſchleicht der ſyriſche Löwe den Karavanen in den Sandwüſten nach, verheert das Rhino ceros die afrikaniſchen Flußufer und bedroht der Elephant den Kraal der Hot tentotten und Kaffern; das Krokodil iſt im Nile noch nicht ausgeſtorben, der Königstiger wüthet vor wie nach in Hindoſtan die Menſchheit muß jeden Fuß Landes, den ſie der Thierwelt abgewinnt, mit Blute zahlen und wo die Men ſchen die wilden Beſtien ausgerottet haben, ſind ſie da nicht oft ſelber zu rei⸗ ßenden Thieren geworden, einander zerfleiſchend? Scheint es doch, als ob die Natur wohl die Geſtalten wechsle, aber nicht die Gier, welche dieſelben beſeelte. Ormuz kämpft einen langen, ſchweren Kampf mit Ahriman; jubelt nicht zu früh, ihr Kinder der geprieſenen Neuzeit noch iſt der Streit nicht durchge fochten, noch iſt die Zeruant-akkerene, die Zeit des ewigen Friedens, der un geſtörten Seligkeit und Tugend fern. Gott iſt Gott, ſein Wille geſchehe.

Die Ft e.

Die Flöte, die ſüße, ſentimentale, ſchmachtende Flöte, iſt jezt ganz außer Kours gekommen, man hört ſie nur noch zuwtilen unter den andern Inſtrumen ten; ſie hat alle Selbſtſtändigkeit verloren. Die Geige, das Violoncell, das Kla⸗