Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
585
 
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ſchäftigungen bleibt, und Balzac bedarf wohl ſolcher Spielereien, um zuweilen von ſeinem Sinnen über neue Produktionen und von unangenehmen Begegniſſen, die ſein Privatleben häufig trafen, auszuruhen. Balzac iſt von einigen Kri⸗ tikern wahrhaft mißhandelt worden; ſein Styl iſt auch wohl mintunter verſchro⸗ ben, geziert, von einer Menge ſeltſamer Ausdrüke entſtellt, die den Leſer ver wirren, und etwa den Eindruk auf ihn machen, wie ein Stein, den eine Kna⸗ benhand in die friedlichen Waſſer eines Baches warf, an deſſen Ufer er ruhte. Aber alle Arbeiten dieſes Schriftſtellers tragen doch auf jeder Seite ſo ſehr das Gepräge eines dichteriſchen Geiſtes, ſie verrathen eine ſo tiefe Kenntniß des menſchlichen Herzens, eine ſo umfaſſende Gelehrſamkeit, daß man, ohne parteiiſch zu ſein, dieſes bedeutende Talent bewundern muß. Noch iſt ſeine lezte Arbeit nicht geſchrieben, ſeine literariſche Laufbahn nicht vollendet, und das Publik um iſt ihm noch manigfachen Erſaz für Spott und Mißhandlungen ſchuldig, die man

ſehr plump auf ihn häufte.

(Europa.)

Korreſpondenz.

Prag.(Beſchluß.) Der Tod hat uns einen in der Muſikwelt hochgeſtell ten edlen Komponiſten geraubt. Der ſoupli. Prof. des Privatsrechts an der hieſigen Univerſität, Dr. Alois Klein⸗ wächter ſtarb nach einem kurzen Kran kenlager in einem Alter von 31 Jahren. Der Verewigte als Menſch wie als ju riſtiſcher Gelehrter gleich hochgeachtet, war Einer von den Wenigen, denen es mit ihren Verufswiſſenſchaften allen Ern⸗ ſtes war, und die das Leben verſchönern⸗ de Muſika mit Treue und invita musa pflegten. Auch der Chorregent bei St. Galli und Mitglied des Prager Thea terorcheſters, Max. Knyze ſtarb plözlich am Schlagfluſſe. Zu den muſikaliſchen Erſcheinungen gehörten die drei Kon⸗ zerte, die der obenannte Violinvirtuoſe im Theater veranſtaltete, die ihm wohl reichlichen Veifall aber wenig Kaſſa brach⸗ ten. Gyys Spiel iſt elegant, blendend, erregt Bewunderung, läßt aber kalt. Was ſeine Kompoſitionen anbelangt, ſo ſind dieſe im modernen franz. Zuſchnitt und für Violin⸗Matadore beſtimmt. Sechs abſolbirte Zöglinge des Prager

Konſervatoriums, die Herren Wittek, Lewy, Ullmann, Knoblauch, Pilat und Smita haben ſich in mehreren Horn Sertetten, ebenfalls im Theater, hören laſſen und ſtürmiſchen Beifall erhalten. Sonſt brachte das Theater, nach den Gaſtſpielen der Hrn. La Roche, Neſtroy, der Haſſelt-Varth und der Enghaus, wenig Erhebliches. Höchſtens gaſtirt das Publikum im Theater, deſſen Re⸗ pertoir, durch Krankheit oder Abweſen⸗ heit mehrerer beliebter Mitglieder, noch weniger als mittelmäßig geworden. Et⸗ was Leben in den Theaterbeſuch brachte Hr. Ullram, vom Dresdener Hoftheater, der nur dreimal und zwar als Georg in denPuritanern, als Graf in der Nachtwandlerin und als Reuterholm in derVallnacht auftrat und ſich als einen hochgebildeten Sänger von Beruf manefeſtirte und ſeine Acquiſition wün⸗ ſchenswerth machte. Ein wahres Wort über dieſen trefflichen Operiſten ſprach die muſikaliſche Notabilität Tomaſchek in dem gehaltvollenOſt und Weſt. Eine Ephemeride warder Küſter von St. Paul von Dr. J. Schuster, eine Erbärmlichkeit, die der dramatiſchen Li⸗ teratur zur Schande gereicht. Dem. All⸗