Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
576
 
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iſt die ſchönſte Erinnerung an die gute eit, als Veſth eine vorzügliche deutſche Oper beſaß; wo ſind die Abende, an welchen wir ſie als Semiramide, Des demona, Norma, Amenaide und Pami ra bewunderten; wer vergaß ihre gran dioſe Leiſtung als Anna Bolena? und wen erſchütterte ſie nicht als Ginevra? Schon damals hatten wir Gelegenheit, ſie als Antonina glänzen zu ſehen, wel che Parthie ſie auch jezt, als ihrer In⸗ dividnalität ganz angemeſſen, mit echt künſtleriſcher Vegeiſterung darſtellte. Ob wohl nicht zu verkennen war, daß die vier⸗ monatliche Geſangs-Pauſe ihre Stimme momentan etwas beeinträchtigte, ſo wuß⸗ te ſie doch, troz einer während des er⸗ ſten Aktes ſie beherrſchenden Veklommen heit, ihre Mittel im Spiel und Geſang geltend zu machen, und vorzüglich war es im Final⸗Sextett dieſes Aktes, wo ſie über die andern Stimmen domini⸗ rend hervortrat. Ganz ausgezeichnet aber war ſie im dritten Akte, wo ſie, beſonders im Finale, durch kunſtgerech ten, ergreifenden Vortrag, durch lei denſchaſtliche Auffaffung und tiefe Em pfindung Alles zur Bewunderung hinriß. Sie ward oft enthuſſaſtiſch gerufen. Sgr. Paltrinieri ſang den Beliſario mit ſehr ſchöner Stimme. Sgr. Roppa ſtand als Alamir, wie gewöhnlich, auf der höchſten Stufe muſikaliſch-dramati ſcher Bildung. Er ärntete großen, an haltenden Beifall u. ward mehrere Mal ſtürmiſch gerufen. Das trema Bysan- zio mußte wiederholt werden. Sgr. Tasca leiſtet als zweiter Baß Genü gendes. Sgnura. Caſſiani(Irene) hatte im Geſang und Spiel viel aus gezeichnete Momente; möchten wir doch das Vergnügen haben, ſie in einer grö ßern Parthie recht bald zu hören. Das Haus war, wie geſagt, in allen Räu- men überfüllt, und die Vorſtellung durch Anweſenheit Ihrer kaiſerl. Hoheit der durchlauchtigſten Erzherzogin Hermine

beehrt. Man erlaube mir bier noch die Bemerkung, die ſich mir öfter, auch bei anderer Gelegenheit im Thea ter aufdrang. Es iſt für einen Kunſt verſtändigen nichts betrübender, als im merwiederkehrende ſchiefe Urtheile und anwidernde Vergleiche ſo vieler einge bildeter Kunſtrichter zu hören. Man kann eine Sängerin oder einen Sänger recht gut finden, und nach Ver dienſt lo⸗ ben, ohne andere dadurch in Staub herabzuziehen. Man kann die impoſan⸗ te Erſcheinung, das kraftvolle Organ, die Leichtigkeit im Vortrag ſchwieriger Paſſagen de. bei einem Individuum vollkommen würdigen, ohne deswegen die Vorzüge eines andern als für nichts zu halten, und mit Oeringſchäzung übergehen zu wollen. Jeder Künſtler hat Vorzüge, jeder Schattenſeiten. Olindo. Berlin. Dem. Schebeſt hat ihre Gaſtparthien(auf der königl. Bühne) beendet und erfreute ſich zulezt immer mehr der Anerkennung. Es iſt wohl wahr, daß ihre organiſchen Mittel, ſei's nun von Natur oder durch die Ein griffe der Zeit, nicht zu den wohlha bendſten gehören, doch zeigt ſich um ſo mehr die Künſtlerin darin, daß man, weil hier Geiſt und Kenntniß der In⸗ dividualität mit aller Geſchiklichkeit walten, aus Geſang u. Spiel ein ſchö nes, beifallswürdiges Ganzes werden ſieht. Neue Gäſte ſind Mad. Genti luomo, Dem. Spatzer(Schweſtern und Beide vom Hoftheater zu Hannover) und Hr. Abreſch(vom Stadttheater zu Frankfurt a. M.). Die genannten Da men hatten als Norma und Adalgiſa den glanzendſten Erfolg und ſie gewan⸗ nen ihn durch ihre ſchönen Stimmen u. einen hohen Grad Ausbildung im Ge ſange, worin Mad. Gentiluomo voraus, während die Schweſter, die noch Anſpre⸗ chendere iſt. Hr. Abreſch, der den Se⸗ ver gab, zeigte gute Anlagen und wir