577
wuͤnſchen ihm, daß er Gelegenheit ha— ben moge, ſie nach den beſten Vorbil— dern und mit eigenem Studium zum rechten Werthe zu bringen.
Korreſpondenz.
Prag.(20 Auguſt.) Wohl ſelten ward die Vöhmenhauptſtadt in der Som— merſaiſon ſo mit Fremden angefüllt, als heuer. Notabilitäten aller Art beſuch⸗ ten auf ihrer Tour in die böhmiſchen Bäder das alte, ehrwürdige Prag, und der berühmte„Verſtorbene“ in Beglei— tung ſeiner Afrikanerin, ſo wie der Ber— liner Aſtronom, Mayerbeer, Bruder des berühmten Tondichters, erregten kein kleines Intereſſe und morgen wird Ihre Hoheit, die Herzogin v. Leuchtenberg, Tochter S. M. des Kaiſers von Ruß⸗ land, erwartet. Auf allen Straßen und Gaſſen ſieht man Leute aus allen Her⸗ renländern, bald mit einem Gerle'ſchen, Schießleriſchen oder Kluezakiſchen„Weg⸗ weiſer“,„Führer“ in der Hand, bald einen gaſthöflichen Guiden zur Seite, fahren oder gehen, um die Merkwür⸗ digkeiten und Seltenheiten der Praga Bohemorum zu beſchauen. Oft gewahrt das Auge einen mit Knebelbart gezier— ten Mann oder eine blaſſe Dame vor einer Kirche, im Volksgarten oder auf der Haſenburg, mit der Bleifeder in der Hand, das antike Gebäude oder die romantiſchen Umgebungen der Stadt ins Album zeichnend. Wir können aber auch mit unſerer romantiſchen Lage zufrie⸗ den ſein, die uns bei den Ausländern in ein bedeutendes Renommee bringt und von welcher beſonders die Spreebewoh— ner(Verliner) luſtberauſchend heimkeh— ren und von der genoſſenen Romantik jahrelang ihr poetiſches Leben friſten. Das materielle Leben iſt in Prag auch nicht zu verachten und die vielen„De⸗ likateſſen⸗Handlungen“ mit ihren„Renn⸗ thier⸗Zungen“, ihrem Porter und Ale
beweiſen klar, daß dieſe nordiſchen Lin— guen oder„Vrobehäringe“ mehr An— klang und mehr Abnahme finden als irgend ein treffliches Journal. Im Bier⸗ hauſe wird getrunken, wie ſichs ge— biert, im Bachuslokale geweint, wie es Einer röthlich oder weis lich findet, und im Cafe„die Schwarze“ in den Mund„die Allgemeine“ in die Hand genommen und dann wird die Prager⸗Brünner, und die Prager-Dres— dener Eiſenbahn-Frage, oder die orien— taliſche Schwefel-, Opium, die Lud⸗ wig Napoleon-, oder die Königswarter⸗ Frage in Kannegießereien beantwortet. Die ihrem Magen in quantitativer und qualitativer Hinſicht bene thun wollen, finden für 1 fl. 30 kr. W. W. an der table dhote im„Roß“ die Erfüllung ihres Wunſches, und für die Waſſer⸗ trinker quillt im St. Wenzelsbade, das jezt mit einem impoſanten Saal geziert, ihr Heil. Für Schwimmluſtige iſt, nebſt der bereits beſtehenden k. k. Militär⸗ ſchwimmſchule eine von einer Ak tienge⸗ ſellſchaft gegründet worden, die am 8. Juni eröffnet wurde und am 1. Auguſt das Feſt ihrer Gründung durch Feuer⸗ und Waſſerkünſte, durch Gedichte und ein Feſtmal feierte. Späterhin veran— ſtaltete dieſe Civilſchwimmſchule eine Produktion für die Armen zu St. Bar⸗ tolomäi. Für die Abgebrannten in Va⸗ ja gab die Direktion des unter dem Protektorat S. Durchlaucht des Prin⸗ zen Camil von Rohan ſtehenden Volks⸗ Muſik⸗Inſtitus eine Akademie, in wel⸗ cher ſich außer den Profeſſoren Küttel (Ftötiſt) und Kazatel(Celliſt) u. meh⸗ reren Zöglingen der Anſtalt, der be⸗ rühmte Violinvirtuoſe aus Paris, Herr Ghys, und der treffliche Vaſſiſt, Herr Ullram, vom Dresdener Hoftheater, hö— ren ließen. Sowohl in dieſem Wohl⸗ thätigkeitskonzerte als in den Prüfun⸗ gen, welche das Kinderfreund'ſche Mu⸗ ſikinſtitut am 17. und 18. d. M. abge⸗


