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Grabesſchweigen herrſcht im Saale; der Arzt winkte und der Tailleur murmelte ſein„Le jeu est falt; rien ne va plus!“—„Halt!“ rief To⸗ bias,„ich habe mich geirrt! Ich ſezte auf Rouge und Ronge verliert!... Ich ſpiele auf Noire!“—„Gut!“ antwortete der Tailleur und die Karten fielen eine nach der andern.—„Ah... gewonnen!“ ſchrie Tobias, außer ſich vor Entzüken und Jubel wie ein Naſender. Dann rief er mit dumpfhallender Stim— me:„Genovefa! Genovefa! liebes Weib!“ und bog ſich, gierig wie Harpagon über ſeine gewonnenen Schäze hin, lachte laut auf und ſah wieder mißtrauiſch umher, ob ihm auch Niemand etwas nehme.———.
Laſſen wir den Vorhang vor dieſer Schrekensſzene fallen und ſehen, wie der Arme am andern Morgen erwachte.— Der Arzt ſtand vor ſeinem Bette; Tobias ſchlug ruhig die Augen auf und erkannte in ihm ſogleich den guten Freund, welcher ihm geſtern Abend das Geld borgte, um ihn zu heilen. Er dankte ihm mit tiefer Rührung. Auch Genovefa erkannte er ſogleich und drükte ihr freundlich die Hand.
Einige Tage nach jenem Abende, der des Unglüklichen Wahnſinn brach, fuhr ein Reiſewagen vor Genovefas Wohnung. Das Ereigniß hatte viel Auf— ſehen gemacht, alle näheren Bekannten wollten den merkwürdigen Fremden und ſeine intereſſante Frau noch einmal ſehen; den Reiſewagen ſtellte eine italieniſche Gräfin, die in Lucca Genovefas mütterliche Freundin geworden war, zur Ver— fügung des Paares.— Der Wagen rollte fort, die Zurükbleibenden ſahen den Abziehenden mit herzlicher Rührung nach. Die Gräfin nebſt dem Arzte und ei— nigen näheren Bekannten gaben den Reiſenden bis zur nächſten Station das Ge— leit. Tabias war heiter und weich; Genovefa ſelig.— Als das Geleit Abſchied nahm, fragte die Gräfin den Spieler:„Nun, Herr Tobias, was halten Sie jezt vom Spielen?“—„Es iſt das Haar des Teufels, an welchem er uns zur Hölle zieht.— Ich ſpiele nimmer wieder, denn ich liebe. Jezt fühle ich recht tief und klar, daß der Spieler nicht lieben kann. Genovefa, erſt heute weiß ich, was du mir biſt und ich dir werden kann.— Leben Sie wohl, und wenn Sie wieder in einen Spielſaal treten, ſo denken ſie an den wahnſinnigen Tobias!“
rrrrrrrTrTTTTSSSSSTTSTTTSTTTT—T—T—T—T—T—T—T—T—T—T—T——— Anſichten. Urtheile. Vegebniſſe.
Henriette Carl übte elektriſche
Theater. Wirkung auf das Publikum. Obwohl
Peſt h. Italieniſche Oper. — Henriette Carl) Nachdem Sgr. und Sgra. Nulli, dieſes beliebte und geſchäzte Künſtlerpaar nach Ablauf ſei— ner Kontrakts- Periode die Geſellſchaft des Herrn Merelli verlaſſen hatte, hör— ten wir am 1. d. M. eine Repriſe von Donizetti's herrlicher Seria:„Belisa- rio“ mit neuer Beſezung zweier Haupt⸗ pathien, Antonina: Fräul. Carl, Be⸗ liſario; Sgr. Paltrinier.— Der Name
die Oper Belisario ſeit ſehr kurzer Zeit zum vierten Male gegeben wurde, und die neuliche dritte Vorſtellung derſelben ein ziemlich unbeſuchtes Haus machte, ſo füllte ſich jedoch daſſelbe jezt in allen Theilen. Deutlicher konnte wohl nichts für die hohe Beliebtheit dieſer eminen— ten Künſtlerin ſprechen. Der Empfang war auch glänzend, der Beifalls ſturm lang anhaltend und in der Folge ſich ſehr oft wiederholend.— Fraͤul. Carl


