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ob das Kupfergeld ſo gut Gold ſei, wie die Goldhaufen, die er hingemalt hatte; als ob die Figuren lebten! Nun ſchien er lange geſpannt zu warten— er war im Geiſte vor dem grünen Tiſche in der Hölle des Palais Royal.— Genovefa fühlte ſchmerzlichtiefes Mitleid mit dem armen Wahnſinnigen und konn— te endlich nicht mehr an ſich halten. Sie klopfte dem Träumer leiſe auf die Schulter, legte den Arm um ſeinen Naken und fragte ſchluchzend:„Tobias, was machſt du denn?“—„Hm, was Tobias macht?.., er ſpielt!““ Genovefa klagte einer Freundin ihre Noth und bald war die Stadt voll von dem ſeltſamen Gemälde des„verrükten Tobias“; man wollte das vielbe— ſprochene Bild doch ſehen und ſich mit eigenen Augen überzeugen, was an dem Gerede ſei. So geſchah es denn, daß ein reicher Kunſtfreund, theils aus wirkli— chem Intereſſe an der merkwürdigen Schöpfung, theils aus Mitleid mit dem Unglüklichen und der beklagenswerthen jungen Frau, ſür das Gemälde eine nam— hafte Summe, ein kleines Vermögen bot.— Genovefa wollte von dem Anerbie— ten anfangs nichts hören, denn ſie fürchtete, Tobias möge in ſeine frühere Apaß thie zurükſinken, wenn das Gemälde fortgebracht würde; doch endlich gewann der Gedanke bei ihr die Oberhand, daß es vielleicht möglich ſei, durch dieſen unverhofften Gewinn Mittel und Wege zu bekommen, um tüchtiger Aerzte Hilfe für Tobias Heilung in Anſpruch nehmen zu können. Nun wurde ihr der Rath gegeben, ſie ſolle mit dem Geiſteskranken reiſen und ſehen, ob die Zerſtreuungen und Wechſelfälle des Wanderlebens nicht anregend und ſtärkend auf ihn wirk— ten.— Genovefa nahm ihren Muth zuſammen, verkaufte das Gemälde, wie Alles, was Geldeswerth hatte und ging mit dem geiſtigblinden Maler auf Reiſen—
Sie fuhr mit Tobias den ſchönen Rhein hinauf, machte in Deutſchland mehrere Abſtecher, beſuchte dann die Schweiz und ging nach Italien. Aber we— der die reizenden idylliſchen, noch die hochromantiſchen Wunder der Natur, we— der intereſſante Fremde, noch Reiſeunfälle, weder die Schweizerſeen mit ihren Stürmen, der Rheinfall mit ſeinen Donnern, die altehrwürdigen Städte mit ihren Domen und Kunſtſchäzen— weder Lärm noch Ruhe, weder Gewühl noch Einſamkeit, nichts ſchien auf Tobias gelähmte Geiſteskräfte einzuwirken. Er benahm ſich ſtill, ſchüchtern und tändelnd wie ein unmündiges Kind. Wenn Ge— novefa ihn auf dieſe oder jene Schönheit mit beredter Stimme aufmerkſam mach— te, ſo ſtarrte er hin und deutete höchſtens durch ein Lächeln an, daß die Wir— kung des Angeſchauten wenigſtens leiſe die Oberfläche ſeines, wenn ich ſo ſagen darf, überfrorenen Geiſtes berühre. Ihn einmal bis in die Tiefe des Herzens aufzuregen, ihn durch Freude oder Schreken zu ergreifen, war und blieb ein Ding der Unmöglichkeit; ſein Gefühl für die Außenwelt ſchien unheilbar abge— ſtorben zu ſein. 5
Lucca iſt das italieniſche Baden, der Sammelplaz der reiſeluſtigen euro— päiſchen Ariſtokratie, der Aufenthaltsort der Geſchäftsloſen, der eingebildeten Kranken, der Geld- u. Zeitverſchwender, der Abenteurer, Spieler und lebenslu— ſtigen wie lebensmüden Touriſten. Das Vad gibt dem Treiben einen Namen, aber die Bälle und Geſellſchaften, Konzerte und Luſtfahrten, Intriguen und Liebſchaften, Lebensromane, Roulette und Trente et quarante ſind die Haupt— ſache.— Alſo wieder das Spiel; allenthalben, wo des lieben Gottes Gnade ſich in ihrer höchſten Glorie verkündet, des Teufels Kapellen: welch gottloſer Hohn, gegen den Himmel, welche Schmach und Schande für die Menſchheit!


