Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
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Wo ſind wir? Ein Blik auf Baden. Dieſer Artikel beginnt alſo:Als Ba den nur noch ein berühmtes Wildbad war, hatte es ſeine glänzendſte Periode in der lezten Hälfte des 15. Jahrhun derts; damals zählte es, in einer Sai ſon an 3000 Kranke. Jezt iſt es Luxus bad geworden, und zählt 20,000, meiſt Geſu nde. Wer will nun noch beſtreiten, daß das Ba dereiſen zur Mode, nur zu Mode gehört. Prag. Ein ſechsjährige Juden enabe, der am 13. Auguſt in der Pra ger Judenſtadt verloren ging, ward am 10. d. M. in einem Keller gefunden, wo er durch drei Tage ohne Nahrung ſich befand und nur wunderbarer Weiſe am Leben blieb. Der Kleine wollte nämlich einem Ziegelwagen ausweichen, glitt aus und fiel in ein Kellerloch. Leider war ſein Fall weder bemerkt, noch ſein Weinen und Schreien gehört worden. Am 16. ging ein Tiſchler in den Kel⸗ ler, um einige Bretter zu holen, als er zu ſeinem Schreken ein menſchliches Weſen auf dem Boden liegen fand. Es war der verloren gegangene Knabe, der am faulen Holze nagte. Der Kleine, der Angellus Schulhof heißt, und deſ ſen Lebenskräfte ganz darnieder liegen, befindet ſich unter ärztlicher Behand lung.(Oſt u. Weſt.) London. Der Sommerzug der vornehmen Londoner Welt nach den Seebäbern hat innerhalb der lezten 14 Tagen ſeinen Anfang genommen, und in Graveſand und Northfleet ſind ſeit dem bereits gegen 40,000 Perſonen aus London angelangt. Die Themſe zwi ſchen Noreligth und Richmont gleicht jezt einer großen viel belebten Land ſtraße, indem nie weniger als 50 Dampf boote, jedes mit 150 Neiſenden durch ſchnittlich, auf und nieder gehen.

Etwas von Allem. In Ma⸗ drid will man jezt dem erſten ſpaniſchen

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dramatiſchen Dichter, Calderon de la Barca, ein Denkmal ſezen. Die im Fürſtenthum Oels in Schleſien beſtehen⸗ de Anſtaltzur Beförderung der Sitt lichkeit unter dem weiblichen Geſchlecht erfreut ſich eines geſegneten Fortganges. Das Rubens-Feſt hat am 15. Auguſt zu Antwerpen begonnen. Da die Kriegs drohungen Frankreichs ſchon etwas ab genüzt ſind, ſo werden nun die deut ſchen Zeitungen neuen Stoff für ihre Spalten aus Antwerpen bolen. Aus Berlin aber gehen verdrießliche Nach richten über das bevorſtehende Gutten bergsfeſt ein; es iſt unter den Feiernden eine Spaltung eingetreten, was die Blätter als ein höchſt betrüben des Ereigniß bezeichnen. Von den 2000 engliſchen Offizieren, die in der Schlacht von Waterloo fochten, be finden ſich gegenwärtig noch 452 in Dienſt. In Laibach produzirten ſich am 14. 15. u. 16. Aug. eineatlan⸗ tiſch-afrikaniſche Geſellſchaft der Bedui⸗ nen aus der Wüſte Sahara, unter der Direktion des Hrn. Ludwig Deſorme, unter bedeutendem Zuſpruch und Bei fall. Von Bauernfeld erwartet man in Wien ein neues Stük:Heraclit u. Democrit. In dem Darmſtädter Allgemeinen Anzeiger wird die An kunft Ole Bull's mit dem Zuſaze: Rennthier aus Norwegen angezeigt. Ein Bericht im Nürnber ger Korreſp. aus Wien ſagt:Wenn Sie nach Wien kommen ſollten, ſo bitte ich Sie ja nicht dem Glacis der Jo ſephſtadt zu nahen, denn da ſind alle Räuber der Jezt- und Vorwelt los⸗ gelaſſen: auf dem Theater der Joſeph⸗ ſtadt führt uns der theatraliſche Ahas verus Kunſt alle Mord- und Raubbren⸗ ner der civiliſirten Welt vor Augen: Rinaldo, Abällino, Moor, Dobry, die Räuber auf dem Kulmerberg u. ſ. w. und da das Haus immer leer iſt, ſo iſt man unter dieſem Räubergeſindel ganz