Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
561
 
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Vuſen ſchlaͤgt; ſtaunt an den kühnen Adlerflug einer jugendlich-kräftigen Fan⸗ taſie, die ſich ihren eignen Weg ge bahnt, und ruft dem todten Meiſter ein feuriges:Evviva! So oft die Oper bereits in Veſth gehört worden, immer war das Theater voll und auch bei der lezten Darſtellung durch unſere italie niſchen Gäſte bewährte ſie ihre Anzie bungskraft; ein äußerſt zahlreiches Au ditorium hatte ſich eingefunden und der genußreiche Abend wurde durch die hohe Gegenwart Ihrer k. k. Hoheiten des durchlauchtigſt. Erzherzogs Stephan und der durchlauchtigſten Erzherzogin Hermine verherrlicht, welche mit ei nem dreimaligen ſtürmiſchenEljen! empfangen wurden. Bei der Aufführung waren es aber nur die Männerparten, die beſonders effektvoll ſich geſtalteten; Sgr. Roppa war ein unübertrefflicher Sever, gleich ſiegreich durch den Me tallklang ſeiner Kraftſtimme, wie durch den ſüdliche Glut athmenden kunſtgebil deten Vortrag jede Nummer ſang er wunderſchön und die ſchon bekannten Melodien ſchienen in ſeiner Kehle neue Zauberreize zu gewinnen. Stürmiſcher Applaus. Sgnor. Polonini(Oroxveso) drang allgemein entzükend durch, der helltönende Glokenbaß war mit dem Geiſte der Kompoſition ſo innig ver ſchmolzen, daß die ganze Leiſtung wie aus einem Guße nichts zu wünſchen übrig ließ. Die Arie mit Chor im 2. Akte mußte er wiederholen. Norma war Sgra. Mazza; wir haben dieſen Part ſchon zu oft mit vollendetſter Virtuoſität ſingen gehört, als daß uns die Leiſtung der Sgra. Mazza, der alle Mittel zu dieſer ſo ſchwierigen Aufgabe fehlten, hätte befriedigen können. Sie erwies ſich größtentheils als lükenhaft und erhob ſich nur im Finale bei dem lieblichen:qual cor tradisti! zu ei⸗ niger Bedeutung. Sgra. Caſſiani als Adalgiſa bot einige lichtere Momente

ohne beſonders dervorzutreten. Ihr Spiel war ſehr löblich. Die Chöre gingen exakt; Schindelmeiſſer dirigirte mit Energie. Semper idem.

Literatur.

Literariſches Vort fol io. Der Baron Gobert in Paris hat für den, der das beſte Geſchichtswerk über Frankreich liefert, eine Leibrente von jährlich 10,000 Francs als Preis aus geſtellt, die der Verfaſſer ſo lange er hält, bis ein noch beſſeres Werk erſcheint, wo es dann auf den Verfaſſer des lez tern übergeht. Die Akademie wird in dieſem Jahr den Preis zum erſten Male vertheilen. Wie werden da jezt die Fran zoſen Geſchichte ſtudiren! Wir könnten auch ordentliche Geſchichtswerke brau chen, die jezigen taugen faſt alle nichts und haben wenigſtens die wahrhafte Subſtanz der deutſchen Geſchichte nicht verarbeitet. Ein ſolcher Preis würde ge wiß viel Leben in die trokene Geſchich⸗ te, wie ſie jezt getrieben wird, brin⸗ gen; aber freilich Leute, die 10,000 Francs jährlich an ſo etwas ſezen, gibt's nicht viele, und wahrfJeinlich gibt's nicht noch Einen! Einiges Aufſehen erregt das eben erſchienene Werk Hein⸗ rich Heine's:Ueber Börne, ein aller dings wizgeſchwängertes Buch, das aber mehr Indignation als Freude hervorzu rufen geeignet iſt. Dieſe Beſudlung eines Todten, dieſe Bewizlung eines der edel⸗ ſten deutſchen Charaktere iſt unwürdig u. man kann bei der großen Börnepartei, die ſich in Deutſchland herausgeſtellt, dieſem Heine'ſchen Produkt, vielleicht gar dem Heine'ſchen Ruhme, ein nahes Ende prophezeien. Briefe von dem Tod⸗ ten benuzen, um ſich ſo oder ſo gleichviel, wenn nurpublik umpakend⸗ pikant an dem Todten zu rächen, iſt ein Verfahren, das nur die Indigna⸗ tion aller Gerechten erregen kann.