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und Mad. Haſſelt-Barth, welche glei— cherweiſe ſchon ſeit längerer Zeit ihren Plaz eingenommen, glänzen wieder als zwei Sonnen am Wiener Geſangshim— mel. Die erſte Wiederholung der„Ghi— bellinen und Guelfen““ wurde eben ſo zahlreich beſucht als ſtürmiſaͤd applau— dirt; der„Liebestrank“,„Jeſſonda““, „Beliſar“ folgten mit gleichen Suec— ceſſen nach.— Staudigl wurde in Lon⸗ don enthuſiaſtiſch aufgenommen, vor Kurzem auch in Wien angekommen, machte er das herrliche Dreigeſtirn vollzählig.— An Prof. Preyer's Oper: „Walladmor“, die ſchon ſeit zwei Jah— ren vollendet iſt, wird bereits eifrig ſtudirt; wir hoffen überhaupt in allen Theatern Wien's auf eine ergibige und geſegnete dramatiſche Herbſtleſe.— Das Theater an der Wien ſucht mit Lebhaf— tigkeit und ſteter Abwechslung von No— vitäten ſein Publikum zu ergözen u. die Abweſenheit des Direktors Carl, deſſen Kenntniß und Energie der Bühnenlei— tung bekannt ſind, wird durch ein Di— rektions⸗Comité wenig fühlbar gemacht. „Der daumlange Hanſel“, ſo hieß Fenzl's lezte große Pantomime, die noch immer Maſſen von Zuſchauern an ſich zieht. Auch Hopp hat unterdeſſen wie— der eine Poſſe geliefert, welche Glük tu. Inhalt mit all ſeinen frühern Arbeiten theilt. Hr. Kaiſer ſcheint zum Kouplet— ſchreiben verurtheilt, es wird keine Lo— kalpoſſe in beiden Theatern gegeben, an welcher nicht auch er ſein Theil Arbeit erhält. Neſtroy's Feder ruht jezt aus; in der großen dramatiſchen Herbſtexer— zierzeit jedoch ſoll er eine Poſſe liefern, da werden die Preisſtüke gegeben, es kommen die Aufwärmungen, reſp. Wie— derholungen und Neſtroy wie Scholz werden alle Hände voll zu thun haben; es vergeht jezt keine Woche, wo ſie nicht jeder fünf bis ſechs Mal ſpielen müſſen. — Da in einigen Tagen der Ak robat Averino ſeine Vorſtellungen in der
Joſephſtadt beginnt, werden die„ſchlim— men Frauen“ nach Preßburg u. Baden wandern. Nur wenig Aufführungen mehr, ſo feiern ſie in Wien ihr Ju bi— läum! 8 Hamburg. Der„Telegraph“ ſchreibt:„Glüklich war der Erfolg des Herrn Stoll, als Eleazar in der„Jü— din.“ Die ungünſtigſten Umſtände ka— men zuſammen, um dieſem jungen Sän— ger ſein Debüt zu erſchweren. Man hatte ſoviel von dem Verluſt ſeiner Stimme, den Verlegenheiten der Direktion, von ſeiner Helgolander Badekur hören müf— ſen, ein Tichatſcheck, de Bezzi u. Roppa gingen ihm voraus und zum Uebermaaß aller Schwierigkeiten wählte er noch eine Rolle, in der Wurda ſich aus zu zeichnen pflegt u. für welche dieſer den Vorſprung hatte, daß er ſie für Ham— burg zum erſten Male ſchuf. Allein gleich der erſte Akt entſchied dafür, daß wir in Herrn Stoll einen jungen, denk en⸗ den Darſtel ler zu begrüßen hatten. Die Maske, die er wählte, iſt weit in⸗ tereſſanter als die Wurda'ſche. Herr Stoll ganz Shylock, Wurda nur annä— herungsweiſe Jude und entſtellt durch einen preßhaften, verlebten Ausdruk des Geſichtes, dem der Mangel des Vartes keine Würde geben kann. Im zweiten Akte entwikelte ſich die Stimme des Herrn Stoll. Das Gebet am Tiſche und der Abſchied von Recha wurden ausge— zeichnet vorgetragen, mit einer Empfin— dung und Wahrheit des Gefühls, die weit über die kokette Sentimentalität der Italiener hinaus reicht. Das Organ klangvoll, metallreich, weniger kraftvoll in der Tiefe, als in der Mitte und Höhe, nur leider ohne Kraft in der Fiſtel, wie zwei Töne im vierten Akte verriethen. Doch in all den Tönen, die Herr Stoll beſizt, lauſcht man gern ſeinem Geſang; er iſt gut nüancirt und wird ſich noch bedeutender geltend ma— chen, wenn wir erſt von den Darſtel⸗
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