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mächtigen Wellenſchlage des Pariſer Lebens und Treibens hin und erfand ſich eine ganz eigenthümlich neue Art zu leben und zu tändeln. Nun bezog er eine Wohnung in der Näbe des Palais-Royal und legte ſich dort gewiſſermaßen vor Anker.„Kann man ſich,“ meinte er,„ein koloſſaleres, Gaſthaus denken? Was das Herz erfreut, ſteht hier Jedem, der des Goldes Zauberſtab in Händen hat, zu Gebote, Kaffehäuſer und Neſtaurationen, öffentliche Leihbibliotheken und prachtvolle Bäder, Kleider nach der neueſten Mode und Puzſachen, Blumen, Ko— mödien und Vaudevilles— wohin man geht, wohin man blikt Luxus, Anzie— bendes, Vergnügen, Glanz! Das muß man kennen, durchlebt haben!“—— Und er lernte es kennen, er lebte wie ein fahrender Ritter auf einer Feeninſel, wie Odyſſeus auf dem Eilande der Kalypſo.

Im Jahre 1837 beſtanden in dem Palais-Royal noch jene unſeligen Häu— ſer, welche die rothe Flammenſchrift an der Stirn trugen: 30.— 113.— 184. Ich brauche wohl kaum zu ſagen, daß hier jene Vampyrhöhlen gemeint ſind, in welchen die vom Staate geduldeten, privilegirten Blutſauger ihr Weſen trie— ben. Dieſe modernen Hexenmeiſter der gefählichſten Art zogen auch unſeren Ma— ler in ihre Zauberkreiſe und mordeten langſam, doch ſicher, ſein beſſeres Gefühl bin.— Ganze lange Abende und Nächte hindurch ſaß Tobias auf einem Stuhle in Nro. 36, wie feſtgeſchmiedet, wie auf der Folter. Ehe er ſich's verſah, hatte er beträchtlich verloren; das Geld, mit welchem er ſeine Reiſe beſtritten, mit welchem er ſeiner Genovefa Schmukſachen kaufen wollte, war dahin, neue Zu— ſchüſſe aus der Heimath wurden nöthig; er wollte das Glük durch Konſequenz zwingen— was will der Menſch nicht Alles, wenn er ſſich vor ſich ſelber und vor der Welt ſchämen muß. Das Nächſte, was er ſich hätte vornehmen ſollen, nämlich nie wieder zu ſpielen und ſeine Unbeſonnenheit dadurch, daß er ſie ſeinem geliebten Weibe eingeſtand, zu ſühnen, ließ er außer Acht; er ſchämte ſich vor ihr, ſie ſollte von einem— Unglüke nichts wiſſen, er wollte, wie die franzöſi— ſche Sprache beſchönigend ſagt, ſeine Fortüne korrigiren. Darf es uns jezt noch befremden, wenn er dem wahnwizigen Streich ausführte, daß er nach Brüſſel ſchrieb, ſich ſein ganzes väterliches Erbe übermachen ließ und nun ſein Glük mit dem Glüke ſeines Lebens, ſeines Weibes und vielleicht auch ſeiner Kinder ver—

ſuchte? Alles ſezte er aufs Spiel!

(Jortſezung folgt.)

Anſichten. Urtheile. Feger

Theater.

Peſth.[Italieniſche Oper.) Als neu erſchien auf der deutſchen Bühne am 22. d. M. Dontzetti's Seria:„Lu⸗ crezia Borgia““, von der italieniſchen Operngeſellſchaft dargeſtellt. Wir ken— nen ja, wie Viktor Hugo ſchreibt, wir kennen ſie dieſe gräulichen Gift- und Mordgeſchichten, bei denen nichts übrig bleibt, als daß in einem allerlezten

Akte noch die Geiſter der Ermordeten eine ſchauerliche Komödie ſpielt en; eine ſolche Haar emporſträubende Geſchichte iſt auch dieſe„Lucrezia Borgia“ und darum kann ich wohl der Erzählung des Sujets überhoben ſein. Eben ſo ſchnell werde ich mit meinem Bericht über den muſikaliſchen Theil der Oper zu Ende ſein; denn wir wiſſen ja auch, wie Do— nizetti ſchreibt, wir kennen ſie, dieſe lieblichen Klänge in Belliniſcher Manier,