ihnen nach, aber ſie erreichen ſie ſelten, überflügeln ſie nie und die Anforderun-

gen der Kunſtkenner ſind durch das Anſchauen und den Beſiz der alten Gemälde ſo hoch geſtellt, daß die neueren Beſtrebungen gewöhnlich nur nach jenem Maaß— ſtabe gemeſſen und ſelten in ihrer Weiſe gewürdigt werden. Wer kauft noch neue Bilder, wenn man viel beſſere ältere bereits beſizt? So geſchieht es denn nicht ſelten, daß ein aufſtrebendes Talent in Belgien und Holland, ſobald es ſich fühlt, des Epigonenthumes müde wird und auswandert, nach Deutſchland, Ita—

lien oder Frankreich, dort Heimath und vaterländiſche Kunſt vergißt und nicht f

allein örtlich, ſondern auch künſtleriſch zum Ausländer wird.

Die belgiſchen Maler gehen beſonders gern nach Paris; Halbfranzoſen ſind ſie durch Erziehung und Neigung ohnehin in der Regel, nun wollen ſie gern ganze Franzoſen werden. Aber den wenigſten gelingt eine geſunde Einbildung in das fremde Kunſtelement; die meiſten bleiben Stümper und gehen, durch Noth oder lüderliches Leben auch körperlich ruinirt, zu Grunde.— Tobias Vandael fühlte ſich; er hoffte durch Talent, Fleiß und ſeine glükliche äußere Lage über das Epigonenthum hinaus zukommen und nahm ſich vor, ſeinem Namen, ſeiner Heimath, ſeinem Vaterlande treu zu bleiben und Zeit und Geld, Fleiß und Ausdauer der Ausführung eines echtnationalen Kunſtwerkes zu wid— men.— Ihn ſchüchterten die Wunder der alten Schule nicht ein, ſendern ſie ſpornten ſein Kunſtſtreben und gaben ihm eine höhere Weihe, ja er ging mit dem kühnen Plane ſchwanger, eine neue flamändiſche Schule gründen zu hel— fen und träumte von der Auferſtehung, von der Wiedergeburt der längſt ver— blichenen goldenen Kunſtepoche ſeines geliebten Vaterlandes. Der Mann, welcher recht kräftig, feſt und dauernd für das Vaterland wirken will, muß mit Leib und Seele im heimiſchen Boden wurzeln. Tobias hatte eine dunkle Ahnung von dieſer Thatſache. Troz ſeines ſchön erblühenden Künfllerruhmes und ſeines anſehnlichen Vermögens kam er nicht recht zum Behagen; er fühlte eine Leere, es fehlte ihm eine gleichgeſtimmte Seele. Nur gewöhnliche oder gemeine Geiſter fühlen ſich durch alltägliche Liebſchaften und Schönthuerei befriedigt; tiefere Na— turen ſehnen ſich nach tieferem Verſtändniſſe, nach innigerem Selenleben mit ei— nem warmen weiblichen Herzen. Eine ſolche Sehnſucht wurde auch bei Tobias mit jedem Tage mächtiger; er ſuchte ein Mädchen, das er lieben könne, er wollte heirathen, denn an einem guten Auskommen fehlte es ihm nicht und auch geiſtig und gemüthlich fühlte er ſich reich genug, ein liebendes Weib glüklich ma— chen zu können.

Das Glük meinte es mit Tobias Vandael ſehr gut; es führte ihn eines Abends in angeſehener Geſellſchaft zu Brügge, das an ſchönen Mädchen reich iſt, mit der lieblichen Genovefa*“ zuſammen, und bald verſtanden ſich Tobias und Genovefa wie Zwillingſeelen, welche, wie die Sage geht, an einem und demſel— ben Tage, in einer und derſelben Minute vom himmliſchen Vater die eine hier— hin, die andere dorthin zur Erde geſandt werden, und ſich ſo lange nach einan— der ſehnen und ſich ſuchen, bis ſie ſich gefunden, bis ſie durch Liebe und Ehe wieder ein Herz und eine Seele geworden ſind oder ſich in Sehnſucht aufzeh— ren und nimmer glüklich werden. Wo ſie ſich begegnen, entſcheidet der erſte Blik, der erſte Händedruk für das ganze Leben. Auch Tobias und Genovefas Liebe ließ eine Ehe, die, wie man zu ſagen pflegt, im Himmel geſchloſſen iſt, hoffen. Aber wie oft machen die Thorheiten dieſer Welt des Himmels Güte zur Strafe;

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