Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
542
 
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Thüre, die du nicht kennſt, aber ich öffnete ſie mit einem Schlüſſel, den lam aus der Hand deiner Herrin ſelbſt empfangen habe. Eile zu ihr!Meine Her rin?Ja freilich!Miſtriß Stampſon?Sie, ſie ſelbſt. Miſtriß Stampſon iſt abgereiſt.Ah, gut, ſie iſt nach White-Houſe Adieu, mein Kind; ein anderesmal rufe nicht:Diebe! wenn du Lord Mel mort ſiehſt. Bei dieſen Worten machte der Lord kehrum und ſchikte ſich an, ſich von ihr zu entfernen.

Mylord, Mylord, rief Sarah,Miſtriß Stampſon iſt nicht in White Houſe, ſie iſt nach London.Nach London?Ja, ganz gewiß, ſie hat dies Haus verkauft.Ich weiß es, es iſt in meinem Auftrage erſtanden. Aber was will ſie in London?Sich verehlichen.Sich verehlichen! Du ſcherzeſt, mein Kind.Keineswegs, mit Maſter Simple, einem reichen Kaufmann.Mit dem ſtarken Manne von einigen vierzig, mit dem rothen Geſichte, und den dünnen Haaren?Ja, Mylord, ja mit dem ſtarken Manne, der ein Landhaus in der Grafſchaft und zwei Häuſer in London beſizt. Aber haſt du niemals gehört, mein Kind, daß Miſtriß Stampſon eine Be kanntſchaft habe.Ja, Mylord, es hieß, daß ein junger Mann, ich glaube, er nannte ſich Arthur MorisJa, Arthur Moris.Er liebte meine Herrin; aber er war der jüngſte des Hauſes, nicht einmal ſo bemittelt, daß er ſich eine Stelle in der Armee erkaufen konnte und überdies drei Jahre jünger als Miſtriß Stampſon. Meine Herrin dachte, die jungen Leute ſind ver ſchwenderiſch, eitel, flatterhaft, wenn Verwittwete klug und ſparſam ſind; das Alter braucht ſie nicht erſt dazu zu machen. Sie hat, allem Anſchein nach, eine Neigung für Herrn Moris gehabt, aber ſie machte Rechnung und fand, daß, wenn ſie Herrn Moris heirathete, ihr Vermögen um die Hälfte zuſammen ſchrumpfen, während die Parthie mit Herrn Simple es um das Zehnfache ver mehren würde!Ha, ha, ſich um das Zehnfache vermehren würde! Ja, Mylord. Sie iſt vor einer Stunde abgereiſt und iſt in dieſem Augenblik in London; in einigen Tagen iſt ſie eine der reichſten und wahrſcheinlich auch der ſchönſten Frauen der City. Sie kennen meine Herrin und ſind gewiß mei ner Anſicht.Wie heißt du, mein Kind?Sarah, Mylord.Was denkſt du von dem Benehmen deiner Miſtriß? Würdeſt du an ihrer Stelle auch ſo gehandelt, würdeſt du, wenn dir ein Mann, wie Sir Arthur Moris, ſeine Liebe geſchenkt, wenn du ihn wieder geliebt, würdeſt du auch ihn verlaſſen ha ben, um deine Hand in die eines reicheren zu legen? Würdeſt du die Liebe eines häßlichen, um zwanzig Jahre älteren Kaufmanns der Liebe eines jungen lebens frohen Mannes vorgezogen haben, der zu deinen Füßen ſeine Liebe bekannt, dem du den Schlüſſel zu einer geheimen Thüre gegeben??O mein Gott, Mylord, Sie ſind Sir Athur Moris?Du antworteſt auf meine Frage nicht, Sarah. Sie ſchwieg, aber der zur Erde geſenkte Blik und die the ihrer Wangen zeigten nur zu deutlich, daß die Liebe im Uebergewichte über den Reichthum war.Jezt ſage mir, mein Kind, ob ich in meinem Hauſe, in einem Hauſe, welches ich ſeit einigen Tagen an mich gebracht, nicht ein Abend- brod haben kann?

Der Keller der untreuen Wittwe war mit dem beſten franzöſiſchen Weine verſehen. Der Lord ſpeiſte ſo gut, als in einem der beſten Londoner Gaſthöfe; in ſeiner Geſellſchaft befand ſich eine der größten Schönheiten des Landes; denn