Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
543
 
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Sarah ſträubte ſich nicht lange, an einer Tafel Plaz zu nehmen, wohin ſſe ein ſchöner Mann führte, der ein Lord war, und den die Untreue eines Weibes be trogen hatte. Als der Champagner eine fröhliche Stimmung hervorgebracht, als ſich der Ungeſtüm in ſeinem Innern verlor, da war er von der überraſchenden Schönheit des jungen Mädchens betroffen. Miſtreß Stampſon war ſchön, aber ſie war ſchon etwas über den Frühling hinaus; ſie mußte die Kunſt ſchon zu Pathe nehmen, um zu gefallen. Sarah dagegen, naiv und unſchuldig, wie ſie war, ſah mit einem unverhohlnen Wohlgefallen den Lord an, ohne im Minde⸗ ſten darin etwas Gefährliches zu befürchten. Nur die Liebe konnte der Herrin vor der Dienerin den Vorzug ertheilen; Lord Melmorts Unwille ließ ihn ſich nicht lange bedenken.

Jas, wandte er ſich an Sarah,du haſt Recht, ich bin Arthur Mo ris, oder ich war es wenigſtens vor einem Monate, wo Miſtriß Stampſon mich liebte; ſie hätte mir ihre Hand reichen müſſen; ihr Vermögen würde mir zum Avancement verholfen haben. Gott iſt mein Zeuge, daß ich ſie von Herzen geliebt habe. Zweiter Sohn einer reichen, hochadeligen Familie, hätte ich auf eine meinem Range entſprechende Parthie Anſprüche machen können. Ich verließ vor zwei Monaten meine Familie, zu der ich jedoch vor Kurzem wieder zurük kehrte, da ſie meine Nükkunft wünſchte. Mit Schmerzen verabſchiedete ich mich von Miſtreß Stampſon, die mich mit Liebesbetheuerungen entließ. Ich fand ei nen ſterbenden Bruder bei meiner Ankunft. Vor zwei Monaten noch der arme Sir Arthur Moris bin ich nun der reiche Melmort, Pair von England und Mitglied des Parlaments. Ich eile hierher, meinem Worte nachzukommen, ich wünſchte, reich und hochſtehend, das Weſen zu beglüken, das mich arm geliebt hat. Ich wollte ſie überraſchen, ich wollte ihr den Himmel meiner Liebe erſchlie ßen. Sarah, du weißt, was geſchah. Aber ich verſchmerze es gern, ich freue mich, dich zu ſehen; ich liebe dich; ich reiche dir die HandMir?Ja, ganz gewiß, Sarah.Mylord, ich bitte, verhöhnen Sie kein armes Mädchen Der Lord gab ein Zeichen, da öffnete ſich die Thüre; das Gemach füllte ſich mit einer großen Dienerſchaft, welche mit Lichtern in den Händen einem ehrwürdi gen Greis, einem Geiſtlichen des Kirchſprengels Plaz machten, den Sarah genau kannte. Bevor noch Sarah ſich von ihrem Erſtaunen erholt hatte, war ſie Lady Melmort.

Mitten in der Nacht wurden ſie aus ihrer ſeligen Ruhe durch die Ankunft der Miſtreß Stampſon gewekt. Sarah begab ſich ſofort zu ihrer frühern Herrin. Ach, da biſt du, Sarah, ſprach ſie,wie froh bin ich, dich zu finden. Ich bin die unglüklichſte Perſon von der Welt; Alles iſt verloren. Mein Haus, meine Ländereien ſind verkauft, der Erlös kam in die Hände des Maſter Simple, der in Folge eines Vankerotts nach dem Kontinent geflohen. Es iſt ein Glük, daß ich noch nicht mit ihm vermählt bin. Ich komme von London, mein Kind, ohne einen Shilling; ich habe noch hundert Pfund von der Verkaufsſumme mei nes Hauſes einzunehmen; ich will ſie mir jezt geben laſſen das iſt ſchön, du biſt in die Dienſte des neuen Veſizers getreten?? Sarah war zu verlegen, um zu antworten, als Lord Melmort eintrat.

Miſtriß, ſprach er, als er ſeine untreue Geliebte bemerkte,hier habe ich die Ehre, Ihnen Milady Melmort vorzuſtellen.