Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
537
 
Einzelbild herunterladen

537

Vaters und ihrer Freundin in Tiefſinn verſunken liegt.Möge ſich Gott ihrer bald erbarmen! ſo rufen dei ihrem Anblike die guten Dörfler aus und fal ten im wehmüthigen Gebete die Hände. Dr. Th. R. en.

Die Faſhionables in China.

Man glaubt allgemein, daß die Chineſen, eine ſo geſezte und ſchwerfälli ge Nation, keine Dandys, Stuzer oder Modepuppen haben, doch iſt es gerade das Gegentheil davon. Es gibt wenig Länder, welche dieſe pretiöſe Kaſte in ſo großer Menge beſizen, als China. Die Toilette eines chineſiſchen Faſhionable iſt ſehr koſtſpielig. Sie beſteht aus den reichſten Crépe- und Seidenſtoffen; ſeine Stiefel und ſeine Schuhe haben eine ganz eigenthümliche Form und ſind aus dem ſchönſten weißen Nankin-Atlas gemacht; die Sohle muß eine gewiſſe Erhö hung haben; ſeine Knie ſind mit eleganten Stikereien umgeben; ſeine Pfeifen ſind von ſehr theurer Gattung; ſein Tabak iſt aus der beſten Fabrik in Fokien; er trägt eine goldene engliſche Uhr, einen an einer aus koſtbaren Perlen gemach ten Kette hangenden Zahnſtocher, und einen in Nankin verfertigten und ſtark parfümirten Fächer. Seine Dienerſchaft iſt auch in Seide gekleidet. Sein Pa lankin, kurz, Alles was ihm gehört, iſt von der höchſten Eleganz. Wenn er mit Jemanden von ſeinen Bekannten zuſammentrifft, ſo entwikelt er eine ein ſtudirte Feinheit in ſeinem Benehmen, wie unſere raffinirteſten Elegants in Eu ropa, vermehrt noch durch das viele abgeſchmakte zeremoniöſe Zeug der Chineſen. Das Koſtume der Frauen in China unterſcheidet ſich nur ſehr wenig von dem der Männer, ſie pflegen beſonders ihr Haar mit vieler Sorge, und koeffüren ſich mit ſehr viel Geſchmak und Eleganz; nur ſehr ſelten bedeken ſie das Haupt. Künſtliche Blumen, prächtige goldene Nadeln, koſtbare Edelſteine bilden mit ih rem gewöhnlich braunen Teint einen gefährlichen Kontraſt. Obſchon es den chine ſiſchen Frauenzimmern nicht an Annehmlichkeiten fehlt, ſo beſizen ſie doch keines falls die Schönheit der Georgierinen oder anderer Frauen Aſiens. In Peking findet man jedoch Frauenzimmer, welche die Geſichtsfarbe der Europäerinen ha ben, ohne daß ſie zu künſtlichem Roth oder anderen Kompoſitionen zur Geſichts färbung, deren man ſich in China ſehr ſtark bedient, ihre Zuflucht nehmen. Ihre kleinen Augen, obſchon ſchwarz und funkelnd, haben nicht den angenehmen und ſanften Ausdruk der großen, blauen Augen der Europäerinen. Ein cineſiſches Frauenzimmer wird nur dann für ſchön gehalten, wenn ſie ſchmale Augen, leicht aufgeworfene Lippen, glattes, rabenſchwarzes Haar, und einen außerordentlich

kleinen Fuß hat. Dieſer leztere charakteriſirt beſonders die Schönheit; die Di menſſon des Fußes beſtimmt den Werth der Braut. Um dieſe Vollkommenheit zu erlangen, wird dem Mädchen, gleich wie es auf die Welt kommt, der Fuß mit Riemen ſo eng als möglich zuſammengeſchnürt, dann mit Bandagen auf ſolche Weiſe umwikelt, daß die Zehen nicht wachſen können. Der Fuß eines jungen Mäd⸗ chens iſt mit ſammt der Ferſe nicht größer als 5 Zoll. Der Niſt iſt immer ungewöhn lich dik, und die Mißgeſtalt wird ſehr geſchikt durch Atlas-Pantalons, mit Fran⸗ ſen oder reichen Borduren verſehen, bedekt. Dieſe ebenſo barbariſche als dumme Sitte der Fußverkleinerung iſt Urſache, daß die Frauenzimmer, beſonders die vornehmen, faſt nicht im Stande ſind zu gehen. Dieſe Fußzwangs⸗ Sitte ſoll