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ſcher Stoffe ſcheint jezt immer mehr Modeſache— bei den Dichtern zu wer— den; doch auch das Publikum bleibt konſequent, es will dieſe Stüke nicht und läßt ſie fallen. Wir haben einen Saul von Gutzkow, eine dramatiſche Skizze; wir haben einen Saul von Bek, der troz den ſchönen Bildern und Redensarten auf der Bühne mißfiel; wir haben eine Judith v. Hebbel, wel— che ſelbſt die Leiſtung und Vorliebe der Crelinger in Berlin vor totalem Durch— fallen nicht ſchüzen konnte. Auch in Frankreich kommt ſolches Rococo in Mode: F. Philoche hat ſo eben einen fünfaktigen David erſcheinen laſſen.
Mignon Zeitung.
Potpourvi aus Paris. Ganz Frankreich wird in lauter Dreieke ab— getheilt, bis jezt zwar bloß mathema— tiſch, aber wie leicht können die Fran— zoſen auch einmal auf den Einfall kom- men, ſtatt der Departements Dreieke einzuführen? Puiſſant hat den zweiten Theil ſeiner„Geodäſie Frankreichs!“ vollendet, welche die Triangulation der Mitte, des Weſten Frankreichs und der Küſten des Kanals enthält: auch eine Abhandlung über die aſtronomiſchen Ar— beiten, die zur Meſſung der Parallelen und Meridiane und zur nähern Beſtim— mung der Abblattung der Erde noth— wendig waren. Es iſt nun noch unge— fähr ein Viertheil Frankreichs zu trian— guliren, dann iſt eine der größten geo— däſiſchen Arbeiten unſerer Zeit fertig. — Dieſer Tage ſtarb ein alter Mann, der den Malern oft als Modell diente, wenn ſie einen Greis mit ſchneeweißem Vart und edlen Zügen darſtellen woll— ten; ſonſt trieb er das nicht ſehr ein— trägliche Gewerbe, den Zuſchauern im Theatre frangais die Abendblätter zu verkaufen. Der Alte hieß Bourrier, und hatte früher unter den Fahnen der
Republik gedient. Das ſchöne Bild Ary Scheffers,„der König von Thule““, ſoll ſeine Züge wiedergeben, und ſo ge— hört der Verſtorbene gewiſſermaßen der Kunſtgeſchichte Frankreichs an.— Aus Cairo wird erzählt, dort lebende Fran— zoſen wollten ſich an den Vizekönig von Egypten mit der Bitte wenden, er ſolle geſtatten, daß auf der großen Pyramide von Giſeh, dem Kaifer Napoleon und dem Feldzuge von Egypten zu Ehren, ein Denkmal errichtet werden dürfte; die nöthigen Summen dazu ſollen durch freiwillige Beiträge aufgebracht werden.
Péele⸗méle aus London. Ge⸗ gen Ende des Jahres 1837 ſoll ein Eng— länder, verführt ducch das Originelle und Gefährliche eines ſolchen Unterneh— mens, den Himalaja, den größten, bis jezt bekannten Berg der Erde, beſtie— gen haben. Auf dem Gipfel angekom—⸗ men, ſtekte er ſeine Viſitenkarte in ei— nen hohlen Baum, und ging wieder fort. Ein Jahr ſpäter wagte ein Ruſſe dieſelbe gefährliche Expedition, u. fand oben des Engländers Karte. Er nabm ſie reiſte geradewegs nach London, mach— te dem engliſchen Touriſten einen Be⸗ ſuch, und ſagte ihm höflich:„Verehr— ter Herr, ich erlaube mir, Ihnen bier die Karte zurükzuſtellen, die Sie im verfloſſenen Jahre auf dem Himalaja zurükließen.“ Der Engländer geriet h in Wuth, es kam zwiſchen ihnen zum heftigſten Wortwechſel; ein Duell fand ſtatt, und der Engländer ſoll ſeinen Beſuch auf dem Himalaja mit dem Le— ben gebüßt haben.— Ein hochgeſtellter Reiſender, der unlängſt aus England zurükgekehrt iſt, erzählt viel von einem Hof⸗Konzerte, zu dem er mit einer Ein⸗ ladung beehrt worden war. Die Köni— gin und Prinz Albert ſangen zu meh⸗ ren Malen, unter andern auch ein italie⸗ niſches Duett. Die Stimme der Königin ſoll angenehm und ziemlich umfangreich
ſein, und ihre Methode die fleißige


