Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
529
 
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Kreis von Verwandten, Freunden und Bekannten hat, deſſen einzelne Glieder ſtatt, wie in frühern Zeiten, nach ei nem oder dem andern Spazirorte ſeine Richtung zu nehmen, nun Beſuche vor den Thoren abſtatten, und die geſunde Luft auf Koſten ihrer Freunde, die ſie natürlich nach Kräften bewirthen müſ ſen, zu genießen pflegen. Höchſtens des Sonntags vereinigen ſich die Heimge bliebenen im Baumgarten, und hier ſieht man ſodann eine Zahl von Equi pagen, welche mit den eben geſchilder ten Verhältniſſen kaum vereinbar ſcheint, und nur durch den Umſtand erklärt wird, daß an dieſem Tage manches Ge ſpann, welches in den Tagen der Wo che zu bürgerlichen Gewerben verwen det wird, ſich in Luxuspferde verwan delt, und ihre Gebieter auf die Pro menade zieht. Auch der Zdekauer'ſche Garten vor dem Roßthore wird fleißig beſucht, und der Stern wie das Schar kathal, Kuchelbad und das Thal von Brézan nächſt Königſal am rechten Ufer der Moldau bieten Gelegenheit zu grö ßeren Exkurſionen. Die beſuchteſten Spa zirgaänge in der Stadt ſind an ſchönen Sommerabenden die Wälle der Neuſtadt und der Volksgarten nächſt dem Sand thore, zwei Promenaden, die Prag der regen Sorgfalt des verehrten Landes chefs, Obriſtburggrafen Grafen v. Cho tek, verdankt, u. die insbeſondere den jenigen Bewohnern der Stadt den Ge nuß der geſunden Luft gewähren, deren Verhältniſſe ihnen nur einzelne Stun den des Tages zum Spazirgang zu ver wenden erlauben. Die erſtern werden zugleich von alten und kränklichen Per ſonen häufig heimgeſucht, deren Zeit oder Kräfte ihnen den Genuß entfern terer Promenaden micht geſtatten. An drei Tagen der Woche verſammelt ſich Alles auf der Färberinſel bei einer bril lanten Muſik, welche auch in andern kleinern und minder beſuchten Luſtorten

nicht fehlen darf. Die Schüzeninſel wird jezt weniger beſucht, da ſie, faſt ganz mit Quadern zum Bau der Ket tenbrüke bedekt, nur wenig Raum zum Spazirengehen darbietet, u. der Schloß garten, wie der nächſt daran gelegene Hirſchgraben dienen meiſt zu Morgen promenaden, in lezterem wird auch die treffliche Quelle wie jene des Wenzels bades und des Zdekauer'ſchen Gartens von Vielen zur Waſſer-Trinkkur be nuzt. G.

Nteratur.

Literariſches Vortfolio. Das vierte Heft derBilder aus Böh mens Vorzeit, Burgveſten und Ritter ſchlöſſer in Original-Anſſchten darge ſtellt!, gezeichnet von Karl Würbs, beſchrieben von W. A. Gerle, liefert die beiden alten Veſten Klingenberg u. Schrekenſtein. Eine ſehr detaillirte Be ſchreibung der erſten Burg iſt an einen Moment des 30⸗jährigen Kriegs geket tet, und auch intereſſanter wird Schre kenſtein durch die merkwürdige Geſandt ſchaftsreiſe des Herrn Koſtka von Po ſtupitz, welchen König Georg von Po diebrad nach Paris ſandte, um den nig von Frankreich zu einem Monar chenbund und zur Errichtung von all gemeinen Fürſtentagen einzuladen. Memoiren eines Schornſteinfegers hat Ludwig Lax in Aachen, Memoiren des Teufels Soulié in Paris, ditto des Satans der ſelige Hauff in Stuttgart geſchrieben. Nun aber kommt der Ruſſe Bulgarin und hat Denk würdigkeiten einer Fliege geſchrieben. Der Gedanke war kein unglüklicher; eine Fliege kann freilich Manches ſehen mit ihrer unge heuern Anzahl von Augen, was Men⸗ ſchenkindern, die nur zwei Augen ha ben, verborgen bleibt. Sie kann auch durch ein Schlüſſelloch in Kabinete krie chen de. de. Das Dramatiſiren bibli⸗