Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
528
 
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nung mehr gewöhnt hatten. Ganz treff lich ward die Oper größtentheils ge ſpielt, da herrſchte ein wahres Durch drungenſein eines jeden Einzelnen von ſeiner Parthie, kein ängſtliches Guken nach dem Taktſtabe des Kapellmeiſters, präzis und ſicher greift Alles in einan der, wie bei einer Maſchine, als wenn es gerade nur ſo und nicht anders ſein könnte. Sgra Mazza, als Adina, war durch den nekiſchen Charakter ihres Spie⸗ les eben ſo ausgezeichnet, wie durch ih ren gerundeten Geſangsvortrag; ihre lezte Arie erwarb ihr rauſchenden Ap⸗ plaus; das Duett mit Dulcamara ging ganz vorzüglich, die Allegroſtelle:in quest' occhi é 1 elisir mußte wieder⸗ holt werden. Sgk. de Vezzi(Remo rino) war wieder der durch ſeinen zar⸗ ten, innig gefühlten, kunſtgebildeten Vor trag ſiegreiche Sänger; ſeine Klagearie im zweitem Akte, die er mit all dem Gefühlsausdruke des inkelice inamo rato vortrug, ward ſo lärmend be klatſcht, daß er die Wiederholung mit ſchöner Vereitwilligkeit u. gleicher Vir tuoſität leiſtete. Wir geben zu, daß die⸗ ſer Sänger ſchwache Stimm-Mittel ha⸗ be; aber wie weiß er dieſe zu gebrau chen! Wie ging dieſe erwähnte Arie bei allen ſeinen Vorgängern verloren, und von welchem Tenoriſten mit viel belobter Stimme wurde hier je die Wie⸗ derholung derſelben verlangt! Auch das Duett mit Velcore mußte repetirt werden. Sein Spiel war in den fein⸗ ſten Nuancen charakteriſtiſch. Die Rolle des Nemorino fand jezt erſt Bedeutung, Leben und Wahrheit. De Bezzi wird gewiß bald der Liebling des Publikums. Sgr. Paltrinieri gab ſich in dem Parte des Dulcamara als ausgezeichne ter Buffo zu erkennen, der nicht nur die Geſangsmanieren, ſondern auch das Spiel dieſes echt italienſchen Charakters ziemlich inne hat. Durch den hellen

Metallklang ſeiner Stimme imponirend!

ſang Sgr. Polonini den Sergeanten dieſer junge talentvolle Mann, der mit ſo vortrefflichen Naturanlagen für ſei⸗ nen Beruf ausgeſtattet, dürfte es bei ähnlich fortgeſeztem Eifer noch zu einer tüchtigen Kunſtſtufe u. bedeutendem Re nommee in der Muſikwelt bringen. Das ganze Enſemble ging, wie bereits er wähnt, vortrefflich, auch Chöre und Orcheſter blieben hinter den Uebrigen nicht zurük. Es war intereſſant, daß bei dieſer Aufführung gerade Piecen u. Stellen applaudirt wurden, die bis her immer ſpurlos vorübergegangen waren. Semper idem.

Korreſpondenz.

Prag.(Beſchluß.) Am meiſten wird den Reiſenden die Leere der Promena den auffallen, da doch ein großer Theil der Bevölkerung nicht fort kam; aber hier treten wieder zwei Umſtände ein: die niedern Klaſſen der Stadtbewohner fertigen ihre Spazirgänge die über dies natürlich nur an Sonn- und Feſt⸗ tagen ſtattfinden ſo kurz ab, und ſcheuen die glühende Sonnenhize ſo we nig, daß jene um 2 Uhr Nachmittags begonnen werden, und, wenn die höhe ren Stände ſich vom Mittagstiſche er heben, ſizen jene erſten Spazirgänger ſchon im Vierhauſe, um ſich bei einem Glaſe Gerſtenſaft von der ermüdenden Promenade zu erholen u. zu erfriſchen. Nur im Frühjahr u. Herbſt findet man oft alle Klaſſen von den Stadtbewoh nern, vom erſten Fürſten an bis auf den einfachen Handwerksmann und die Domeſtiken des Mittelſtandes auf einer Promenade verſammelt, wo dann der Beobachter ein ziemliches Verhältniß der Menge von Spazirgängern zu der ſta⸗ tiſtiſchen Seelenzahl der Stadt findet. Im Sommer ſind die Promenaden na türlich wenig beſucht, da doch jede auf dem Lande wohnende Familie einen