Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
523
 
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Mignon-Zeitung.

Paris. Ein Pariſer Journal ent hält über Olle. Taglioni folgende pi kante Kritik:Geſtern tanzte Olle. Taglioni im Opernhauſe die Sylphide. Das iſt ein großes dramatiſches Ereig niß, über das wir uns, vor der Abreiſe der Penſtonnairin des Kaiſers von Ruß land, etwas länger auszubreiten geden ken. Für jezt nur ein Paar Worte. Wir laſſen der Olle. Taglioni alle Gerechtigkeit wiederfahren; allein, ſoll ten wir auch dafür von Barbaren trak tirt werden, ſo können wir nicht umhin zu ſagen, daß les handelt ſich von einer Tänzerin), wenn Olle. Taglioni ein ſchö ner geformtes Bein hätte, dies ihrem Ta⸗

lente gar nicht ſchaden würde. Hätte ſie

auch ihre Schulter etwas breiter, als die Rükſeite der Hand, den Arm etwas weniger fleiſchlos, die Züge etwas re gelmäßiger, die Hand etwas weniger gemein, würde ſie auch nichts dabei ver⸗ lieren; es muß ihr daher ein ſchönes Stük Arbeit koſten, um mit ſo wenigen Mitteln ſo graziös ſein zu können. In deſſen haben wir die Schwachheit, Frauen, die anmuthig und ſchön ſind, ihr vor zuziehen. Wir bewundern Phänomene, aber ſie verführen und bewegen uns nicht. Jezt iſt das, was man an Olle. T. bewundert, viel mehr das, was ſie verbirgt, als was ſie zeigt. Um hiſto riſch zu ſein, muß man überdies ſagen: daß Olle. T. geſtern ſehr ſchwach auf genommen wurde; ſie kommt aus einem kalten Lande, und ſie fand ein eiſiges Publikum, daß nur zur Hälfte über raſcht wurde. Troz dem ſtreuete man ihr viele Bouquets; es fanden ſich ſo gar Perſonen, die ihr für ſich allein ein halbes Duzend ſpendeten. Als Revanche zeichnete ſich die Claque durch ihre Ab weſenheit aus. Vernünftige Leute hat⸗ ten Gelegenheit, zu bemerken, wie fünf undzwanzig bezahlte Gredins im Stande

waren, für ſich allein mehr Lärm zu machen, als die ganze Verſammlung ho netter, enthuſiasmirter Perſonen. Wien. Mit bereits erhaltener al lerhöchſten Bewilligung wird der löbl. Wiener Magiſtrat zur Einlöſung der beiden Häuſer Nr. 569 und 570 vom Graben auf den Kohlmarkt eine Gel d Gewinnſt-Lotterie veranſtalten, deren Rüktritt bereits entſagt und de ren Ziehung beſtimmt und unveränder lich am 1. Mai 1841 im Rathsſaale des Wiener Magiſtrates Statt finden wird. Die durchaus in baarem Gel de beſtehenden Treffer belaufen ſich mit Einſchluß der Freiloostreffer(2254 an der Zahl) auf die bedeutende Summe von 255.310 fl. C. M. mit Gewinnſten von 100,000, 20,000, 10,000, 5000, 2000, 1000 und ſo abwärts, wogegen die Einlage von 5 fl. C. M. für das Loos ſehr mäßig erſcheint.(Sammler.) Berlin. Der Berliner Geſellſchaf ter läßt ſich folgendermaßen vernehmen: In Peſth iſt Moriz Rott, während ſeines jüngſten Gaſtſpieles, an einem Abend 20, ſage zwanzig Mal geru fen worden; in eben demſelben Pie ſt h war's auch, wo eine Zeit lang eine Epi demie, derLutzer⸗Wahnſinn, graſſirte und Liszt, wie der jedesma⸗ lige neue Sultan(Ungarn grenzt an die Türkei), mit einem Säbel, hono- ris causa, umgürtet wurde. Wie wär's wenn man alle dieſe Paroxismen eines krankhaften Hyper-Enthuſiasmus unbeſchaͤdet der Genialität eines Rott und Liszt und der Kehlenfertigkeit ei ner Luzer inskünftige kurzweg durch den AusdrukPeſthiſiren be zeichnete?(Ei! Der Geſellſchafter könnte zu ſeiner Gloſſenzielſcheibe einen viel nähern Bunkt als Peſth finden. Er braucht nur nach Breslau zu guken. Von dort her ſchrieb man erſt ganz kürzlich, daß die ganze Stadt, wegen der Lutzer in Aufruhr ſei. Nun ſo eine