35322
Geſangsvortrag nach vortrefflichen Mu— ſtern gebildet; Leben und Feinheit im Spiele. Nur hätten wir am Schluſſe mehr Beweglichkeit gewünſcht. Sgr. Vo⸗ lonini, markiger Baß, gute Vuffoma— nieren. Großer Beifall. Sgr. Tasca, nicht ohne Verdienſt im Vortrage; aber im Ganzen ohne vis comica. Sgra de Vezzi ſpielte u. ſang die alte ſpaniſche Duena hier zum erſten Male ganz richtig und charakteriſtiſch.— Die Enſembleſtellen gingen trefflich, das Terzett:„ritto, zitto, piano!“ im zweiten Akte mußte wieder— holt werden.— Die Oper war gegen früher nicht zu kennen. Häufige Beifalls⸗ ſalven. Noch zahlreicherer Beſuch, als das erſte Mal.
Semper idem.
Korreſpondenz.
Prag. Wer dieſe Stadt im Som— mer beſucht, wird ein ganz anderes Bild von ihr erhalten, als wer in einer der andern Jahreszeiten dahin kömmt, denn der zahlreiche Adel bringt die ſchöne Jahreszeit entweder auf ſeinen Gütern zu, oder unternimmt weitere Reiſen, ein großer Theil der Reichen und Be— mittelten beſucht die Heilquellen des Vaterlandes und ſelbſt der benachbarten Provinzen des Kaiſerſtaat es, um ſeiner phyſiſchen Leiden quitt zu werden, neue Kräfte zu erwerben, oder wenigſtens Linderung für den Winter heim zu brin— gen. Ueberdies folgten viele Prager auch von Jahr zu Jahr in größerer Progreſ⸗ ſton der Sitte Wiens, und bewohnen Landhäuſer in den Umgebungen der Stadt, theils ebenfalls chroniſcher Kran— ken wegen, theils um die Reize der Natur zu genießen, und in der reineren Atmoſphäre außerhalb der Stadtmauern die Geſundheit, in deren Beſiz man iſt, friſch und thätig zu erhalten, und ins⸗ beſondere, um den nachwachſenden Kin— dern die geſunde Luft in vollem Maße
zukommen zu laſſen, damit ſich das fri— ſche Leben der erſten Jugendjahre deſto kräftiger und freudiger ent falte. So bezieht denn faſt jede Familie der hö— hern bürgerlichen Stände, deren Ver— hältniſſe es nur irgend zulaſſen, eine größere oder kleinere Wohnung in den Umgebungen der Stadt, wo möglich mit einem Gärtchen verſehen; viele der— ſelben haben eigene Beſizungen in den anſtoßenden Kreiſen, und bewirthſchaf— ten während des Sommers ihr Eigen⸗ thum; ja ſelbſt Kaufleute und Veam— te, deren Geſchäfte das Haupt der Fa⸗ milie täglich an die Stadt feſſeln, ſen⸗ den ihre Angehörigen auf das Land, und der Vater begibt ſich entweder täg⸗ lich nach vollbrachter Arbeit zu Frau und Kindern, um mit ihnen den Abend zu genießen, und in der friſchen Mor- genkühle wieder in die Stadt zurük zu kehren, oder wo der Drang der Ge— ſchäfte auch dies nicht erlaubt, begnügt er ſich, die Seinigen nur des Sonntags zu beſuchen, und lebt die Woche hin⸗ durch in der Art und Weiſe der Gar— ons. Auch iſt die Zahl der Studiren— den an der Prager Univerſität und den Gymnaſien ziemlich bedeutend, ſo daß in den ſpätern Sommermonaten die ein⸗ tretenden Ferien dazu beitragen, eine Menſchenarmuth auf den Gaſſen— den Hauptſtraßenzug gegen die Brüke aus⸗ genommen— hervorzubringen, die in denjenigen Monaten, wo die Fremden aus einem Kurort nach dem andern zie— hen, oder die Sommerbewohner von Karlsbad, Teplitz, Franzensbad und Marienbad nach Prag kommen, ſich die alterthümliche Hauptſtadt der Czechen anzuſchauen— obſchon ihre Zahl manch⸗ mal ſo bedeutend zu ſein pflegt, daß alle erſten Hotels überfüllt ſind, und der Ueberfluß der Gäſte ſelbſt die Gaſt— höfe zweiter und dritter Klaſſe bevöl⸗ kert— doch nur unvollkommen erſezt wird.(Beſchluß folgt.) G.


