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wohl die Hände reichen, Ihr enthuſia⸗ ſtiſchen Anhänger des kontrapunktiſtiſchen Deutſchthumes; Ihr gelehrt thuenden Notenverſchluker u. Harmonieenfreſſer! Ihr ändert wohl Euere Farbe u. brin— get nun auch Maeſtro Bellini u. Maeſtro Donizetti ein Vivat. Nennt ſie immer hin einfach oder allzugleich modellirt jene ſüdlichen Klänge, ſie dringen doch allge— mein durch, ſie wollen nicht auf den Geiſt, ſie wollen auf das Herz wirken, es iſt lyriſche, nicht epiſche Poeſie, ein berrlich aufgerolltes Gemälde, blendend durch Farbenprunk, Heiterkeit ſtrahlend, der Grundcharakter nicht durch düſtern Ernſt erſtikt. Und enfin wird uns der Geiſt der Kompoſizion ſo vorgeführt, wie dies durch unſere wälliſchen Gäſte geſchah— was ließe ſich da noch dagegen ſagen!— Man gönne uns hier nur kurze Details. Sgra Schieroni-Nulli(Anto⸗ nina), hellelingende, wenn auch nicht ſtarke Stimme, Leichtigkeit des Vortra— ges, ſchönes Ausmalen der Paſſagen, ſichere Intonation; im Spiele nur theil⸗ weiſe entſprechend. Sgra Caſſiani(Ire— ne), talentbegabte Anfängerin, gute Methode, das markige Organ wird noch mehr effektuiren, wenn es durch Uebung einige Härten abgeſchliffen. Sgr. Nulli (Beliſario), routinirter Sänger, echt italieniſcher Vortrag mit dramatiſchem Ausdruke, die Fioretten beſonders rein und zart, in Affektſtellen kraftvoll durch— dringen d. Die Erzählung im erſten Ak— te, das„Ah se potessi piangere“ im zweiten Akte waren herrlich vorgetra— gen. Sgr. Tasca(Giuſtinlano), nicht ſehr bedeutend, aber dennoch befriedi— gend. Spiel und Haltung mangelhaft. Sgr. Bozzi(Eutropio) ziemlich entſpre— chend. Sgr. Roppa(Alamiro) riß die meiſten Beifallsſpenden an ſich; ſeine kunſtgebildete Stimme beſizt ſeltene Kraft; ſie iſt zwar kein reiner, ſchmel⸗ zender Tenor, ſondern ihrer Lage nach mehr an Bariton ſtreifend, aher für
heroiſche Tenorparten ganz geſchaffen. Das Kraftallegro:„Trema Bisanzio“ mußte unter ſtürmiſchem Applauſe zwei Mal wiederholt werden, der Uebergang vom Forciren zum Sotto voce:„ed ogni lacrima“ war beſonders lieblich markirt. Unſere Chöre und Orcheſter hielten ſich unter Grill's Leitung recht waker. Das zahlreiche, äußerſt befriedigte Auditorium ließ es an oftmaligem Forarufen nicht feblen.— Am 10. kam RNoſſini's gött⸗ liche Opera bufla:„i! Barbiere di Siviglia“ in die Szene. Die Geſellſchaft entwikelte faſt ganz neue Kräfte. Figa⸗ ro: Sgr. Paltrinieri; Almaviva: Sgr- de Bezzi; Vartolo: Sgr. Tasca; Va⸗ ſilio: Sgr. Polonini; Roſina: Sgra Mazza; Berta: Sgra de Bezzi.— Die Aufführung geſchah mit vieler Präzi— ſion; beſonders lebhaft, mitunter ſehr lebendig war das ineinandergreifende Spiel ſämmtlicher Mitwirkenden. Sgra Mazza beſizt eine klangvolle, wiewohl ſchon ziemlich ausgeſungene Stimme, italieniſche Manier, nicht unbedeutende Kehlenfertigkeit; im Spiele war ſie weniger naiv als kokett und doch ſehr liebenswürdig. Sgr. Bezzi, ſchwache Tenorſtimme, aber kunſtgebildeter, be— ſonders delikater Vortrag, die Fioret— ten rein und ſicher; im Spiele eminent, voll Effekt. Gutzkow ſagt über dieſen Sänger im Telegraphen:„Sgr. de Vezzi hat nichts von dem, was man in Deutſchland von einem Tenorſänger ha— ben will—— und dennoch gefällt Sgr. de Vezzi. Er weiß nämlich zu ſingen u. zu ſpielen; wenn er erſcheint und wenn er geht, ſo hat das Alles Hand und Fuß; er weint im Tone, er lacht im Tone, er grollt, er nekt im Tone; keine ſchöne Stimme, aber in dieſer Stimme einen ganzen Menſchen mit dem zappelnden Apparat von Gefühlen und Manieren, ohne welchen kein Italiener auf's Theater kommt!——“ Sgr. Paltrinieri, kraftvolles Organ, leichter


