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Jezt aber kommt das Tragiſche der Geſchichte: Noch war ſeit unſerer Ver— heirathung nicht ein Jahr verfloſſen, ſo hatte mein Bruder, der Mathematiker, ein Auge verloren:— ſeine liebenswürdige Gattin hatte es ihm mit einem Kom— paß ausgeſchlagen; dieſe Differenz der ernſteſten Art aber war entſtanden, weil er ihr einen bedeutenden Rechnungsfehler nachgewieſen hatte. Mein guter Bru— der überlebte den Verluſt ſeines einen Auges nicht lange, er nahm die Lehre mit in's Grab: eine Frau heirathen, die weiß und treibt, was ihr Mann weiß beißt, ſich mit der leibhaftigen Konkurrenz vermählen, und ſich die gehäſſigſte Kritik Zeitlebens auf den Hals laden.

Meinen literariſchen Bruder haßte ſeine Frau, weil die Rezenſenten wohl— wollender gegen ſeine Proſa waren, als gegen ihre Verſe. Sie benuzte zulezt ihr ſchönes Talent nur noch, Satyren und Epigramme gegen ihn zu machen, und knikerte in der Haushaltung, um die Drukkoſten für dieſe Liebenswürdigkei— ten zu erſchwingen.

Mir ging es nicht beſſer, als meinen Vrüdern. Der Muſik von Jugend an mit der größten Begeiſterung mich widmend, kam mir der unheilvolle Ge— danke, eine Oper zu ſchreiben. Mein Unſtern wollte, daß dieſe Oper ſehr ge— fiel. Jezt hatte mein häuslicher Friede ein Ende. Zuerſt ſprengte meine Frau aus, ſie habe die Oper geſchrieben, ich nur ihre Kompoſition geſtohlen. Dann ſchrieb ſie ſelbſt eine Oper, die aber ward unter unmuſikaliſchen Pfeifen und Scharren zu Grabe getragen, und nun wußte ſie zu verbreiten, das ausgepfif—⸗ fene Machwerk habe mich zum Komponiſten, und ſie ihm nur ihren Namen ge— liehen, um mir für den wahrſcheinlichen Fall, daß es durchfiel, die Schande zu erſparen. So war ich zuerſt ein Plagiarius geweſen, und jezt ward ich ein Nichtswürdiger, der dem Spott, der ihn mit Recht getroffen hätte, ſeine un— ſchuldige Frau ausſezte. Wir lebten ſeit den beiden verhängnißvollen Opern in der unglüklichſten Ehe, und fehlte mir auch noch viel zum Sokrates, ſo durfte meine Frau doch für die beſte Ueberſezung der Xantippe gelten. Endlich erlöſte mich der Tod von ihr; auf ihrem Sterbebette aber hatte ſie noch einer Gevat— terin insgeheim anvertraut, ich habe ſie vergiftet, ſie verzeihe mir indeſſen dies Verbrechen. Natürlich wußte dieſen Edelmuth der Sterbenden am folgenden Tage die ganze Stadt, und ich hätte leicht das Vergnügen haben können, mein unglükliches Talent zur Kompoſition noch durch Gefängniß, als mut hmaßlicher Giftmiſcher, zu büßen, hätte nicht die Leicheneröffnung ergeben, meine Frau ſei an der Gallſucht, alſo eines ihrem Charakter ganz angemeſſenen Todes geſtorben.

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(Europa.)

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Anſichten. Urtheile. Begebniſſe.

Theater

Peſth.(Italieniſche Oper.) Lange war Euterpe aus unſerem Schau⸗ ſpielhauſe verſcheucht geweſen, nun ließ ſie ihre Lyra wieder ertönen und die wunderlieblichſten italieniſchen Melodien, von italieniſchen Kehlen geſungen, ent—

zükten das Auditorium. Luigi Merelli's Operngeſellſchaft eröffnete ihren Gaſt— rolleneyklus am 8. d. M. mit Donizet⸗ ti's Seria:„Veliſario.“— Der To⸗ taleindruk war ſehr günſtig, die Prä— ziſion im Enſemble überraſchend, der Vortrag durch Glut und Begeiſterung hinreißend.— Nun werdet Ihr mir